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Fort Waelhem bis Fort Lierre, wobei also St. Catherine
und Koningshoyckt nebst den Zwischenwerken
Wavre, Duffel, Dorpweldt und Tallaert mit inbegriffen
waren. Am 29. wich die belgische Infanterie
hinter die Fortslinie. Am 1. Okt. konnte das besonders
starke Fort St. Catherine gestürmt werden. Die
Trümmer von Waelhem wurden am 3. Okt. erobert.
Am selben Tage stellten auch Koningshoyckt und Lierre
das Feuer ein; beim Angriffauf die Zwischenstellungen
fielen den Deutschen 30 belgische Geschütze in die Hand.
Am 6. Okt. schwiegen auch die östlichen Forts Kessel
und Broechem; sie wurden am 7. besetzt.
Nun harrte der Fuß- und Pioniertruppe die schwierige
Aufgabe, den übergang über die im Rücken der
eingenommenen Forts gelegene Nethe zu erzwingen.
Zunächst wurde dies bei dem Orte Lierre versucht, den
die Deutschen schon am Abend des 4. Oktober besetzt
hatten, den sie aber vor großer Üübermacht noch einmal
räumen mußten. Nachdem Verstärkungen herangezogen
worden waren, konnten am Morgen des 5. Oklober
die Angreifer auf dem Nordufer Fuß fassen.
Im Laufe des 6.Okt. wurde auch bei Duffel nach fürchterlichen
Kämpfen an dem tief eingeschnittenen, durch
überschwemmung und Minen ganz besonders ungangbaren
Ufer der übergang ermöglicht. Inzwischen
gelang es auch, die schwere Artillerie nördlich von
Waelhem in Batterie zu bringen. Am 8. waren alle
Vorbereitungen für den Feuerangriff auf die inneren
Forts getroffen. Gegen das weitere Vordringen der
Belagerungsarmee wurde nun noch ame 7. Oktober
von den Belgiern im Verein mit einer erst neu ausgeschifften
englischen Marinebrigade ein letzter Vorstoß
emacht, der aber vollständig mißglückte, wobei die
Verbnheeten hinter die inneren Forts zurückgeworfen
und ihnen 4 schwere Batterien, 52 Feldgeschütze und
viele Maschinengewehre abgenommen wurden.
Unterdessen war der Angriff auch von Südwesten
her siegreich vorgetragen worden; am 2.Oktober hatte
der wichtige Schulterpunkt Termonde in Besitz genommen
werden können, und am 3. wurden von hier
aus stärkere Kräfte eingesetzt, um den Uferwechsel an
der Schelde zu erzwingen. Unter Artillerieschutz wurde
der Versuch gemacht, die Brücke bei Schoonaerde,
4 km nordwestlich von Termonde, zu überschreiten,
was zäher Widerstand vereitelte. Jedoch gelang es
in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober, etwas weiter
stromabwärts und dann auch bei Schoongerde den
Übergang zu bewerkstelligen. Verzweifelt wehrte sich
der Gegner, und an der ganzen Uferstrecke wittete mittags
eine schwere Schlacht, bis es gelang, Berlaere,
den stärksten Stützpunkt der Verteidigung, in Besitz
"2 nehmen und den Sieg durch das unter stärkstem
euer ermöglichte Herüberziehen der Artillerie zu entscheiden.
Der Feind wich nach St. Nicolas.
Am 7. Oktober nachmittags ließ General v. Beseler
den Antwerpener Behörden die bevorstehende Beschie-Bung
ankündigen. Wahrscheinlich unter englischer Beeinflussung
erklärte Kommandant de Guise sich bereit,
die Berantwortung dafür zu übernehmen. In der
Mitternacht vom 7. zum 8. flogen die ersten Granaten
in die Stadt. Unter der Bevölkerung brach eine Panik
aus, in der Richtung auf die holländ. Grenze begann
eine wilde Flucht. Auch die Königsfamilie verließ die
Stadt, das diplomatische Korps u. die Ministerien begaben
sich nach Le Hävre, der König blieb bei der Armee.
