Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

366  Geschichte  der  Akademie  unter  Frıepricn  dem  Grossen  (1746-1736).

Die  Akademie  hatte  Eurer  verloren:  aber  noch  in  demselben
Jahre  trat  J.  Lovis  vE  LAGrRANGE  für  ihn  ein,  und  das  Jahr  vorher
war  J.  Ieıyrıcı  LANBERT  gewonnen  worden.  In  jenem,  der  aus  Turin
kam.  erhielt  Eurer  den  würdigsten  Nachfolger.  der  sich  damals  in
iuropa  finden  liess,  und  dieser"  war  neben  Kant,  mit  dem  er  zusanımen
  genannt  werden  darf”,  der  letzte  universale  Mathematiker
und  Philosoph  des  18.  Jahrhunderts,  in  Vielem  an  Leıissız  erinnernd.
ein  genialer  Autodidakt  von  Kenntnissen,  'Tiefsinn  und  einem  unermüdlichen
  Schaffenstrieb’,  dazu  ein  Naturbursche  und  in  dieser  Hinsicht
  der  Gegensatz  zu  Leigsız.  Seine  erste  Begegnung  mit  dem
König  war  sonderbar  genug  gewesen.  Die  Berliner  Akademiker

hatten  es  durchgesetzt,  dass  der  König  den  Gelehrten  —  er  war
Münchener  Akademiker  —  nach  Berlin  kommen  liess.  um  ihn  siclı

anzuselien.  Die  Audienz  enttäuschte  den  Monarchen  bitter;  LAnBErT
soll  sich  »wie  ein  Bär«  benommen  und  den  König  zugleich  durch
hıochfahrende  Antworten  abgestossen  haben.  Auf  die  Frage,  welche
Wissenschaften  er  vorzügliclı  verstehe,  antwortete  er  »alle«,  und  auf
die  weitere  Frage,  wie  er  alles  dieses  Wissen  erlangt  habe,  »gleich
dem  berühmten  Pascar  durch  mich  selbst«.  Der  König  entliess  ihn
ungnädig  —  was  LinBert  aber  gar  nicht  merkte  —  und  weigerte
sich,  ihn  in  die  Akademie  aufzunehmen.  Erst  nach  einem  halben
Jahr,  als  der  russische  Gesandte  den  bereits  berühmten  Mann  für
Petersburg  gewinnen  wollte,  gab  er  ihm  die  Stelle  und  500  Thlr.  Gehalt.
  So  erzälilt  Surzer‘,  und  ein  Brief  des  Königs  an  p’ALENBERT
bekräftigt  diesen  Bericht”.  Aber  bald  lernte  der  König  den  grossen

'  Geb.  am  26.  August  1728  zu  Mühlhausen  im  Elsass.  gest.  am  25.  Septentber
  1777.  LAGRANGE  ist  am  25.  Jannar  1736  geboren,  am  10.  April  1813  gestorben.

®?  Siehe  den  Briefwechsel  zwischen  beiden  Männern  in  Kanr's  Werken  (herausgegeben
  von  Hartenstein).  Bd.  VI.  2  S.649ff.  Sie  haben  geplant,  sich  zu  gemeinsamen
  Arbeiten  zusammen  zu  thun.  s.  Laxgerr's  Brief  vom  December  1770.

>  Wie  Leissız  interessirte  er  sich  auch  für  alle  Fortschritte  der  Technik  und
suchte.  die  mechanischen  Wissenschaften  für  die  Praxis  nutzbar  zu  machen.  Über
»Tinte  und  Papier«  hat  er  seine  Beobachtungen  niedergeschrieben  (Memoires  1770
p-  58ff.)  nnd  über  einen  zweckmässigen  Krankenstuhl  ein  Gutachten  abgegeben
(Akad.  Protokolle,  3.  März  1774).

*  Lebenusbeschreibung  S.  38£.

°  Frirvrich  an  D’ÄLENBERT  ((Euvres  T.24  p.  391£.):  »On  m’a,  pour  ainsi
dire.  presque  force  de  prendre  la  plus  maussade  creature  qui  soit  dans  l’univers
pour  la  mettre  dans  notre  \Academie.  Il  se  nomme  LaxeeErr,  et  quoique  je  puisse
attester  qu’il  n’a  pas  le  sens  commmn.  on  pretend  que  c'est  un  des  plus  grands
gcometres  de  l!’Europe.  Mais  comme  cet  homme  ignore  les  langues  des  mortels.  et
qu’il  ne  parle  qu’equations  et  algebre.  je  ne  me  propose  pas  de  sitöt  d’avoir  l’honneur
de  nrientretenir  avec  lui.  En  revanche.  je  snis  tres  content  de  M.  Tovssaıyt.  dont