Metadaten : Sachsen-Chronik Erste Serie. (1)

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Wie  wohl  es  nun  eigentlich  aus  keiner  andern  Stelle  der
gleichzeitigen  Acten  ganz  deutlich  zu  ersehen  war,  was  eigentlich
unter  dieser  „kleinen  Kammermusik“  zu  verstehen  sei,  so  scheint  doch
aus  dem  Wenigen,  was  darüber  gesagt,  hervorzugehen,  daß  es
wohl  sogenannte  „Nationalmusik“  war,  die  unter  Gesang  oder  Instrumentirung
  mittelst  costümirter  Pantomime  und  Tanz  stattfand.—

Die  Thätigkeit  der  Capelle  bei  den  damals  gewöhnlicher  werdenden
  theatralischen  oder  bloßen  scenischen  Aufführungen  war
schon  seit  Anfange  des  17.  Jahrhunderts  immer  mehr  in  Anspruch
genommen  worden,  wie  wohl  es  noch  keine  eigentlichen  Theater
gab,  und  die  sogenannten  Opern  waren  am  Ende  mehr  oder
weniger  scenische  Oratorien,  wie  sie  Philipp  von  Neri  im  16.
Jahrhunderte  geschaffen,  bis  endlich  Heinrich  Schütz  durch  die
Composition  der  Daphne  von  Opitz,  die  am  1.  April  1627  zu
Torgau  bei  der  Vermählungsfeierlichkeit  der  Eleonore  Sophia,
ältesten  Tochter  Johann  Georgs  I.,  mit  dem  Landgrafen  Georg  II.
von  Hessen  aufgeführt  ward,  gewissermaßen  den  ersten  Fingerzeig
zur  deutschen  Oper  gab.  Weit  mehr  war  aber  dagegen  die  Kammermusik
  bei  den  damals  an  den  deutschen  Höfen  zu  allen  Festlichkeiten,
  Banketten  2c.,  gewöhnlichen  großen  Prunkballets,  die
namentlich  am  Dresdner  Hofe  eine  ganz  besondere  Pflege  erhielten,
  bethätigt,  und  genoß  wegen  ihrer  Fertigkeit  in  Executirung
derselben  einen  wahrhaften  Ruf;  doch  darüber  specieller  an  einem
andern  Orte.  —

Zum  Beschlusse  dieser  aphoristischen  Geschichte  der  kurf.  Capelle
  in  der  Zeit  der  Kurfürsten  August,  der  beiden  Christiane
und  Johann  Georg's  I.  wollen  wir  folgendes  Curiosum  noch
wörtlich  mittheilen,  da  es  von  einem  ehemaligen  Cantoreiknaben,
welcher  studirt  hatte,  gern  in  Leipzig  Magister  werden  wollte  und
daher  mit  der  Dedication  eines  musikalischen  Werks  gegen  die
Gnade  des  Kurfürsten  einen  Feldzug  machte,  herrührt.  Er  nennt
sich  Alumnus  Electoralis,  also  ein  Beweis,  daß  er  auf  kurfürstliche
  Kosten  studirte.  Das  Dedicationsschreiben  lautet  aber  wörtlich,
  wie  folgt:

Denen  Durchlauchtigsten,  Hochgebornen  Fürsten  vnd  Herrn,  Herrn
Christiano,  Herrn  Johann  Ceorgio,  vnd  Herrn  Augusto,  gebrüdern
  ond  Hertzogen  zu  Sachsen,  Landgrafen  in  Thüringen,  Markgrafen
zu  Meissen,  vnd  Burggrafen  zu  Magdeburgk,  Meinen  gnedigsten
  Fürsten  ond  Herrn  pp.

Durchlauchtigste,  Hochgeborne,  Gnedigste  Fürsten  ond  Herrn,  Ewern
F.  F.  F.  G.  G.  G.  seint  meine  vuterthenigste  willige  Dienste,  neben
meines  gebett,  iederzeit  zuvor.  6

Das  die  edle  ond  furneme  kunst  die  Musica,  Gnedigste  Fürsten
vnd  Herrn,  des  Menschen  gemütt,  in  betrübnüß  vnd  Traprigkeit  nicht
Wenig  erquicke  vnd  frölich  mache,  ist  gottlob  offenbar  genugsam,  also

Sachsen-Chronik  f.  Verg.  u.  Geg.  I.  5.  29