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Der „Nosenheimer Anzeiger" erschelnt täglich achmittage 4 Uhr (mil Ausnahme der Zonmbonnementsprels
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Ver gewinnt?
In letzter Zeit macht sich feindliche Agitation
unter uns breit. Es werden allerlei Gerüchte
herumgetragen, die befstimmt sind, Unmut und
Mihmut zu säen. Und diese Saat blüht auf. Wir
merken es an der Stimmung daheim, am Wachsen
des Kleinmuts, an einer nervösen Kritisiererei
und an der Schwarzseherei. Nichte wuchert rascher
als das Unkraut. Woher kommt uns diese verderbliche
Saat? Unsere Herren Gegner haben
uns übermütig darauf aufmerlsam gemacht: sie
haben sich Propaganda- Ministerien eingerichtet
und zwar in Australien, in Amerika und England,
ganz zu schweigen von der hervorragend
organisierten Pressepropaganda Frankreichs.
Wir haben nichts, gar nichts. Im Gegenteil,
wir wollen dem guten Willen gegenüber, der sich
anstemmen will, abbauen durch Papierbeklem.
znungen der Presse. Die Presse hat es durch Aufrufe
fertig gebracht, daß die berusenen Mämer
nus ihrem Schweigen herausgetreten sind und mit
begonnen haben, die im ersten Anlauf dem Gegeiner
Redeoffensive begonnen haben — nur erst
ver viel geschickt behauptet Gelände abgewonnen
Ich erinnere an die Ausführungen Dr.
— s, des badischen Prinzen und bes Äbgeordneten
Dr. Stresemann. Diese drei Männer haben
die Wortträger der Feinde gewungen Rede und
Antwort zu stehen und sie haben dadurch unsere
(Gedanken wider Willen vor ihren Hörern ausbreiten
müssen. Es war ein Anfang, aber auch
nichts als ein Anfang. Die Redeoffensive muß
wirksam unterstützt werden können von der Propaganda
der Presse, nicht allein von Ler
Lroßen Presse, sondern vielmehr noch von der
Provin mresse. Diese ist es, die in der jetzigen Zeit
das gewichtigste Wort zu sprechen haben muß.
Wie wir im Felde vielfach schon die Gedanken
und Kampfmittel der Feinde aufgenommen haden,
um sie zu verbessern und dann mit ihnen
den Gegner zu schlagen, so müssen wir das vornehmste
und gefährlichste Kampfwerkzeug der
Feinde uns zu eigen machen, die durchgebiloete
Propaganda. Warum haben wir kein Propaganda-Ministerium?
Fähige Köpfe dafür hätten
mir genug. Nach gutem deutschen Rezept ließe
sich ein adeliger Ordenssammler als Chef irgend
ein untadeliges feines Herrchen aufgreifen und
ein paar dumme Kerle dam, die nur den Kram
eu verstehen brauchen. Ein paar jugendliche
Distoriker mit beweglichem Gehirn und ohne prolessoralen
Orgelklang, ein paar geriebene Journalisten
und einige gerissene Kaufleute machen
den ganzen Zauber. Müssen wir uns in unserer
trägen Abwehrfaulheit die hereingestreuten psy-Fologisch
unendlich geschickten Flugblätter feindi#r
Agitation zuregnen lassen? Wir, die wir
Not zusammengepreßt, durch einheitliche
Fwech. ne ein einziges einiges Volk sind? Wir,
die wir wissen aus welch heterogenen Elementen
unsere Gegnerschaft besteht! Wir, denen diese
Flottruettel es schwarz auf wriß bestätigen, daß
die Abwehrfront nicht zermürbt werden kann,
dkaß also die Heimatarmee zerbröckelt werden
muss Wir haben so Großes im Felde geleistet.
so unendlich Schweres niedergerungen, das unvergleichlich
Leichtere spielend und pspielerisch
u Bewältigende können oder besser wollen wir
nicht in die Kniee zwingen. Wer sagt, daß es
zu spät sei zu solchem Tun, der vertehs die Wlicht
von Wort und Schrift in keinem Falle. Wer z
8. das Eintreten von Amerika in den Krieg von
8 an psychologisch studiert hat, der weiß,
daß der Erfolg Wilson's der grohartigste Sieg
her geschickten Phrase ist. Nachdem uns der
Strick um den wehrlosen Hals gelegt wird, hilft
kein. Maulspitzen. Es muh auch gepfiffen werden.
die Schlacht im Pester.
