Volltext : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

der  Tat  auch  nichts  erfolgt,  man  ließ  das  Übel  ruhig
weiterfressen.  —

Nur  mit  einem  von  hartem  Siegeswillen  und  Sie—
gesglauben  erfüllten  Volke  hinter  sich  konnte  die  Regie—
rung  Schritte  zur  Herbeiführung  eines  Sonderfriedens,
einer  Verständigung  mit  dem  einen  oder  dem  anderen
unserer  Gegner  wagen.  Zwecklos  und  geradezu  verderb—
lich  und  schädigend  für  unsere  Lage  war  jeder  Versuch,
wenn  wir  dabei  den  Eindruck  machten,  als  ob  wir  etwa
ein  dringendes  Friedensbedürfnis  hätken  und  den  Krieg
nicht  lange  aushallen  könnten.  Zweck=  und  sinnlos  waren
daher  unsere  offen  in  die  Welk  hinausgeschrieenen  Friedensangeboke
  —  die  überdies  noch  keinerlei  klares  Bild
von  dem  gaben,  was  wir  eigenklich  wollten.  Sie  hatken
nur  den  Erfolg,  daß  sie  der  Hoffnung  der  feindlichen
Völker  auf  unseren  baldigen  Zusammenbruch  psochologische
  Stützen  gaben  und  daß  sie  damik  den  Siegesglauben
  und  den  Willen  der  Gegner,  bis  zum  „knock
out  blow“  durchzuhalken,  stärkten  —  uns  zum  Schaden,
uns  zum  Verhängnis.

Umgekehrk  aber  waren  Siegeswille  und  Siegeszuversicht
  für  die  Dauer  und  bis  zum  glücklichen  Ende  nur  in
einem  Volke  und  in  einem  Heere  aufrechk  zu  erhalten,
die  an  ihrer  Spitze  nicht  nur  eine  kraftvolle  kühne  Heeresleikung
  wußken,  sondern  gleichzeitig,  und  dieser  völlig
ebenbürkig,  auch  eine  Regierung,  die  während  des  blutigen
  Ringens  zu  Lande,  zu  Wasser  und  in  der  Luft
keine  Sekunde  lang  die  Beherrschung  der  zahllosen
Fäden  und  Drähte  der  äußeren  Polikik  aus  dem  Auge
verlor,  deren  zum  starken  Zugriff  bereiter  Hand  nichf
die  leiseste,  etwa  für  unser  Schicksal  nutzbare  Bewegung

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