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Einen welteren schädlichen Einfluß übt der Aber-
glaube an einen bösen Geist aus, der unter dem
Namen „Ngl“ bekannt ist. Ihm werden besondere
Häuser errichtet, deren Hauptinhalt aus einem ge-
dörrten menschlichen Leichnam besteht. Die „Ngi-
leute“, eine Art Geheimbund, nützen den Aberglauben
aus, um sich olle persönlichen Vorteile mühelos zu
verschaffen. Verbrechen unter dem Deckmantel des
„Agl“ sind nicht selten, werden jedoch aus Furcht
vor dem Geist von den Geschädigten ängstlich geheim
gehalten.
Bericht des Oberleutnants Dirtler über eine
Erkundungsexpedition von Bamum nach Jabassl.
J.
Am 17. Oktober 1903 brach die Expedition von
Bamenda auf und erreichte am gleichen Tage Ba-
banki Tungo, nachdem sie bei heftigem Unwetter das
Scheidegebirge überschritten hatte. Die Erledigung
1 von Thronstreitigkeiten in Bambalang, welche auf
Wursch der Station erfolgte, nahm einige Tage in
Inspruch, bevor der Weitermarsch nach Bamum über
Babessi— Bangola angetreten werden konnte. Zwischen
diesen Dörfern ist im April 1903 ein Ubergang
über den Nun hergestellt worden, auf den ich mich
infolge Fehlens eines Faltboots angewiesen sah und
so veranlaßt wurde, den schon bekannten Weg
wiederum als Marschstraße zu wählen. Die eben
erst beendigte Regenzeit hatte der Gegend ein etwas
verändertes Aussehen gegeben im Vergleich zu dem
im April beobachteten. Kleine Wasseradern waren
zu stark fließenden Bächen geworden, welche das
Gelände südlich der Straße versumpften und teil-
weise den Weg überströmten. Das dichte Gras war
zu auffallender Höhe emporgeschossen und ergab bei
Messung besonders loanger Stengel 5,71 m. Die
Aufnahme in allen berührten Dorfschaften war eine
vortreffliche, selbst in Bangola boten sich diesmol
keine Verpflegungsschwierigkeiten. Wie üblich, er-
schienen in dem letzten Marschquartier vor Bamum
Gesandte Joios, um die Expedition zu begrüßen,
die Stunde ihres Eintreffens in der Stadt zu er-
fragen und Geschenke zu überbringen. Am 26. Ok-
tober erreichte ich Bamum, an dessen Tor der Sultan
in reicher Haussatracht mit zahlreichem, ähnlich ge-
kleidetem Gefolge mich empfing. Nach freundlicher
Begrüßung stieg Joia zu Pferde, und unter Voran=
tritt der Bamums marschierte die Expedition nach
dem Häuptlingsplotze, vo Na und die anwesende
Vollsmenge begrüßt wurden. Die Unterbringung
erfolgte in der bekannten Häuseranlage, wo aufmerk-
samerweise Jola ein kleines Europäerhaus neuerdings
hatte errichten lassen.
In Bamum hielt ich mich bis einschließlich
1. November auf, während welcher Zeit zahlreiche
Besuche gewechselt wurden und neben den Be-
sprechungen die Vorarbeiten begannen. Joia für den
Bahnbau zu interessieren, war wichtig und leicht.
An der Hand mitgebrachter illustrierter Zeitschriften
erklärte ich ihm die Nützlichkeit der geplonten Ver-
kehrseinrichtung, die ihm nicht ganz fremd war, da
er von Bamums, welche an der Küste gewesen waren,
von der kleinen Bahn bei Victoria schon gehört
hatte. Die zum Bau der Eisenbahn erforderlichen
Arbeiter versprach er zu stellen und ist dazu auch
in der Lage. Er begriff den Vorteil, der dem
Lande erwächst, wenn die Bahn bis Bamum führt,
wodurch letzteres zum Stapelplatz der Erzeugnisse
Adaomauas werden wird. Für Bamun selbst kommen
neben Gummi und Elfenbein hauptsächlich Kleinvieh
und Rinder als Versandobjekte in Frage, zu welchen
nach Verbreitung einer rationellen Baumwollzucht
ein weiterer und lohnender Handelsartikel hinzutreten
kann. Die Besprechung der Bahnanlage gab Veran-
lossung zu Erkundigungen über den Weg, üÜber
welchen wenigstens einige Angaben gemacht werden
konnten. Die Schwierigkeiten seien ziemlich groß,
meinte Jola, um die Berge könne man ja herum-
gehen, aber Flüsse und Widerstand der Eingeborenen
würden viele Hindernisse bereiten. Die im allge-
meinen festzuhaltende Marschrichtung hatte ich in
sfolgender Weise ermittelt:
Da der Ausgangspunkt der Expedition, Bamum,
auf einer Karte noch nicht eingetragen war, bedurfte
es der Feststellung seiner Lage im Verhältnis zu
den Manengubabergen. Ekokobuma sowohl wie
Bagam sind auf der neu erschienenen Karte des
nordwestlichen Grenzgebiets aufgenommen, die alte
Karte enthält Ekokobuma und die Manengubaberge,
das Verhältnis desselben zu Bagam ließ sich daher
leicht konstrumeren. Die Linie Bagam—Spitzen des
Koka hatte ich durch frühere Arbeiten schon festgelegt,
so daß nach Emtragung der Peilungen Bamum—
Kokospitzen das Verhältnis des Ausgangspunktes der
Expedition zu den Manengubabergen sich ergab.
Da die Peilungslinie 239° auf den Bapit und
einen dahinterliegenden Gebirgsstock wies, begonn der
Marsch mit einer mehr südlichen Richtung zur Um-
gehung des Gebirges. Den Aufbruch von Bamum
setzte ich für den 2. November fest, die von Ba-
menda mitgebrachten Träger waren am 27. Oktober
zurückgesandt worden und wurden durch Bamums
ersetzt. Die politischen Wünsche Joias übermittelte
ich der zuständigen Station Bamenda, von wo aus
Saatkartoffeln an Bamum gesandt werden sollten.
Mitgebrachte Sämereien erlaubten jetzt schon die
Anlage eines kleinen Gemüsegartens, welcher Joia
zu dem Wunsche von Anpflanzungen von Tee, Kakao
und Kaffee veranlaßte, deren Genuß er hatte wür-
digen lernen. Seine hierauf bezügliche Bitte ver-
sprach ich, in Buea vorzutragen. Während des
btägigen Aufenthalts blieb die Aufnahme eine stets
vorzügliche, Geschenke wurden gewechselt, und schließ-
lich überreichte Joia als Abschiedsgabe zwei wertvolle
Elfenbeinzähne, welche in Deutschland mich an ihn
erinnern sollten.