Full text : Der Reichstag von Nürnberg 1522-23.

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Umstand,  dass  Albrecht  von  Mainz  im  Namen  aller  anwesenden
  Fürsten  den  Nuntius  bat,  seine  Rede  im  Druck  erscheinen
zu  lassen.?)

Im  selben  Geleite,  wie  er  gekommen,  verliess  Chieregatı
den  Saal  und  begab  sich  zurück  in  seine  Wohnung.

In  der  Nachmittagssitzung  trat  als  Wortführer  der  ungarischen
  Gesandtschaft  der  Bischof  Ladislaus  von  Syrmien
auf.)  Schildert  er  auch  die  Not  und  das  Elend  seines
Vaterlandes  noch  beweglicher  und  ausführlicher  als  der
Nuntius,  so  teilt  er  doch  nichts  wesentlich  Neues  mit,  abgesehen
  davon,  dass  er  besonders  darauf  hinweist,  dass  König
Ludwig  durch  die  Hinterlist  und  Verräterei  seines  Volkes
in  eine  so  bedrängte  Lage  geraten  sei.  Er  schliesst  mit
dem  Wunsche,  es  möchte  den  deutschen  Fürsten  gelingen,
innere  wie  äussere  Feinde  zu  überwinden.

Besonders  lebendig  und  eindringlich  schilderte  hierauf
noch  der  Graf  Bernhard  von  Frangipan  als  Vertreter  der
Kroaten  die  Ohnmacht  dem  Türken  gegenüber;  seine  Landsleute
  würden  durch  ihre  vollständige   Mittellosigkeit  schon

1)  Chiereg.  am  28.  Nov.  (8.  o.).  —  Die  Rede  wurde  sowohl  lateinisch
  als  auch  ins  deutsche  übers.  gedr.  (vgl.  Höfler,  1.  c.  S.  269  £.)
und  dem  König  Ludwig  von  Ungarn  zugeeignet.  In  der  kgl.  Bibliothek
  zu  Dresd.  (Hist.  eccl.  E.  245,  22  und  24)  fand  ich  zwei  Exemplare
  der  deutschen  Übersetzung,  das  eine  enger  gedr.  (nur  6!/,  Seiten),
das  andre  9  Seiten.  Die  Überschrift  lautet:  Franciscus  Cheregattus
erwelter  zü  Aprutin  ein  fürst  von  Teram  vnd  pabstlicher  rhedner
dem  erleuchten  herrn  Ludwigen  Künig  zü  Hungern  vnd  Beham  etc.
—  Ranke  scheint  diese  Rede  nicht  gekannt  zu  haben.  —  Höfler  1.  c.
S.  271  teilt  mit,  dass  sich  im  Wiener  Staatsarch.  ein  Druck  dieser
Rede  befände,  versehen  mit  höhnenden  Anmerkungen,  die  „den  Ürheber
  nur  zu  leicht  erkennen“  liessen;  den  Namen  „Luther“  wagt  er
aber  doch  nicht  zu  nennen.

2)  J.  May,  Albrecht  II.  v.  Mainz  (München  1865)  I.  S.  489  bringt
einen  Auszug  der  Rede.  (Dies  Werk  setzt  sich  überhaupt  zum  grössten
Teil  aus  Auszügen  zusammen.)  —  Eine  Abschrift  der  (latein.)  Rede
des  ungar.  Gesandten  ist  im  38.  Bd.  der  Reichstagsakten  des  Frankfurter
  Archivs  fol.  2—4  zu  finden.  —  Dass  der  ungar.  Redner  ein
Franziskaner  Franz  Josephit  gewesen,  weiss  nur  der  Verf.  eines  Aufsatzes
  im  Katholik  (Neue  Folge.  Bd.  6.  S.  385)  über  A.  v.  Mainz.