Full text : Deutsches Kolonialblatt. XIX. Jahrgang, 1908. (19)

G  433  20

nach  den  Außenrändern  hin  die  Wanenda  gesellen.
  Beide  sind  ansprechende  Menschenschläge.
Bezüglich  der  reichgeschmückt  einhergehenden
Weiber  der  Wabuba  kann  man  sogar  von  auffallend
  hübschen  Gesichtern  mit  schönen,  etwas
melancholisch  dreinblickenden  Augen  reden.  Eine
Erscheinung,  die  noch  mehr  auf  die  Kinder  zutrifft.

Doch  zurück  zum  Okapi.  Die  Pygmäen  erlegen
  dieses  seltene  Wild  zur  Regenzeit,  indem
sie  seine  Fährte  an  Flußläufen  und  Bächen  suchen.
Da  das  Okapi  viel  wechselt  und  ängstlich  jeden
Sonnenstrahl  meidet,  so  wird  die  Fährte  dann
tagelang  verfolgt,  bis  es  den  Jägern  gelingt,
das  schlafende  Tier  zu  beschleichen  und  auf  wenige
Schritte  durch  Speere  zu  erlegen.  Uns  wurden
mehrere  Gürtel  aus  Okapifell  gebracht,  das  dem
Leder  des  Zebra  ähnelt.

Mehr  noch  als  das  Okapi  (auch  vielfach  Kwapi
genannt)  erregte  unsere  Aufmerksamkeit  die  Beschreibung
  eines  anderen  Waldbewohners,  der  von
Mombutta  und  Wambuba  übereinstimmend  beschrieben
  und  Soli  genannt  wird.  Als  charakteristisches
  Unterscheidungsmerkmal  beider  Tiere
gelten  die  beim  Soli  den  Rücken  deckenden
weitzen  Längs=  und  Querstreifen,  die  bei  dem
Okapi  nur  an  den  Läufen  und  unteren  Bauchseiten
  zu  finden  sind,  während  sein  Rücken  einförmiges
  Braun  zeigt.  Das  Soli  trägt  ferner
im  Gegensatz  zum  Okapi  ein  aufrechtstehendes
Gehörn  von  etwa  40  em  Länge.  Die  Existenz
dieses  in  der  Zoologie  wohl  noch  nicht  bekannten
Tieres  darf  durch  die  übereinstimmenden  Beschreibungen
  völlig  unabhängiger  Erzähler  als
erwiesen  gelten.

Ein  Wald-Camp  in  einem  früheren  Mombuttalager
  brachte  uns  in  mühsamen  Pürschgängen
einige  Affenarten,  sowie  durch  Leutnant  v.  Wiese
einen  Elefanten,  der  nach  seiner  minimalen  Allgemeinerscheinung,
  verglichen  mit  den  Zahnflächen
und  dem  entwickelten  Elfenbein,  als  Zwergvertreter
seiner  Gattung  angesprochen  werden  muß.  Leider
fanden  Dr.  Schubotz  und  ich  am  nächsten  Morgen
nur  noch  die  Rückenwirbel  nebst  dem  sorgsam  mit
der  Haut  abgetrennten  Kopfe  vor,  da  der  Rest
bereits  in  den  Magen  der  findigen  Mombutta

 

und  Träger  gewandert  war.  Die  Länge  dieser
Rückonsäule  bis  zum  Becken  betrug  nur  112  em.
Die  Maße  des  längsten  Zahnes  einschließlich  des
im  Schädel  befindlichen  Teiles  betrugen  78  cm
bei  23  cm  Dicke  am  Austritt  aus  dem  Schädel.
Alle  Waldbewohner  unterscheiden  „kleine“  und
„große“  Elefanten.  Aus  diesen  Angaben  kann
freilich  kein  Schluß  auf  Alter  oder  Rasse  gezogen
werden;  ihre  Richtigkeit  wird  aber  durch  die  auffallend
  vielen  kleinen  Fährten,  die  man  neben
den  großen  sieht,  bestätigt.  Um  so  bedauerlicher
war  der  Mangel  an  Zeit  zur  genaueren  Untersuchung
  dieses  interessanten  Problems.

Eine  weitere  Überraschung  war  die  Erwerbung
eines  Felles  von  einer  mir  bis  dato  fremd  gebliebenen
  Antilope,  die  von  den  Mombutta  Dotzi
genannt  wird.  Das  Fell  ist  von  einförmig  brauner
Farbe  und  zeigt  auf  dem  Rücken  einen  vom
Widerriß  zum  Wedel  breiter  werdenden  gelben
Strich  von  derselben  Haarlänge  des  Rumpies,
der  am  Spiegel  ausläuft.  Wenn  ich  dann  nur
noch  zwei  weitere  Antilopenarten  zu  erwähnen
vermag,  so  liegt  dies  an  der  Kürze  der  uns  für
dieses  Riesengebiet  zur  Verfügung  stehenden  Zeit.

Es  sind  dies  eine  auf  Kingwana  Lindo,  auf

Kinande  Haissuku  benannte  bräunlich-silbergraue
und  eine  hellbraunfarbige,  Munso  genannte  Antilope.
  Beide  gehören  zur  Gattung  der  Zwergantilopen.


Das  Waldgebiet  von  der  vielfachen  Größe
des  Deutschen  Reiches  bietet  naturgemäß  eine
solche  unendliche  Fülle  von  Problemen,  daß  sie
von  einer  Expedition,  die  sich  nicht  lediglich  und
für  Jahre  hinaus  deren  Lösung  zur  Aufgabe
macht,  unmöglich  recht  erforscht  werden  kann.
Wenn  man  bedenkt,  daß  der  Major  Powell
Cotton,  der  vor  zwei  Jahren  in  einem  weiter
südlich  bei  Mokala  gelegenen  Teile  des  Waldes
jagte,  in  fast  halbjähriger  Frist  nur  ein  einziges
Okapi  durch  die  Mombutta  erlangte,  so  mag  man
die  Schwierigkeiten  ermessen.  Daß  trotzdem  in
kurzer  Zeit  ein  bedeutendes  Material  gesammelt
wurde,  ist  dem  unermüdlichen  Fleiß  der  einzelnen
Herren  unserer  Expedition  zu  danken.

Samoa.
——.——  der  beim  Sollamt  Hplo  im  III.  Viertel  1907  fälllg  gBewordenen  Jollbeträge.

 

Gesamtbetrag  der  fällig  gewordenen  (neu  deklarierten)  Zölle  im
obigen  Viertel  des  Rechnungsjahres

Gegen  den  gleichen
Zeitraum  des  Vorjahres


 

 

1907  *  10906
Einfuhr  Ausfuhr  zusammen  Einfuhr  Ausfuhr  zusammen  mehr  weniger
Mk.  Mk.  Mk.  Mk.  Mk.  Mi.  ·  Mk.
88  516,09  —  88  516,09  85  914,66  —  85  914,66  2601,43