Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

37 Abschrist absehbar. 
absehen — absetzen. 38 
Abschrift, f. das Abgeschriebene (s. das Verb. 1): eine#eine abschbare entlernung; in absebbarer zeit. — ab- 
abschrift machen, nebmen, geben; etwas in ubsebrift 
mitteilen. Ubertragen: mein auge sah von dir sonst 
nichts als nur die abschrift des gesichts Bürger. — 
abschriftlich, adf. u. adv. in Gestalt einer Abschrift, ab- 
schriftliche beilage; abschriftlich mitteilen. 
Abschröpfen, schröpfend entziehen, einem blut; bild- 
lich einem sein geld, nach und nach entziehen. — ab- 
schroten, 1) schrotend d. i. schncidend und hauend ent- 
fernen, ein stuck eisen, ein felsstück; eine quelle, ihr 
einen andern Lauf geben. 2) bei den Müllern getreide 
abschroten, es grob mahlen. 3) mittels der Schrot- 
leiter herabheben, ein fasz bier, eine kiste. 
Abschuppen, die Schuppen entziehen, abgesehuppte 
fische; in Schuppen davon gehen: da schuppte sich 
wieder eine garstige dicke haut ab Wieland Gespräche 
im Elysium. — Abschuß, m. Handlung des Abschießens, 
abschusz der flinte; jäh abstürzender, schroffer Abhang, 
er steht . am schwindelnden abschusz Tieck; auch 
Verblassung, adschusz der farben (Stieler). — ab- 
schüssig, adj. u. adv. jäh abfallend (im 17. Ih. abschicszig 
Opitz Poeterei 191); abschussige grunde hemmen 
den schritt Schiller Spazierg.; weg ist abschussig 
Bismarck Reden 4,274; die abschissigen plade Heyse 
Par. 1, 153. Förstern ist abschussig ein Baum, der 
über dem Stamm gleich zu dünn ausfällt, daher zu 
Bauholz unbrauchbar ist. — abschülteln, schüttelnd ent- 
fernen, den staub von den fükzen (Marc. 6, 11), über- 
tragen: ein joch, erinnerung, last, schlaf: ists ein ge- 
fangener, den die menschen abschuttelten? Schiller 
Räub. 4, 5. — abschütten, schüttend entsernen, etwas vom 
glase; in älterer Spr. auch wie abschotteln: als der ge- 
Presste fürst die last sucht abzuschutten AGryphius. 
Abschwächen, schwächer machen, kräfte, sinuc, em- 
pfindungen; eindruck; dasz er die wirkung davon (der 
Worte) abschwächte Bismarck Reden 3, 111; abschwä- 
ehende erklärung geben, bestimmt vorher Gesagtes zu 
mildern. — obschwatzen, schwatzend abnehmen, einem 
etwas; oberdentsch mit Umlant: der ring ist ener. bab 
ich euch ihn ungeschwätzt, oder babt ihr ihn mir ab- 
geschwätzt? Hebel 2, 157. — obschweifen, schweisend 
sich entfernen, vom wege, vom gegenstand der unter- 
reckung; bei Holzarbeitern mit der Schweissäge los- 
trennen, bei Färbern seide abschweifen, ihr das Kerige. 
durch Kochen entziehen, damit sie die Farbe besser an- 
nimmt. — abschwemmen, durch Schwemmen entfernen 
oder reinigen, den schmutz, staub; die strasze; pferde 
abschwemmen. — abschwenken, tranf. schwenkend ent- 
fernen, regentroplen vom hute; intrans. mit Schwen- 
kung fortgehen, wir schwenkten ab von der strasze in 
den wald; das abschwenken der armee nach Ismailia 
Grenzboten 1887 S. 595; Kommandowort: rechts und 
links abgeschwenkt! — abschwindeln, durch Schwin- 
delei abnehmen, einem etwas, in derber Rede. — ab- 
schwören, schwörend ein Versprechen ablegen: (daß Ihr) 
die urlehde abschwören werdet, welche cuch hiermit 
vorgelesen werden soll Goethe Götz; schwörend ver- 
leugnen, seine untersebrist; sich lossagen, anf etwas 
verzichten: ich kehrte in der kirche schosz zuruck, 
aehwur meinen irrthum ab in seine hünde Schiller 
M. Stuart 1, 6; mit Datir, einem, einer sache ab- 
schwören: wollt ihr dem kaiser abschwören? Wallenst. 
Tod 2, 5; ich habe der welt, der schnöden welt für 
immer abgeschworen Leuthold Ged. 121; (ein Mensch) 
jedem kummer abgesehworen Geibel 1, 84. Scherz- 
haft dem teufel, des teufels, henkers groszmutter (Simpl. 
3, 320) ein bein abschwören. 