WIB. Brohen Hauptquartier, den
22. 9. 1918. Anmttlich.
Westlicher Kriegsschanpla.
Kronprinz Rupprecht.
Westlich von Fleurbair und südwestlich von
Havrincourt wurden entlische' Teilangriffe, nördlich
der Scarpe Vorfs 5 Feindes abgewielen.
Eigene Unternehmungen bei Moeuvres
brachten 45 Gefangene ein. »
out-Guini-
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mer Anzeiger
EEEIILLIEIEEIEIIIIIIIEIE
nach belonderem Tarif. Annahne von Anzeigen und Bellagen durch dle Annoncen · Expedltlon
Hhaasenllein & Logler A.-G. Nosenhelm, MRünchen, Rürnberg, Berlin, Breslau, Cassel ul#
Schluß der Anzeigen= Annahme 11 Uhr miktags.
Rosenheimer Tagblatt
Amtkliches Publikalions-Organ
Deustag, 24. September 1918
Ein besonders erfolgreicher Tag im
schweren Ringen im Wetten.
Ein neuer großer englischer Durchbruchsversuch sliblich Cambrai
gescheitert. — Schwere Kämpfe in Dazebonien. —
NReue englische
Offensive in Galästina. — Die hundeschnäuzige Antwort Frankreichs.
Parlamentariflerung der Reichsregierung.
v. Boehn.
Nach den vergeblichen Teilangriffen“ der bei-#9n
letzten Tage holte der Engländer gestern wiet
zu großem einheitlichen Angriff aus. Sein
Biel iwar der Durchbruch südlich von
Cambrai. Unter dem Schutz einer dichten
Weuerwalze trat die englische Infanterie, von
Wanzerwagen und Fliegern begleitet, zwischen
dem Walde von Gouzeaucourt und Hardichurt
um frühen Morgen zum Angriff an. Wir hatten
in Erwartung des feindlichen Angriffes in
der Nacht vom 19. um 20. September die Verteidigung
von dem freien Gelände östlich von
Enpehy in die alten englischen Stellungen zwischen
Villers-Guislain und Bellicourt verlegt. Als
der zum Angriff tiefgegliederte Feind die Höhen
lnab gegen unsere Linien anstürmte, empfing
ihn das vorbereitete Abwehrfeuer unserer Artillerie,
Infanterie und Maschinengewehre. Der
Angriff blieb vor unseren Linien liegen. Nach
stärkster Feuervorbereitung setzte der Feind zu
krmeutem Angriff an. Auch dieser zweite An-Eturm
scheiterte völlig. An dem Sudwestteil
von Billers-Guislain und in das Gehoft Quennemont
drang der Engländer vorübergehend ein.
(Hier warf ihn sofortiger Gegenstoß wieder zurück.
Am Abend und während der Nacht folgten stärkdiem
Artilleriefeuer nochmals heftige Angriffe,
bie abgewiesen wurden.
Der gestrige Kampftag war in dem schweren
Ringen an der Westfront ein besonderserfolgreicher
Tag. Deutsche Jäger und Kavallerieschützenregimenter,
ofst= und westpreußische,
posensche, niederschlesische, westfalsiche, rheinische,
banerische Regimenter und Gardetruppen haben
#dem Engländer gestern eine schwere Niederlage
siefügt. An seiner ganzen Front hat er schwerste
Serluste erlitten. Unserer Artillerie fällt ein
Hauptanteil am vollen Erfolge zu.
Oeutscher Kronprinz.
HGmischen Ailette und Aisne blieb die Artille-Vietätigkeit
tagsüber in mäßigen Grenzen. Sie
lebte am Abend in Verbindung mit heftigen Teiläe
östlich von Vauraillon, am Gcehöft
aurains und nordwestlich von Vailln auf.
Der uml. Ssterreichische Verichl.
XTB. Wien, 22. 9., amtlich wird verlautbart
Italie nischer Kriegsschauplatz.
