Volltext : Rechtslexikon. Dritter Band. Erste Hälfte. Pachmann - Stöckhardt. (2.3.1)

Rechtsmittel.  289

StrafPO.  §  364).  —  Daß  die  relative  R.  eines  Urtheils  zu  Gunsten  des  Angeklagten
  durch  nachfolgende  Vorgänge  wieder  aufgehoben  werden  kann,  ist  schon  oben
erörtert  worden.  —  Nach  der  Oesterreichischen  Strafß  O.  (§5  292)  kann  die  Ergreifung
  der  Nichtigkeitsbeschwerde  der  Staatsanwaltschaft  „zur  Wahrung  des  Gesetzes“
  die  Folge  haben,  daß  ein  rechtskräftiges  Urtheil  zu  Gunsten  des  Verurtheilten
vom  Kassationshof  ausgehoben  wird.  —  Der  wichtigste  Fall  der  Wiederaufhebung
  der  R.  des  Strafurtheils  liegt  jedoch  in  der  Wiederaufnahme
des  Strafverfahrens  (s.  diesen  Art.),  über  welche  hier  nur  bemerkt  werden
möge,  daß  dieselbe  niemals  zur  Beseitigung  eines  Rechtsirrthums,  auf  welchem  das
Urtheil  beruht,  sondern  grundsätzlich  nur  zur  Richtigstellung  der  thatsächlichen  Grundlagen
  des  Urtheils  statthat.

Lit.:  Klenze,  Lehrbuch  des  Strafverfahrens  (Berl.  1836),  S.  155,  160.  —  Mittermaier,
  Das  Deutsche  Strafverfahren,  II.  S.  614  ff.,  637  ff.  —  Planc,  System.  Darstell.,
S.  124  ff.  —  Zachariä,  (Handbuch,  des  Deutschen  Strasprz.,  S.  653  ff.  —  Oppenhoff,
  Die  Preuß.  Gesetze  über  das  Verfahren  in  Strassachen,  W.  12—18,  460—464.  —
Klien,  De  auctoritate  sententiae  criminalis  absolutoriae  (4  Feite,  Leipz.  1827—  —1829).  —

F  abricius,  De  re  criminali  iudicata  (Jen.  1835).  —  Wendler,  De  re  iud.  inprimis  in
causis  criminalibus  (Leipz.  1833).  —  Hélie,  Traité  de  PlInstr.  crim.  (1.  éd.)  Vol.  III.  §§  173—
185,  p.  524  ss.;  Derselbe,  Pratique  criminelle,  N.  505,  922  ss.  —  Trébutien,  Cours  de
droit  crim.,  II.  p  634  ss.  —  Morin,  Rôépert.:  verbo  Chose  ugée.  —  Mangin,  Traité  de
’action  rutligqus,  3.  6d.  (1876),  §§  370—441.  —  Rolland  de  illargues,  Zu  art.  360  des
Code  d'Instr.  crim.  —  Borsari,  Azione  penale,  p.  503—575.  —  Glaser,  Die  Durchführung
der  Regel:  Non  bis  in  idem  im  Englischen  und  Französischen  StrafPrz.,  Gerichtssaal  1871,

