Metadaten : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

kräftefordernde  Uberraschungen  wiederauflebender  oder  neuer  Feinde  gefaßt
  bleiben.  Oernichtet  waren  schließlich  nur  die  Serben,  unser  kleinster
Feind!

Wie  sollten  wir  nun  mit  nur  einem  Teil  unserer  Rraft  die  unter
Englands  Druck  stehenden  Westmächte  vernichten,  das  doch  um  jeden  Hreis
siegen  wollte  und  dazu  nicht  nur  seine  elgenen  TRitchener-Armeen  aufstellte,
sondern  die  ganze  Welt  mobil  machte?

Solche  Sorgen  suchte  mir  mein  Chef  dee  Generalstabs,  General
v.  Rnobeledorf,  in  vielfachen  Prörterungen  zu  zerstreuen.  Ihm  selbst  und
anderen  Armeechefs  war  die  Aufforderung  Falkenhapne  zuteil  geworden,  Angriffesvorschläge
  im  Bereiche  ihrer  Armeefronten  zu  machen.  Für  unseren
Rommandobereich  kamennachreiflichen  Erwägungennur  zwei  Dunkte,  Verdun
und  Belfort,  in  Frage,  und  letzteres  mußte  ausscheiden  wegen  der  schon  früher
erwähnten  Llnengung  der  Angriffeomöglichkeiten  zwischen  Vogesen  und
Schweizer  Grenze  und  wegen  der  Schwierigkeiten  und  Gefahren,  die  in  der
Zusammenzlehung  starker  RKräfte  auf  dem  äußersten  linben  Flügel  unter
#Entblößung  der  übrigen  Westfront  lagen.  So  blieb  als  unser  Vorschlag
  Verdun  übrig.  Die  strategische  Bedeutung,  die  diesem  #Eckpfeiler
  der  feindlichen  Front  als  Ausfallstor  für  eine  Offensive  gegen  die
wichtigsten  rückwärtigen  Verbindungen  des  deutschen  Westheeres  zubam,
habe  ich  schon  mehrfach  betont.  Der  Wunsch,  die  bierin  ruhende,  ständig
drohende  Gefahr  durch  Wegnahme  der  Festung  ein  für  allemal  zu  beseitigen,
  lag  daher  sehr  nahe.  An  einen  operativen  Durchbruch  mit
anschließendem  Ubergang  in  den  Bewegungekrieg  dachten  wir  nicht.  Wenn
unser  diesmaliger  Angriffsplan  auch  nicht  so  umfassend  war,  wie  er
der  O.  S.  L.  schon  früher  einmal,  im  Dezember  1914,  vorgelegt  wurde,
—  nämlich  mit  dem  dußersten  rechten  Flügel  westlich  um  die  Argonnen
herum  und  mit  Silfe  der  Armee-Abteilung  v.  Strantz  über  die  Maas  bei
St.  Mihiel  anzugreifen  —  so  wurde  doch  auch  jetzt  ein  gleichseitiger  Nord—
Südangriff  beiderseits  der  Maas  mit  tiefgegliederten  Rräften  zur  #Linschränkung
  gefährlicher  feindlicher  Flankierungemöglichkeiten  und  zur
Sicherstellung  elgener  Umfassung  als  dringend  erwünscht  angesehen.

General  v.  Jalkenhayn  entschied  sich  in  einer  in  Berlin  stattfindenden
Besprechung  mit  meinem  Chef  unter  den  ihm  gemachten  Vorschlägen  für
den  Angriff  auf  Derdun.  Daß  dleser  Entschluß  irgendwie  unter  drängender
Einwirkung  des  Generals  v.  Znobeledorf  gefaßt  worden  ist,  glaube  ich

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