338,
der neuen Ordensregeln ihr Recht, und der Roͤmische Hef
erfuhr, was jeder Despot erfaͤhrt, daß seine Garden, die einzigen
Stützen seiner Macht, auch die furchtbarsten Gegner seiner
Macht sind. Doch haben sich immer die Classen und Varietäten
dieser Menschen vermehrt, die Päbste sind ihren eigenen
Gesetzen nicht treu geblieben, und die beissendste Satyre der
witzigsten Köpfe des Zeitalters hat den immer neu ausschlagenden
Keim des alten Mönchswahns nicht tödten können.
#. 21.
Capuciner. Theatiner. Jesuiten.
Ein Italiaͤnischer Franciscaner, Matthaͤus von Baßi,
machte die große Entdeckung, daß der h. Franz von Assisi
kein Scapullier, sondern eine spitze Capuze getragen, auch seinen
Bart anders zugeschnitten habe, als damalige Franciscanermode
erforderte. Es kam über das Wiederaufleben der
alten Capuzen und über die Bartform zu einem großen innerlichen
Krieg des Franciscancrordens, der mit der heftigsten
Bitterkeit und nicht ohne Blutvergießen geführt wurde. Der
1528 Pabst ließ der neuen Capuze zu Ehren einen neuen Orden
entstehen, der schon durch seinen Namen die ehrwürdige Veranlassung
seines Ursprungs zeigt.
Fast jede oft noch so nothwendige Reformation eines Ordens
war wie die Fekschneidung eines Polyps. Man bekam
nur mehrere Ganze, deren jedes einzeln durch alle Vergrößerungskunstgriffe
einer solchen Gesellschaft sich groß zu nähren
suchte. Die heil. Therese in Spanien mag es mit der Kirche
und mit den Karmelitern gut gemeint haben, aber sie
hat leiderden Ursprung zweier Gattungen derselben ver,
anlaßt. ·
Kein Pabst hat je einen Orden gestiftet; seltsam daß
ihm immer andere in Verrichtung dieser guten That zuvor-