Gestern überfielen auf dem Dosso Alto unsere
Sturmtrupps einen von tschecho-slowakischen
Legionären verteidigten Grabenabschnitt. Der
groͤßte Tell der Besatzung erlitt das verdiente
Schicksal. Sonst an zahlreichen Stellen der italienischen
Front Erkundungsgefechte.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei den k. u. k. Truppen keine besonderen Ereignisse.
Albanien.
An der Küste wurden abermals italienische
is abgewien
Der — des Generalstabs.
Leue — i# Paläfün.
* Konstantinopel, 21.9.. Palästinafront:
Der erwartete Angriff der Engländer
hat begonnen. Nach heftigstem Artilleriefeuer
letzte am 18. September abends der Kampf ölt.
lich der Straße Jerusalem—Nablus an breiter
Front ein. Der erfte Ansturm des Gegners zerschellte
an der tapferen Gegenwehr unserer Truppen.
Um Mitternacht führte der Feind neue
ruppen zum Angriff vor. Der Kampf mit den
dauernd verstärkten Massen wütete die ganze
Racht mit äußerster Heftigkeit. Bei Tagesan.
lbruch war die Kraft des Angreifers gebrochen
Uund der Stoß in der Linie Dschalud—Wudsè#—
Abu—Zerka aufgefangen. Inwischen eröffneten
die Engländer auch im Küftenabschnitt stärk#tes
Artilleriefeuer, in das seine Schiffsgeschütze von
See eingriffen. Nach zweistündiger Feuervorbereitung
und nach erbittertem Nahkampf gelang es
ihnen, in unsere Stellung zwischen Küfte und
Eisenbahn Lidtul—-Kerm einzudringen. Dem
[(Druck des an Zahl weit überlegenen Gegners
nausreichend, nahmen wir unsere Truppen in die
Tul—Kerm-Stellung zurück, in welcher weitere
Angriffe des Gegners erwartet werden. Am Jordan
nahmen wir feindliche Truppenbewegungen
am Nadiandscha und in der Gegend von gerige
Lnter wirksames Feuer. An der Snaße Je-Ticho—
Tell Nemrin lobhafte Patrouillen- und
Fliegertätigkeit. Auf den übrigen Fronten nichts
von Bedeutung.
——————
der Krieg zur Lee.
Versenkung eines großen
französischen UI. Bootes.
WITB. Wien, 20. * Vom Priegeministerium
„Marinesektion)= wird mitgeteill: Eines unserer
Eluterseeboote versenkie am 20. September
ühmorgens vor Kap Radoni (närdlich von
irazzo) ein großes franzõsisches Unterseeboot
# Torpedoschuß. Außer dem zweiten Offzier
lieses Unterseebootes, Fregattenleutnant Eugene
Lapeyre, konnte niemand gerettet werden.
Neue Versenkungen vor der
amerikanischen Küste.
“ Bern,
ten an der atlantischen Kürtte der Vereinigten
Staaten die Dampfer „Lake Adon“, „West
[Bridge“ (8900 T.) und „Ebere“ 7300 To.).
14 Mam der Besatzungen kamen ums Leben.
Ein englischer Monitor erplodiert.
Amsterdam, 22. 9. (Tel.-Union). Reuter
meldet aus London: Die Admiralität teilt mit,
#A#ß am 16. September ein englischer Monitor
n einem Hafen infolge einer Erplosion im Inern
gesunken ist. Ein Offizier und 19 Mam
wurden getötet; 57 Mann werden vermißt; sie
lind vermutlich auch — worden.
Die önerrelchische Note.
Frankreichs Antwort.
* Wien, 21. 9. Das Korr.-Bur. meldet:
Der schweiyrische Gesandte in Wien brachte dem
Minister des Aeußern auf Grund der Mitteilung
seiner Regierung zur Kenntnis, daß der franzosiche
Minister des Aeußern mit einer an den
schwe#zerischen Gesandten in Paris gerichteten
GZuschrift vom 19. September den Empfang der
Note der öfterreichisch-ungarischen Regierung vom
14. September beltätigt und hiebei bemerkt hat,
die französische Antwort auf die Eröffnungen des
ie rafen Burian sei in der am 17. September
vor dem Senat gehaltenen Rede des französischen
#zinisters Clemenceau enthalten, deren Tert dem
anidsischen „Journal Officiel“ vom 18. September
zu entnehmen sei.
