Metadata : König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

Verschlimmerung  des  Leidens.  329

mittags  wohnten  wir  noch  mit  dem  Königspaar  einem  Automobilblumenkorso
  bei.  Hierauf  verabschiedeten  wir  uns  von
dem  Königspaar,  das  nach  Mentone  zurückkehrte.  Es  war
das  letztemal,  daß  ich  den  König  noch  wirklich  wohl  fand.
Darum  sind  mir  diese  drei  Tage  in  Mentone  immer  in  der
schönsten  Erinnerung  geblieben.

Nach  unserer  Abfahrt  hat  der  König  noch  auf  Einladung
des  französischen  Generals  in  Mizza  eines  der  Grenzforts
  besichtigt.  Bald  darauf  reiste  er  zurück  und  war  am
1.  wieder  in  Dresden.  Mein  Vater  gab  das  Korps  ab  und
blieb  nur  noch  Armeeinspekteur.  Das  Korps  übernahm  für  ihn
der  General  Freiherr  von  Hausen,  für  diesen  die  32.  Division
Generaladjutant  Hingst.  Der  Generalmajor  von  Broizem
wurde  diensttuender  General  à  la  suite  des  Königs.  Am  23.
kam  wie  gewöhnlich  der  Kaiser  zum  Geburtstag  des  Königs.
Am  Tag  vorher  hatte  ich  mich  bei  ihm  als  Kommandeur  des
2.  Jägerbataillons  Ar.  13  gemeldet.  Ich  bedauere  lebhaft,
daß  ich  es  ihm  niemals  habe  vorführen  können.  Am  6.  Mai
weilte  der  König  in  Berlin  zur  Feier  der  Mündigkeit  des
deutschen  Kronprinzen.  Es  war  sein  letzter  Besuch  dort.  Auch
seinen  Freund  Franz  Joseph  sah  er  da  zum  letzten  Male.
Als  er  dann  am  12,  den  feierlichen  Landtagsschluß  vornahm,
sagte  uns  mein  Vater:  Der  Onkel  gefällt  mir  garnicht.“  Nach
und  nach  trat  Verschlimmerung  beim  König  ein.  Als  er  nach
Sibyllenort  reiste,  begleiteten  ihn  zwei  Arzte,  der  eigentliche
Leibarzt  Fiedler  und  der  Dr.  Hoffmann,  der  nun  ständig  bei
ihm  weilte  und  von  ihm  scherzweise  sein  Tyrann  genannt
wurde.  Prell,  der  ihn  wieder  begleitete,  schreibt:  „Exz.  von
MWinckwitz  bereitete  mich  darauf,  daß  S.  M.  schwer  leide,
daß  gedrückte  Stimmung  herrschen  würde,  und  daß  man  von
mir  Erheiterung  und  Zerstreuung  des  kranken  Herrn  erhoffe.“
Weiter  schreibt  er:  „Aiemand  darf  die  Krankheit  des  Königs
erwähnen  —  —  aber  man  sieht  oft,  wie  Er  seine  Schmerzen
verbirgt.  Die  Arzte  erzählen  von  den  schweren  Nächten  und
der  Standhaftigkeit  des  Leidenden,  Seiner  Rücksicht  und