Als die deutsche Beschießung begann. versuchten die
imneren Forts nicht mehr einsthaft Widerstand zu
leisten. Die Besatzung zog auf dem linken Scheldeufer
I. Kriegsgeschichte
ab. Die Deutschen gelangten am 8. Oktober nach
Wyneghem und nahmen das in der Nähe befindliche
Fort 1 der alten Umwallung in Besitz, wobei das
Fort Schooten, das einzugreifen versuchte, ebenso wie
das benachbarte Grawenwezel zum Schweigen gebracht
wurden. Gleichzeitig fielen die vor der Rupel
gelegenen Außenforts Willebroeck und Puers. Am
9. Oktober wurde die Stadt übergeben. Da Kommandant,
Besatzung und militärische Behörden den
Festungsbereich verlassen hatten, mußten die Verhandlungen
mit dem Bürgermeister geführt werden. Am
10. Oktober war Antwerpen nach nur zwölftägiger
Belagerung in deutschem Besitz. Die Siegesbeute bildeten
über 500 Geschütze, eine Unmenge Munition,
Lokomotiven, gewaltige Vorräte an Getreide, Flachs,
Wolle, Kupfer und Silber. Dagegen war die Gefangenenzahl
nicht groß; 20000 belg. und 2000 engl.
Soldaten wurden in Holland entwaffnet u. interniert.
Schon während der Belagerung hatte man die
Möglichkeit in Betracht gezogen, daß die Belgier bei
dem Fall der Feftung versuchen würden, nach Ostende
zu entkommen. Den am 6. Oktober bei Termonde
über die Schelde gelangten deutschen Truppen hätte
wohl nichts im Weg gestanden, über St. Nicolas gegen
die Küste vorzugehen und den Feinden diesen “7
zugsweg schon vorher zu verlegen; zu dieser Zeit aber
mußte die ohnehin so schwache Belagerungsarmee
irre Kraft hauptsächlich für die überwindung des
Netheabschnittes zusammenhalten, und erst kurz bevor
die Festung eingenommen wurde, konnten stärkere Abteilungen
gegen St. Nicolas vorgehen, das am 9.Oktober
in ihren Besitz gelangte, und von wo aus die
Verfolgung der nach der Küste fliehenden Belgier und
Engländer angesetzt wurde. Mit dem Versuch, ihren
Rückhzug zu decken, stellten sie sich in den nächsten Tagen
noch verschiedentlich, und es wurde bei Moerbeke,
Wachtebeke, Exuerde und anderen Orten nahe der
holländischen Grenze heiß gekümpft. Ein Teil der belgisch-englischen
Kräftehatte sich in Gent gesammelt, versieß
am 12. aber eilig diese Stadt; sie wurde deutscherseits
am 13., Brüggeam 14. und Ostende am 15.0ktober
besetzt. Auf dem Rückzuge wurde die englische Marinebrigadezersprengt,
der Rest derbelgischen Armeeströmte
auf Nieuport-Opern zurück. Die französische Hilfe
war zu spät gekommen, die englische hatte nicht genügt.
Der Heginn des Stellungskriegest.
Als um die Mitte des September die Zurückbiegung
des rechten deutschen Flügels in Frankreich vollzogen
worden war und an der neuen Front, die sich Compiegne-Soissons-Reims
gegenüber ausdehnte, jeder
weitere Angriff wie an einer eisernen Mauer abprallte,
sahen sich die Heerführer Joffre und Freuch zur Aufstellung
eines neuen Planes genötigt. In der Absicht
Frenchs hatte es wohl nie gelegen, sich mit seinem
mittlerweile auf drei Armeekorps gebrachten Heere
weit von der Küste zu entfernen oder seine Truppen
gar zum Schutz von Paris einzusetzen. Nur durch die
ihn mit Umfassung bedrohende Armee Kluck gewungen,
war er bis zur Marne gewichen und hatte
* in die französische Front einreihen lassen. Vielleicht
unter seinem Einfluß entschloß sich Joffre nunmehr
zu dem Versuch, den rechten deutschen Flügel
von Norden zu umfassen, denn so konnten sich die
englischen Abteilungen wiederum der Küste nähern.
Es begann das Ringen um die Westflanke.
1 LCgl. die Karte Bd. I. S. 172 3.