21. 9. Deutsche U Boote versenk
geschlachtet und das Fleisch verteilt.
Kath. Ges, Maris Erl. der öimm 64. Jahrgeng
Es wird nicht leicht, sich zu dieser Antwort zu
qußern, die nach ihrer Form von den bisher selbst
im Verkehr zwischen Regierungen kriegführender
taaten beobachteten Gepflogenheiten in verblüfsender
Weise abtfticht.
Wilson und die Friedensnote.
% Amsterdam, 22. . Nach einer Reutermeldung
berichtet der Pariser „Matin“, daß nach
Bekanntwerden von Wilsons Haltung gegenüber
Peröfterreichischen Note verschiedene amerikanische
Politiker und Entente-Diplomaten Wilson
aussuchten, um ihm zu gratlieren. Bei dieser
Gelegenheit sagte Wilson:
„Ich hielt es für notwendig. dieser neuen
Friedenspropaganda emgegenzutreten. Ein
vollkommener Sieg ist mög lich. Wir
verlangen mehr als ihre Versicherung, daß sie
ihr Wort halten wollen. Es muß ihnen unmöglich
gemacht werden, es zu brechent“
Eine Botschaft Wilsons
1 8 Basel, 21. 9. Die Londoner Manes
(Port#“ meldet aus Neunork: Lanfing kündigt eine
Botschaft des Präsidenten an den Kongreh an,
in der der Präsident die Ablehnung der Friedenonote
Oesterreich-= Ungarrs begründen
will.
Eine neue ö'terreichische Note.
3 Wien, 21. 9. Der öflerreichische Ministerrat
hat an alle Neutralen eine Note gerichtet, in
der er die JZustimmung zur Note des Grafen
Burian auedrückt. Der Ministerrat bat. auch
diese Note an die Ententemächte m senden.
(Das „Neue Achtuhr-Abendblau“ erfährt aus
diplomatischen Kreisen, der russische Sowjet beschloß,
sich der örterreichisch ungarischen Note anzuschlieben.
Die Ereiguisse in Kußland.
Große Truppenlandungen in
Archangelsk.
Stockholm, 21. 9. Aus Archargelek wird
dem Korrespondenten der „Telegraphen-Union“
gemeldet, daß neuerdings mehrere Transportdampfer
mit italienischen und amerikanischen
Truppen in den Hafen eingelaufen seien. Nach
einer Besichtigung der Truppen durch den Admiral
Poole wurden sie gleich an die Front geschickt
Asland.
Zuden Ausschreitungenin Salzburg,
über welche die dorlige Presie nichts bringen darf,
wird noch gemeldet. daß das große eiserne Tor
des Regierungsgebäudes mit einem schweren Wagen
eingeramt wurde. Darauf versuchte die
Menge in das Innere des Gebäudes zu gelangen,
wurde aber durch Gendarmen daran gehindert,
wobei es zu blutigen Zusammenitößen kam. Im
Hotel Europe wurden angeblich über 20 Schweine
Nach privaten
Mitteilungen ist ein Wechsel im garnisonierenden
Truppenkörver vorgenommen worden.
[Die Gerüchte von 5 Toten, die in Verbindung
mit allerhand andern Schauermären in Umlauf
sind, stellen sich als Ersindung heraus, es wurden
lediglich einige Herren, umeift Zuden, verprügelt.
Auch die Behauptungen, daß, die Plünderer
gestern und heute die Umgebung „besuchen“
würden, sind unwahr, nachdem die bewaffnete
Macht weitere Aueschreitungen nicht mehr
bulassen wird. Die Ausschreitungen haben die
Weitungen der Arbeiterparteien veranlaßt. Aufxufe
an ihre Mitglieder ergehen zu lassen, in
denen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Frns.
nung ermahnt wird.
Spanien schließt die fran zösische
Grenze.
*'„Amsterdam, 22. 9. Reuter meldet aus
(Madrid: Die Blätter teilen mit, daß der Ministerrat
am Freitag nach einer eingehenden Besprechung
des Gesundheitszustandes
im Lande die sofortige Schließung der
französischen Grenze deschlossen hat. 4
—.