Full text: Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Zug Mac Mahons. 651 
Diese Schlacht bei Gravelotte — wie sie in der Regel genannt 
wird — war von äußerster Wichtigkeit. Bazaine wurde durch sie ge- 
nöthigt, den Marsch nach Verdun aufzugeben und sich nach Metz 
hineinzuwerfen, wo er bekanntlich später zur Capitulation genöthigt 
wurde; ebenso wurde ja bei dem Versuche, ihn zu befreien, auch die 
andere französische Armee kriegsgefangen. In Anbetracht dieses wichtigen 
Zweckes hatte man geglaubt, keine Opfer scheuen zu dürfen: sie waren 
aber auch sehr bedeutend, denn auf 20,000 Mann belief sich der preußische 
Verlust an Todten und Verwundeten, während die Franzosen den 
ihrigen auf 12,000 Mann berechneten. 
Nach der Schlacht wurden zur Einschließung von Metz und der 
französischen Armee die 1. und 2. Armee zurückgelassen, doch wurden zu 
weiteren Operationen in der Richtung auf Paris mehrere Armee-Corps 
(das magdeburg-thüringische, das sächsische und die Garde nebst einer Ca- 
vallerie-Division) von ihnen abgezweigt und aus denselben eine besondere 
Maas-Armee gebildet, welche unter das Commando des Kronprinzen 
Albert von Sachsen gestellt wurde. Es geschah dies, weil man 
die 3. Armee nicht für ausreichend hielt, nachdem die Franzosen 
Neu-Formationen begonnen und ein weiteres Armee-Corps zu Chalons 
gebildet hatten. 
Die 3. Armee hatte inzwischen vom Schlachtfelde von Wörth 
aus die Vogesen überschritten und war am 16. August in Nanch ein- 
gezogen. Dort fand einiger Aufenthalt statt, weil man von den 
Kämpfen um Metz hörte und nicht wußte, ob man nicht dort gebraucht 
werden würde. Nach deren glücklichem Verlauf setzten sich am 
20. August die Armeen der beiden Kronprinzen von neuem in Be- 
wegung, und die überall weit vorauseilende und herumstreifende Ca- 
vallerie, welche bald dem Namen der Ulanen in ganz Frankreich einen 
gefürchteten Klang verschaffte, erreichte das Lager bei Chalons, wo 
man Widerstand erwartete, fand es aber verlassen und hörte, daß die 
Franzosen sich nordwärts nach Reims gewendet hätten. Diese Nach- 
richt erregte großes Aufsehen im Hauptquartiere des Königs, welches 
dazumal zu Bar le Duc sich befand; indem nämlich die Feinde sich 
nordwärts wandten, gaben sie die Straße nach Paris frei; sie mußten 
also eine andere, wichtigere Bestimmung haben, und diese schien nur 
sein zu können, daß sie seitwärts an den deutschen Heeren vorbei 
ziehen und der in Metz eingeschlossenen Armee Hülfe bringen wollten. 
Und so war es auch wirklich. Der Marschall Mac Mahon, 
welcher mit seinen Truppen vor Paris Aufstellung nehmen und dort 
erst den Kampf wieder aufnehmen wollte, war durch die Regierung, 
an deren Spitze nach Entlassung des Ministeriums Olivier jetzt der 
Marschall Graf Palikao getreten war, zu diesem ihm widerstrebenden 
Unternehmen veranlaßt worden, weil man bei weiteren rückwärtigen 
Bewegungen den Ausbruch einer Revolution befürchtete. So suchte er 
nördlich von der deutschen Armee vorbei zu kommen und auf dem 
schmalen Streifen Landes zwischen ihr und der belgischen Grenze Metz 
zu erreichen. Auf die Vermuthung dieser Absicht hin wurde jetzt eine