Volltext : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Erster Band. (1)

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Bei  dem  Verfahren  wird  streng  auf  größte  Reinlichkeit  gehalten.  Personal,  Instrumente
  u.  s.  w.,  Impflokal,  Ställe  werden  einer  jedesmaligen  Säuberung  und  Desinfektion
  unterzogen.  Das  Baden  der  Kälber  ist  in  dem  Abschnitt:  „Beschaffung  und  Einstellung“
  bereits  erwähnt.

Bei  den  Impfungen  in  Leipzig  wurden  ausnahmslos  etwa  5  bis  6  em  lange
Parallelschnitte,  von  welchen  jede  einzelne  Efflorescenz  auf  Beschaffenheit  und  Reifegrad
beobachtet  und  abgeimpft  oder  übergangen  werden  konnte,  angelegt.

In  Frankenberg  dienten  dieselben  Flächen  sammt  Skrotum  zur  vorzugsweisen
Anlegung  der  kurgen  allseitig  etwa  1  cm  von  einander  entfernten  Schnittchen.  Doppelund
  lange  Schnitte  schienen  die  Pustelentwickelung  zu  verfrühen.  In  je  10.—15  schnell
hintereinander  gemachte  Schnitte  wurde  die  Lymphe  eingerieben.  Fielen  die  Schnitte
dichter  zusammen,  so  kam  es  an  manchen  Stellen  zur  Flächenentwickelung.

Die  in  Bautzen  geübte  Impfmethode  bestand  in  Anlegung  von  über  die  gange
Länge  des  Jupffeldes  reichenden  seichten  Schnitten  mittelst  des  Skalpells  oder  der
Chalybäus'schen  Lange  in  Zwischenräumen  von  etwa  3  bis  5  mm.  3  Thiere  wurden
mit  dem  dreiklingigen  Messer  geimpft  in  der  Weise,  daß  zwischen  je  zwei  Schnitten  ein
Streifen  von  ½  cm  Breite  frei  blieb.

In  Stuttgart  reinigte  man  die  rasirten  und  abgewaschenen  Impfflächen  mittelst
Sublimatlösung  1:  1000.  Die  angelegten,  parallelen,  nicht  blutenden  Längsschnitte
lagen  fingerbreit  von  einander.  Das  Sfkalpell  war  vor  der  Benutzung  mit  Impfstoff
aus  den  bestgerathenen  Pocken  früher  geimpfter  Thiere  armirt.

In  Cannstatt  und  Karlsruhe  blieb  das  Impfverfahren  dasselbe  wie  im
Vorjahre.

Dasselbe  gilt  für  Darmstadt;  hier  trat  jedoch  an  Stelle  der  Desinfektion  der
Impffläche  das  einfache  Abseifen  mit  einer  neutralen  Fettseife,  nachheriges  Abwaschen
mit  gekochtem  Wasser  und  Abtrocknen  Statt  der  Hamburger  Jmpflanzette  wurde
häufig  der  von  Galante  et  fils  in  Paris  angefertigte  Vaccinostyle  benutzt.  Das  einer
Stahlfeder  ohne  Spalt  gleichende  Instrumentchen  hat  scharfe  Seitenränder,  ist  in  einen
Halter  eingesteckt  unschwer  zu  führen  und  läßt  die  Lymphe  leicht  in  die  etwas  gerissene
Wunde  einfließen.  Das  Instrument  ist  eigentlich  für  die  Kinderimpfung  erfunden  und
ermöglicht  seiner  geringen  Kostspieligkeit  wegen  nur  einmaligen  Gebrauch  (100  Stück
kosten  2  Fres.),  wodurch  die  Uebertragung  von  Krankheitserregern  von  einem  Kind
auf  das  andere  mittelst  des  Ampfinstruments  leicht  und  sicher  ausgeschlossen  ist.
Die  Thierlymphe  wurde  mit  beinernen  Stäbchen  noch  besonders  in  die  Schnitte  eingestrichen.
  Ein  Schutzverband  wurde  nicht  angelegt.  Zur  Desinfektion  der  Hände  und
Instrumente  diente  3  bis  5  ½  Karbolsäurelösung.  Kam  Menschen=  und  Thierlymphe
bei  einem  Thiere  zur  Anwendung,  so  wurden  beide  Arten  getrennt  gehalten.

In  Schwerin  impfte  man  4  Kälber  am  Tage  der  Ankunft  im  Onstitut,  14  Kälber
am  folgenden  Tage.  Unmittelbar  vor  der  Impfung  wurde  das  Impffeld  rasirt,  mit
starker  Seifenlösung  und  sodann  mit  Karbollösung  abgewaschen.

In  Weimar  war  das  Impfverfahren  das  seit  Jahren  übliche.  Benutzt  wurden
die  Schenkelflächen  und  der  Bauch  bis  zur  Nabelgegend.  Die  Flächenimpfung  ist  einigemal
  durch  kleine  isolirte  Schnitte  ersetzt  worden,  ohne  daß  sich  Unterschiede  im  Verlauf
und  Ertrag  der  Impfung  ergeben  haben.

In  Vernburg  erfuhr  die  Impftechnik  keinerlei  Veränderung.  Es  wurde  die
Flächenimpfung  beibehalten.

Auch  in  Lübeck  impfte  man  nach  demselben  Verfahren  wie  in  früheren  Jahren.
Der  gehörigen  Desinfizirung  der  Fläche  mit  Sublimatlösung  (1:1000)  folgte  reichliches
Ueberspülen  mit  gekochtem  Wasser  und  sorgfältiges  Rasiren.  Nach  der  Größe  der  Kälber