Absegelu, segelnd abziehen, das sebiff, ein auswan- 
derer segelt ab; in derbem Scherze für sterben, er ist 
abgesegelt. — obsehbar, adj. u. adv. was dem Ende oder 
der Höhe nach gesehen werden kann, hochthurmende, 
nicht absehbare königsstükte Klopstock Mess. 4, 261; 
sehen, 1) sehend erreichen, unterscheiden, ersassen: da 
sasz ein han auf einem baum hoch, das ern kundt 
abschen kaum BWaldis Esop 4, 2; ein ziel, eine 
strecke: den bogen spannen und sein ziel so absehn 
als der schienen wil Opitz Pfalm. 7, 6; was nur dein 
auge absehen kann, bist du eingeschlossen Schiller 
Räub. 2, 3; übertragen auf geistiges Erfassen: es mus- 
sehon lange sein, wie dieses ist geschehen. ich kan 
die raume zeit mit nichten nieht abschen Rein. Fuchs 
(1650) 362; ich sche dem dinge kein ende ab; ent- 
wiokelung, verlauf einer sache abschen; noch sch ich 
nicht ab, wo man kunfstig eine wiege hinsetzen will 
Goethe W. Meister. Statt des Zieles unbestimmtes es, 
es auf einen, auf etwas abschen; er hört. wohin es 
damit (einem Briese) abgeschen gewesen Lessing Dra- 
mat. 66. 2) sehend entnehmen, einem ein kunststukk; 
einem das verlangen, den wunsch an den augen. 3) weg- 
sehen, nicht in Betracht uchmen: er kann sehr liebens- 
würdig sein, wenn man von seinen politischen theorien 
absiebt Freytag Journ. 3; abgeschen davon, ist die 
saehe richtig. — Absehen, n. nach dem Vorigen 1, Zielen 
mit Blick und Gedanken, dasz sie so ein ehrliches ab- 
sehen auf meine tochter haben Gellert 3, 163; vorauf 
kann so ein windfusz wohl sonst sein ubsehen richten? 
Schiller Kab. u. L. 1, 1; vgl. absieht. An der Flinte 
und Meßinstrumenten das Visier, schon 16. Ih.: dem 
zehenden (Schützen) tbets absähen brüeben Grob Ansr. 
der Schützen; wie noch bei Goethe ein mit einem un- 
verrückbaren absehen besetztes zeichenbret 50, 107.— 
absehlich, wie absehbar: in absehlicher zeit. 
Abseifen, mit Seife reinigen, thuren, fenster. Bei 
Färbern rohe Seide in Seifenwasser kochen. — abseihen, 
durch Seihen absondern. — absein, davon, weg sein; 
veraltet eines dinges absein, es leugnen (Maaler); 
abwesend sein, oft als Inf. u.; in meinem absein 
Lessing Nath. 1,4. — Abseite, f. 1) Nebenraum, nie- 
driges Seitenschiff in Kirchen, mhd. absite, apsite, um- 
edentet aus griech, apsis, Wölbung. 2) abwärts liegende 
-'i die durch die rüder den abseiten der strasze 
zugefugten verletzungen Falke Gesch. des d. Zollwesens 
15; bair. abseiten, abgelegener Ort (Schmeller). — 
abseits, adv. weg zur Seite: ich gieng etwas abseeits 
Gocthe; abseits von dir ders.; abseits der heerstrasze 
Schiller. Früher abseit (17. Ih.). 
Absenden, von sich senden, gewählter als abschicken; 
einen brief, boten; der abgesendete bote; aber Part. 
als Subst. der abgesandte. — absengen, sengend ent- 
fernen, haare, federstoppeln; eine gans, nach dem Rupsen 
die Stoppeln wegsengen. — absenken, niederwärts senken, 
mit abgesenktem haupt und aug Gocthe H. Sachs; 
an der fluh die sich gäbstotzig absenkt in die tiefe 
Schiller Tell 4, 1; gärtnerisch reiser, weinstöcke ab- 
senken, in die Erde beugen zum Ansetzen neuer Wurzeln; 
bergmännisch schacht absenken, abteufen. — Absenker, m. 
gärtnerisch, neu bewurzelter Zweig einer Mutterpflanze. 
— absetzbar, sähig abgesetzt zu werden, ein absetzbarer 
beamter; absetzbare waren. — absetzen, 1) wegsetzen, 
setzend entfernen, niederbringen, sinnlich: den kessel vom 
feuer, hut vom kopfe, ein kind, last auf den boden; 
unsinnlicher: der fuhrmann setzt den reisenden in N. ab; 
schon hatte man das ungluckliche paar auszen am 
garten abgesetzt Goethe W. Meister 1, 13; das plerc 
setzte den reiter ab; einen kusz auf den mund absetzen 
Keller Seldw. 2, 163. 2) mit dem vegn fe der Pause 
oder des Aufbörens, das gewehr (beim Schießen), ohne 
Obj., als Kommando: setzt ab! Ex. Regl. 20; den 
becher; setzt ab den weinpokal! Geibel 1, 198; ohne 
Obi.: ich that einen tüchtigen zug, muszte aber schnell 
wieder absetzen Eichendorff Taugen. 120; obne ab- 
zusetzen trinken, sprechen; zeilen absetzen. 3) mit 
dem Sinne der Entsernung, könige (gedacht von ihrem 
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