Volltext: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Das Bisthum Paderborn. 589 
Besitz durch Theilungen des Hauses zersplittert. Es ist schon oben 
erzählt, wie Tecklenburg 1707 an Preußen überlassen werden mußte. 
Die Linie, die es bis dahin besessen, behielt nur den Titel; von den 
beiden anderen starb Bentheim 1803 aus; die beerbende Linie Stein- 
furt löste erst 1823 das an Hannover verpfändete Erbe ein, blieb 
jedoch für Bentheim der hannöverschen Oberhoheit unterworfen, wegen 
Steinfurt der preußischen. 
Das zweite säcularisirte Bisthum, das an Preußen fiel, war 
Paderborn. Dasselbe war gegen Ende des 8. Jahrhunderts ge- 
gründet worden und hatte die Aufgabe erhalten, die Sachsen an der 
Diemel, von den Quellgegenden der Lippe und Ems bis zur Weser 
hin, zum Christenthum hinüber zu führen. Seine vollständige Ein- 
richtung erhielt das Hochstift erst durch den angesehenen und reichen 
Bischof Meinwerk zu Anfang des 11. Jahrhunderts; nach Heinrich's 
des Löwen Sturz wurde er reichsunmittelbar und vermehrte seitdem 
sein Besitzthum so, daß es 4 größere und 20 Landstädte umfaßte. 
Das Eggegebirge theilte es in den ober= und unterwaldischen Kreis. 
Die Reihe von mehr als 50 Bischöfen schloß mit Franz Egon von 
Fürstenberg, der 1802 das stark verschuldete Land an Preußen über- 
ließ, doch eine Rente von 5000 Rthlrn. erhielt. Vorübergehend ge- 
hörte Paderborn zum Königreich Westfalen. — In dem Sprengel des 
Hochstifts lag die Benedictiner-Abtei Neu-Corvey, die von Kaiser 
Ludwig dem Frommen 815 im Sollinger Walde auf dem rechten 
Weserufer gegründet, einige Jahre später aber nach dem linken Ufer 
bei Höxter verlegt wurde. Die ersten Mönche waren von Corbie bei 
Amiens hergekommen; schon in den ersten Jahren seines Bestehens 
zeichnete sich das Kloster durch die fromme und gelehrte Richtung seiner 
Mönche aus, von denen der berühmte Ansgar der Apostel des Nor- 
dens wurde (von 826 bis 855 thätig). Wenn auch das Kloster nur 
einen kleinen Länderbesitz hatte (5 Quadr.-Meil.), so war es doch 
sonst mit reichen Einkünften versehen und wurde 1782 unmittelbar 
unter den Papst gestellt, der 1794 den Abt zum Bischof erhob. 1803 
wurde es säcularisirt und fiel mit anderen Entschädigungen an die 
Oranier, die damals ihrer Erbstatthalterschaft in Holland entsagten. 
Durch Austausch gelangte es 1815 an Preußen und wurde 1840 zum 
Fürstenthum erhoben. 
Die Bisthümer Trier und Cöln sind der Sage nach schon zur 
Zeit der Apostel gegründet worden. Petrus soll nämlich von Rom 
drei Boten über die Alpen den Rhein abwärts gesendet haben, um 
dort das Christenthum zu predigen. Der eine von ihnen, Mater- 
nus, derselbe, der als Jüngling von Christus zu Nain vom Tode 
auferweckt worden, soll im Elsaß gestorben, durch Auflegung des 
Bischofstabes Petri jedoch zum zweiten Male ins Leben zurückgerufen 
und 30—40 Jahre lang Bischof von Cöln und Trier gewesen sein. 
Historisch läßt sich in Cöln erst 314 ein Bischof nachweisen. Diese 
Stadt war eine Anlage des deutschen Volksstammes der Ubier, welche 
im Jahre 36 v. Chr. auf dem linken Ufer des Rheins von den