Full text : Tägliche Erinnerungen aus der sächsischen Geschichte.

34

 

Die  Waldungen  wurden  besser  gepflegt,  Floͤßen  eingerichtet,  Kohlen—
und  Breterhandel  weithin  ins  Ausland  getrieben.  So  wie  August
die  Amtsstube  besuchte  und  sich  die  Arbeiten  der  Schreiber  vorlegen
ließ,  so  sprach  er  auch  bei  Landwirthen,  bei  Bienenpätern,  bei
Handwerkern  und  Künstlern  ein,  und  auf  dem  ÖOstravorwerke  in
Friedrichsstadt  trieb  er  mit  seiner  Gemahlin,  der  trefflichen  Mutter
Anna,  selbst  Garten-,  Vieh=  und  Feldwirthschaft.  —  Und  so  war
er  natürlich  und  nothwendig  auch  Sachsens  Verschönerer.  Nicht
genug,  daß  er  blühende  Fluren,  Weinberge  und  Obstgärten  überall
hervorrief  und  rege,  wohlthätige  Thätigkeit  förderte,  ließ  er  auch
Schlösser  und  Festungswerke  (Augustusburg,  Königstein  rc.)  erbauen;
die  Residenz  Dresden  durch  herrliche  Gebäude  verschönern;  die  beberühmte,
  jebt  königliche  Bibljothek  anlegen;  für  die  Universitäten  Leipzig
  und  Wittenberg  große  Summen  ausseben  und  den  Armen,  den
Witwen  und  Waisen  nach  allen  Kräften  Unterstützung  reichen.  —
Schade,  daß  ihm  in  geistlichen  und  kirchlichen  Angelegenheiten
nicht  ganz  so  volles  Lob  ertheilt  werden  kann!  Zwor  sorgte  er  auch
hierin  emsig;  zwar  hatte  er,  wie  überall,  den  besten  Willen,  Gutes
zu  wirken:  aber  sein  Eifer  ließ  ihn  hier  gegen  den  vermeintlichen  Anhänger
  des  Calvin  (siehe  den  3.  April)  oft  sehr  hart  und  ungerecht  verfahren.
  In  wenig  Tagen  wurden  einst  hundert  und  elf  Geistliche  ohne
gehörige  Untersuchung  abgesett  und  später  viele  in  ein  hartes  Gefängniß
geworfen.  —  Vater  August  regierte  drei  und  dreißig  Jahre  zum  Segen
des  Sachsenlandes,  und  als  er  am  11.  Februar  1586  im  Moribburger
Schlosse  vom  Schlage  getroffen  wurde,  da  weinte  alles  Volk  wie
beim  Tode  eines  geliebten  Vaters,  und  Versorgers.

12.  Februar.
Kurtürttin  Sibylla  kttirbt.

Am  12.  Februar  1659starbim  zwei  und  siebzigsten  Lebensjahre  eine
höchst  ehrwürdige  Landesmutter,  die  Kurfürstin  Sibplla,  Gemahlin  Johann
  Georg's  I.  Sie  hatte  mit  ihrem  Gatten  zwei  und  funfzig  Jahre  in
stiller,  ehelicher  Zufriedenheit  gelebt,  hotte  zehn  Kinder  geboren,  fünf  und
funfzig  Enkel  und  acht  und  zwanzig  Urenkel  gesehen,  und  ward  daher  mit
Recht  in  der  Leichenrede  „des  kursächsischen  Rautenstocks  herrliche
  Vermehrerin“  genannt.  Aber  sie  war  auch  eine  gute  Mutter
und  treffliche  Erzieherin  ihrer  Kinder.  Sie  unterrichtete  ihre  Kinder
meist  selbst  inder  Religion,  wohnte  den  übrigen  Lehrstunden  fleißig  bei  und
ließ  allwöchentlich  Hrüfungen  über  die  gemachten  Fortschritte  anstellen.—
Sie  war  eine  milde  Versorgerin  der  Armen  und  Nothleidenden.