Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXIII. Jahrgang, 1912. (23)

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§*  2.  An  den  größeren  Handelsplätzen  können  nach  Anhörung  der  Firmen  amtliche
Prüfungsstellen  eingerichtet  werden,  denen  ein  bestimmter  Einflußbereich  zugewiesen  werden  kann.

Innerhalb  dieses  Einflußbereichs  ist  der  Handel  mit  Palmkernen  nur  an  den  hierfür  bestimmten
  Stellen  gestattet.

§  3.  Sämtliche  zum  Zwecke  der  Veräußerung  dorthin  gebrachten  Palmkerne  find  ohne
Verzug  der  Prüfungsstelle  zur  Prüfung  vorzulegen.

Für  ungewässerte  Kernemengen,  die  nicht  mehr  als  5  v.  H.  Schalen  enthalten,  wird  eine
Abfertigungsbescheinigung  erteilt,  die  mit  laufender  Nummer  und  Datum  versehen  ist.

Kernemengen,  die  gewässert  sind  oder  mehr  als  5  v.  H.  Schalen  enthalten,  werden
zurückgewiesen.

§  4.  Die  Kosten  der  Kerneprüfung  find  dem  Gouvernement  von  den  am  Einkauf  beteiligten
Firmen  zu  erstatten.  Die  Verteilung  der  Kosten  richtet  sich  in  erster  Linie  nach  einer  etwa  zwischen
den  Firmen  bestehenden  Vereinbarung;  falls  eine  solche  nicht  getroffen  ist,  wird  die  Art  der  Verteilung
  nach  Anhörung  der  Firmen  durch  die  örtliche  Verwaltungsbehörde  bestimmt,  gegen  deren
Entscheidung  Beschwerde  beim  Gouvernement  zulässig  ist.

Die  Einziehung  rückständiger  Beträge  erfolgt  im  Wege  der  Zwangsvollstreckung  gemäß  §  1  ff.
der  Kaiserlichen  Verordnung  vom  14.  Juli  1905  (Reichs-Gesetzbl.  S.  717).

§  5.  Für  die  Errichtung  und  Beaussichtigung  der  Prüfungsstellen  und  für  die  Abgrenzung
ihres  Einflußbereiches  sowie  für  die  Bestimmung  der  Stellen,  an  denen  Palmkerne  gehandelt  werden
dürfen  (§  2  Abs.  2),  sind  die  örtlichen  Verwaltungsbehörden  zuständig,  welche  ihre  Anordnungen
nach  Anhörung  der  Firmen  treffen.

§  6.  Es  ist  verboten,  Palmkerne  der  amtlichen  Prüfung  zu  entziehen  oder  Palmkerne,  die
der  amtlichen  Prüfung  entzogen  worden  sind,  an  sich  zu  bringen.  Der  Versuch  ist  strafbar.

§  7.  Angestellten  oder  Beauftragten  der  den  Handel  mit  Palmkernen  betreibenden  Firmen
ist  es  untersagt,  sich  zwecks  Beeinflussung  der  Verkäufer  in  der  Nähe  der  Prüfungsstellen  aufzuhalten.

§*  8.  Zuwiderhandlungen  gegen  die  Bestimmungen  dieser  Verordnung  werden  mit  Geldstrafe
  bis  zu  600  MA  oder  mit  Haft,  an  Eingeborenen  nach  Maßgabe  der  Reichskanzlerverfügung
vom  22.  April  1896  (Kol.  Bl.  S.  241)  bestraft.

Neben  der  Strafe  ist  auf  Einziehung  der  Palmkerne  zu  erkennen,  die  den  Gegenstand  einer
Zuwiderhandlung  gebildet  haben,  ohne  Unterschied,  ob  sie  dem  Verurteilten  gehören  oder  nicht.  Auf
die  Einziehung  der  Palmkerne  ist  auch  dann  zu  erkennen,  wenn  die  Verfolgung  oder  die  Verurteilung
einer  bestimmten  Person  nicht  stattfindet.

§  9.  Die  Verordnung  tritt  am  1.  April  1912  in  Kraft.

Lome,  den  1.  November  1911.

Der  Gouverneur.
Brückner.

 

Wege-Verordnung  des  GCouverneurs  von  Deutsch-Neuguinea.
Vom  25.  August  1911.

§  1.  Zur  Unterhaltung  der  öffentlichen  Wege  sind  die  Eigentümer  der  anliegenden  Grundstücke
  verpflichtet,  soweit  die  Wege  durch  Land  führen  oder  Land  berühren,  das  in  Kultur
genommen  ist.

Stehen  die  anliegenden  Grundstücke  nicht  im  Nutzgenuß  des  Eigentümers,  so  ist  sowohl
der  Eigentümer  als  auch  der  sonstige  Nutzungsberechtigte  für  die  Unterhaltung  verantwortlich.

§  2.  Liegen  auf  den  beiden  Seiten  eines  öffentlichen  Weges  die  Grundstücke  verschiedener
Eigentümer  oder  Nutzungsberechtigter,  so  ist  seitens  der  örtlichen  Verwaltungsbehörde  eine  Vereinbarung
  zwischen  den  verschiedenen  Unterhaltspflichtigen  über  die  Austeilung  der  Unterhaltspflicht
anzustreben.

Kommt  eine  solche  Vereinbarung  nicht  zustande,  so  teilt  eine  bei  der  örtlichen  Verwaltungsbehörde
  gebildete  Kommission  den  einzelnen  Unterhaltspflichtigen  die  zu  unterhaltenden  Wegestrecken
  zu.  Die  Kommission  besteht  aus  dem  Vorstand  der  örtlichen  Verwaltungsbehörde  als  Vorsitzenden
  und  zwei  von  ihm  aus  dem  Kreise  der  Wegennterhaltspflichtigen  des  Bezirks  auf  die  Dauer