Full text: Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904. (15)

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lediglich in der von den Residenzen des Kisabo ent- 
sernteren Lage des Landes seinen Grund, wodur 
die angesehenen Watusi weniger von der Sippschaft 
Kisabos belästigt wurden und demgemäß ihre 
Herrschaft in ihren Gebieten auch mehr festigen 
konnten. Außerdem liegt zwischen Usumbura und 
Muyaga die Mission Mugera, *x zenn hinaus 
Kisaobo niemals gekommen ist. Der größte Teil der 
vorgebrachten Klagen konnte daher auch von Ober- 
leutnant Frhrn. v. Ledebur erledigt werden. Am 
26. Juni überschritt die Abteilung auf dem Marsche 
von Muyaga nach Mugera zum zweiten Male den 
Ruvuvufluß und bezog am gleichen Tage Lager bei 
der letztgenannten Missionsstation. 
Während des Aufenthalts der Abteilungen in 
Mugera vom 22. bis 27. Juni erschienen die in der 
Umgegend wohnenden Angehörigen der Königsfamilie, 
viele angesehene Watusi und Wahutu, um in stunden- 
langen Schauris ihre alten und neuen Klagen vor- 
zubringen. Fast in allen Fällen waren nur die 
Kläger erschienen, so daß es mir unmöglich war, in 
den wenigen Tagen auch nur den kleinsten Teil der- 
selben zu erledigen. Um überhaupt einen bestimmten 
Termin, von welchem ab Schauris erledigt werden 
sollten, zu erhalten, wies ich alle Klagen, welche in 
die Zeit vor der jetzigen Expedition fielen, zurück. 
Alle anderen Schauris, welche nicht an Ort und 
Stelle geregelt werden konnten, verwies ich an den 
Posten in Urundi und stellte den Klägern diesbezüg- 
liche Schreiben aus. Dem Posten in Urundi wird 
daher die Aufgabe zufallen, unter ständigem Wechsel 
seines Standlagers durch Vernehmung beider Par- 
teien Ordnung in diesen Wirrwarr zu bringen. In 
Mugera war die Bevölkerung durchaus zutraulich 
und friedlich, brachte Lebensmittel in Hülle und 
Fülle und schien mit dem Ausgang der Expedition, 
d. h. daß Kisabo als Mwezi in Urundi belassen sei 
und sich selbst den Europäern zum ersten Male 
gestellt habe, durchaus zufrieden zu sein. 
Am 28. Juni verließen die Abtellungen Mugera, 
um in nördlicher Richtung den Ruvuvu an der 
Stelle des Einflusses des Muwarazi zu erreichen. 
Während die Abteilung Bismarckburg ihren Weg 
über das Mugeraplateau nahm, marschierte die Ab- 
teilung Usumbura östlich desselben im Ruvuvutal. 
Beide Abteilungen verelnigten sich am 29. Juni wieder 
in der Landschaft Nyanga am Ruvuvufluß. Hier 
erschienen die Watoale Kanuguno von Ibuheru und 
Kamwaga von Frunyoni zur Begrüßung und um 
ihre Ergebenheit anzuzeigen. Ersterer führte eine 
Truppe von etwa 100 phantastisch gekleideten Kriegern 
mit sich, welche mit großer Genauigkeit eine Reihe 
interessanter Kriegstänze aufführten, welche mehr an 
indiamsche, wie an afrikanische Volksstämme erinnerten. 
eem Kanuguno und Kamwaga sicherte ich den bis- 
herigen Besitz ihrer Gebiete zu, verlangte indessen, 
daß sie sich jeder Übergriffe gegen Untertanen und 
Freunde des Kisabos enthalten sollten und den Kisabo 
als Mwezi von Urundi anzuerkennen hötten. Der 
  
Versuch, den Ruvuvu bei Nyanga zu passieren, 
mußte des hohen Wasserstandes wegen aufgegeben 
werden. Der Weitermarsch wurde daher am Ruvuvn 
entlang bis zur Einmündung des hier 1½ in tlefen 
und etwa 20 bis 30 m breiten Muwarazi genommen. 
Lager wurde am 80. Juni und 1. Juli in der Land- 
schaft Mrongwe bezogen. Hier in Mrongwe entließ 
ich die Abtellung Bismarckburg mit dem Auftrage, 
ihren Weg durch die Landschaften zwischen dem Akan- 
yaru und Ruvuvu zu nehmen und auch auf diesem 
Marsche durch friedliche Erledigung von Schauris die 
Bevölkerung an die deutsche Herrschaft zu gewöhnen. 
Von Mrongwe marschierte die Abteilung Usum- 
bura in westlicher Richtung auf Mubekeyne und la- 
gerte am 2. Juli in der Landschaft Mzenga. Wie 
abgelegen dieser Winkel am Ruvuvu — Muwarazi ist, 
beweist die Unmöglichkeit des die Karawane beglei- 
tenden Königssohnes Kabundo, den Namen des hier 
ansässigen Mioale anzugeben. Europäer sollen in dieser 
Gegend noch niemals durchgezogen sein, auch schien das 
Gewehr den Leuten noch vollständig unbekannt zu sein. 
Am 4. Juli traf dann die Abteilung Usumbura in 
Mubekeye ein, wo Kitinwa bereits mit dem Bau 
eines großen Lugo begonnen hatte, und wo sich 
viele größere und kleinere Watoale aus der Tanganika- 
und Russisizone eingefunden hatten, um ihren Sultan, 
den Mwezl Kisabo zu begrüßen. 
Da mich eine genaue Abgrenzung der Land- 
schaft Mubekeye zu sehr aufgehalten hätte, meine län- 
gere Abwesenheit von Usumbura aber nicht angängig 
war, so setzte ich vorläufig im großen und ganzen die 
Grenzen dieser Landschaft fest und erklärte Kitinwa, 
daß der demnächst eintreffende Leutnant Frhr. v. Nor- 
beck diese Grenze mit beiden Partelen abgehen würde. 
Am 8. Juli verließ die Abtellung Usumbura das 
Lager von Mubekeye und gelangte am gleichen Tage 
nach Muramwya zu dem Mtoale Matshontsho. Auch 
hier war bereits mit dem Bau eines großen Lugos 
begonnen worden und mehrere Rasthütten zur Auf- 
nahme der Abteilung errichtet. Am 9. Juli traf der 
zur Ubernahme des Urundipostens befohlene Leutnant 
Frhr. v. Nordeck zur Rabenau in Muramwya ein, 
mit welchem ich dann unter Zuzlehung des Matshontsho 
die Grenzen der Landschaft Mubekeye und Muram- 
wya vorläufig festlegen konnte. Eine genaue Grenz- 
regulierung wird später durch den gen. Offizier er- 
folgen. Am 11. Juli verließ die Abteilung Muram- 
wya und gelangte nach Ikiganda, wo Unteroffizier 
Ehrhardt bereits einen provisorischen Posten errichtet 
hatte. Kisabo hatte sich aus seinem bisherigen Lugo 
in unmittelbarer Nähe des Postens angebaut, da er 
nunmehr auch ständig unter dem Schutz der Europäer 
bleiben wolle. Die von Kisabo verlangten 424 Rinder 
waren vollzählig zur Stelle. Nach allem mußte 
ich nunmehr die Überzeugung gewinnen, daß Kisabo 
es mit seiner Unterwerfung ernst meinte, und daß 
nennenswerte Schwierigkeiten von seiner Seite nicht 
mehr gemacht würden. Dies schließt indessen nicht 
aus, daß noch vieles in Urundi anders werden muß.
	        
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