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Liedes (es ist eine rührende Klage, ihr Laut läßt jeden an die
Brust schlagen):
Ach, und zum Tode geschickt,
Peinlich vom Dornkranz umstrickt,
Unter der Kreuzlast gebückt,
Schleppt’ ich zum Berg mich für dich:
„Wehl Und wer weiß, ob wohl je
Du auch nur denkest an mich!“
An den Wänden der Kirche gehen leise betend dunkle
Gestalten entlang. Sie beten den Kreuzweg und folgen im
Geiste dem Heiland auf seinem Wege nach Golgatha. Die
grell bemalten Stationenbilder, aus denen in der halben Dämmerung
das Angesicht des Heilandes so schmerzlich bleich hervorleuchtet,
schauen auf die spörlichen Beter. Kräftige junge
Mädchen und Burschen sind darunter; Greise und zitternde
Mütterchen, italienische Arbeiter, die an der Bahnstrecke, fern
von der Heimat, Beschäftigung fanden und von ühren einsamen
Ansiedlungen herüberpilgerten zu der Kapelle, und eine Barmherzige
Schwester: lauter Leute der Arbeit, darunter einige
bleiche, Kummergezeichnete Gesichter, die zu beurteilen wissen,
Was ein Dornenweg ist.
Morgen ist Karsamstag. Dann wird zwar kein prangendes
lichtumstrahltes Grab sich in der kleinen Kirche erheben,
aber die herrlichste aller Zeremonien wird ihre Wirkung nicht
verfehlen. Mitten in die stille traurige Mette, mitten in das
dumpfe Schweigen wird das Gloria erklingen, der erste feurige
Funken der OÖOsterfreude, der wundervolle Strahl auf dunkelm
Grunde. Glorial Verzaget nicht! Die Sonne steigt auf! Jesus
Christus, der Uberwinder der Welt, der Fürst des Friedens
eurer Herzen! Gloria! Am Ostersonntag glänzt der Hochaltar
in all der Pracht, die die Bescheidenheit der armen Kirche
erlaubt; das Kreuz strahlt wieder in der Mitte leuchtender
Kerzen und bunter Porzellanblumen, und die Meßjungen schwingen
ihre roten Fahnen — Halleluja! Der alte Priester steht
dort oben und hebt die Hände, und über aller Armlichkeit
seines Lebens sieht er Gottes grobe Herrlichkeit. Jesus Christus
ist erstanden! Dberwunden sind Not, Tod und Sünde. Wunderbare
Fülle der Freude! Seht, sein Antlitz blickt auf uns
Lelebuch für Oberklassen. 3#. 2