5322 Industrie, Handel und Verkehr.
die in der Kriegswirtschaft so lohnend beschäftigten Personen nötigenfalls
für den Heeresdienst heranzuziehen. Weit gefehlt wäre es selbstverständlich,
nun etwa die Schuld an dieser ganzen Entwicklung mit allen ihren höchst
bedenklichen Nebenerscheinungen der Leitung des Kriegsamtes beimessen
zu wollen. Es sollte lediglich nicht unterlassen bleiben, darauf
binzuweisen, daß jede nachträgliche Beschul##igung der geistigen Urheber
des Hindenburgprogramms an den wirklichen Zusammenhängen durchaus
vorbeigreift. Die Schuld daran, daß seitens des Kriegsamtes auf der
Grundlage dieses Hindenburgprogramms nicht eine den harten Notwendigkeiten
des Krieges entsprechende industrielle Kriegewirtschaft
durchgeführt werden konnte, liegt einesteile an jenen Einflüssen des
Reichstages, die von Anfang an den Grundgedanken der Zwildienstpflicht
bis zur Unwirksamkeit umbogen. Noch mehr aber wohl an der
Tatsache, daß diese ganze kriegewirtschaftliche Organisation in einem
viel zu späten Zeitpunkte einsetzte, und daß die dem Hindenburgprogramm
ursprünglich innewohnenden Kerngedanken nicht den Ausgangspunkt
gebildet haben für eine Kriegswirtschaft, die mit dem 1. August
1914 hätte proklamiert werden müssen.
Was nun die bis ins äußerste sich steigernde Bereitstellung der Kriegsrohstoffe
für die Rüstungeindustrie in dieser Periode angespanntester
Kriegswirtschaft anbetrifft, so stützte sie sich nach wie vor in der Hauptsache
auf die Beschlagnahme. Die Beschlagnahme dergestalt, daß jeder
kriegswichtige Rohstoff zur Verfügung des Kriegeamtes stand, ohne
deshalb dem Eigentümer unbedingt entzogen zu werden, beschränkte
sich nun aber keineswegs auf die in Handel und Zndustrie vorrätigen,
der Verarbeitung harrenden Lager. Über diese Lager war von dem
jeweiligen Eigentümer genau Buch zu führen, so daß das Kriegsamt
jederzeit die Möglichkeit hatte, zu überwachen, daß die Bestände an Kriegsmaterial
nur an im ZInteresse der Rüstungeindustrie verarbeitende Unternehmer
vergeben wurden. Anderen Zwecken als denen der Befriedigung
unmittelbaren Heeresbedarfeo durften Kriegerohstoffe nur dann zugeführt
werden, wenn die zuständige Freigabestelle auf Grund genauer Feststellungen
der Entbehrlichteit für Heereszwecke und des volkswirtschaftlichen
Bedürfnisses für privatwirtschaftliche Zwecke ihr Einverständnis
gegeben hatte.
Über diese Beschlagnahme der Lagerbestände hinaus erfolgte eine
tatsächliche Beschlagnahme durch dic sogenannte Mobilmachung von
Gebrauchogegenständen aus kriegswichtigem NRohstoff bis in die
Einzelhaushaltungen hinein. Es wird weiterhin noch zu zeigen sein,
wie der Begriff des Kriegerohstoffes hierbei eine immer weitere Ausdehnung
erfuhr. So dehnte sich insbesondere auch der Begriff der „Spar--