S.  1  ff.;  Derselbe,  Anklage  u.  s.  w.,  im  Englischen  Schwurgerichtsverfahren,  S.  96—  113.—
Arch.  für  Kriminalrecht,  1860  S.  497—520  (Mittermaier).  —  Gerichtssaal  1857  Bd.  II.
S.  241—273  (Abegg),  1866  S.  31  ff.  (Berner,  Non  bis  in  idem  gegen  auswärtige  Strafurtheile).
  —  Goltdammer's  Arch.  II.  S.  785—791;  III.  S.  22—31,  106—213  (Küßner);
III.  S.  385—460,  472—496  (Bernen),  822;  X.  S.  457  472;  XVII.  S.  831  ff.  Relative
Rechtskraft);  XVIII.  S.  153  ff.  (Wirkung  eines  eine  ungese  liche  Elues  verhängenden  Urtheils),
  XXVI.  S.  186  ff.  (Ortloff.  —  Allg.  Deutsche  Stra  rechtsztg.  X.  S.  465  ff.  (oos,
Ueber  delative  Rechtskrafth.  —  v.  Schwarze  in  v.  Holtzendorff's  Handb.  II.  S.  245  Sf  —
Meves,  das.,  S.  474  ff.  —  Löwe,  Die  StrafPO.  für  das  Deutsche  Reich,  S.  730
N.  2  à  und  die  ##  angeführten  Stellen.  —  A.  Eis:  Die  StrafPO.,  S.  277,  2.  408.
437.  —  Ullmann,  Oesterr.  Strafprczeßrecht,  786,  787.  —  S.  May  er,  Handbuch  des
Oesterr.  Strafprozeßrechts,  II.  S.  16  ff.  —  *  das  Verhältniß  des  Sa  Civ.  Prz.
s.  insbesondere:  Zachariä,  Sinkbanh,  II.  S.  99  ff.  mit  ausführlicher  Literaturangabe.  —
Aejer,  De  civilis  et  rrinsnass  causae  praejudicio  (Hann.  1841).  —  Verhandlungen  des
7.  Deutschen  Juristentags  Bd.  J.  S.  3  ff.  (Planck):  Bd.  II.  S.  45  ff.  (Eduard  5  Fiszth,
S.  165  ff.,  243.  —  v.  Bar  in  der  Zeitschr.  für  Ges.  u  RechtspfleI  1871,  S.  202  ff.  —
Siuen2.  im  Gerichtssaal  1870,  S.  124  ff.,  ruck,  un  e  präjudizielle
  Wirkung  des  rechtskräftigen  %33  W  1#.  Glaser.

Rechtsmittel  (civilproz.).  I.  Zweck  des  Civ.  Prz.  ist  es,  einer  Privatrechtsstreitigkeit
  durch  staatliche  Autorität  ein  dem  Rechte  und  der  Gerechtigkeit  entsprechendes
  Ende  zu  machen.  Es  muß  ein  Ende  gemacht  und  ein  Zustand  geschaffen
werden,  der  weiteren  Streit  ausschließt.  Das  verlangt  die  Rechtssicherheit.  Diesen
Zustand  nennen  wir  die  Rechtskraft  (s.  diesen  Art.).  Er  müßte  prinzipiell  sofort
mit  dem  Richterausspruch,  welcher  die  Streitigkeit  entscheidet,  eintreten.  Und  so  war
es  ursprünglich.  Res  judicata,  die  abgeurtheilte  Sache,  war  den  Römern  sinis  controversiarum
  (I.  1  D.  de  re  judic.  42,  1)  und  für  immer  blieb  ihnen  daher  der
Mangel  eines  technischen  Ausdruckes  für  die  rechtskräftig  abgeurtheilte  Sache.  Aber
es  sind  Menschen  dem  Irrthum  und  der  Leidenschaft  ausgesetzt,  in  deren  Hand  der
Staat  die  Erledigung  der  Prozesse  gelegt  hat.  Diese  Erwägung  muß  dazu  führen,
im  Interesse  der  betheiligten  Privaten  und  des  Rechtes  selbst  Garantien  dafür  aufzustellen,
  daß  jener  Zweck  des  Civ.  Prz.  durch  die  Gerichte  so  vollkommen  als  möglich
erreicht  werde.  Zu  diesen  Garantien  gehören  die  R.,  d.  h.  im  Allgemeinen  die
Mittel,  wodurch  ein  Richterausspruch  als  dem  Rechte  oder  der  Gerechtigkeit  nicht
entsprechend  angefochten  und  sein  Uebergehen  in  Rechtskraft  gehindert  werden  kann.
Sofort  aber  dürfen  wir  diesen  weiten  Begriff  durch  den  Zusatz  beschränken,  daß  die

v.  Holtzendorff,  Ene.  II.  Rechtslexikon  III.  3.  Aufl.  19