Volltext : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

der  Front  rechnen.  —  Dem  großzügigen  Angriffsplan  des  Feindes  müssen
wir  voraueschauende  Maßnahmen  für  die  Derteldigung  gegenüberstellen.  —
Wie  es  dem  Feinde  gelang,  so  kommt  es  auch  für  uns  darauf  an,  nach
Abschluß  der  felndlichen  Offensive  ein  schlagbräftiges  Heer  in  der  ZSand
zu  haben.  Wird  das  erreicht,  so  ist  der  Angriff  der  Entente  gescheitert
und  damit  vielleicht  die  Grundlage  für  Derhandlungen  gegeben.

Sielbewußt  sucht  der  Felnd  unsere  Reserven  zu  zerschlagen.  Dem
bönnen  wir  uns  jetzt  nur  dadurch  entziehen,  daß  der  Angriff  nur  dort
angenommen  wird,  wo  sich  günstige  Grundlagen  für  die  Oerteldigung
bieten.  Trifft  diese  Dorbedingung  nicht  zu,  so  wird  abschnittswelse  nach
vorbereltetem  Dlan  ausgewichen,  bis  sich  Gelegenheit  zum  Gegenangriff
oder  zu  günstiger  Verteidigung,  z.  B.  hinter  starken  Abschnitten,  bietet.
Die  feindliche  Initlative  zwingt  uns  dlese  Kampfführung  auf.  Ihre  Nach—
telle  sind  nicht  zu  verkennen.  Der  Rückzug  blelbt  nicht  ohne  Einfluß
auf  Moral  und  Widerstandskraft  der  Truppe.  Wo  irgend  möglich,  ist
daher  jede  Gelegenheit  auszunutzen,  dem  unbedacht  folgenden  Feinde  einen
Schlag  zu  versetzen.  Die  Truppe  wird  darln  die  Hlanmäßigkeit  der  Operation
  erbennen,  zuversicht  und  Uberlegenheitsgefühl  behalten  und  beldes
auch  auf  die  Selmat  übertragen.  Die  Verluste  werden  geringer  sein  ale
in  starrer  Abwehr.  —  Die  vorgeschlagene  Art  der  Rampfführung  stellt  hohe
Anforderungen  namentlich  an  die  Führung.  Ich  bin  überzeugt,  daß  sie  voll
erfüllt  werden,  wenn  dae  Wesen  beweglicher  Verteidlgung  überall  erbannt
ist,  und  wenn  wir  wieder  gelernt  haben,  die  Blöße  dee  Feindes  zu  suchen,
zu  finden  und  schnell  auszunutzen.

Das  planmäßige  Ausweichen  bleibt  ein  Notbehelf.  Es  muß  seine
Grenze  in  einer  starken  Dauerstellung  finden,  die  günstige  Bedingungen
für  nachhaltige  Derteidigung  schafft  und,  bei  weitgebender  Abkürzung  der
Front,  die  Möglichbkeit  zum  Aussparen  starber  Reserven  bietet.  Diese
Dauerstellung  muß  so  weit  vom  heutigen  Rampffelde  abgesetzt  seln,  daß
auch  bei  wochenlangem  Fortgang  der  wechselvollen  Rämpfe  auereichender
Splelraum  zu  planmäßigem  Aueweichen  bleibt.“

In  jenem  zeitpunkt  glaubte  ich,  daß  diesen  Forderungen  als  Dauerstellung
  für  die  Zeeresgruppen  Rronprinz  Rupprecht  und  Boehn  die
alten  Ausgangestellungen  vor  Beginn  der  Frühjahreoffensive  zunädchst  noch
entsprechen  würden,  während  bei  meiner  Zeereögruppe  die  Mögllchkelt
zum  Ausweichen  im  großen  Rahmen  durch  tiefen  Ausbau  der  ZRampf-350