128 Wo ist wechselndes Parteiregiment möglich?
einander entgegenstehen, daß die eine monarchistisch und
die andere republikanisch ist. Wenn man in Frankreich
wieder eine Majorität monarchisch Gesinnter hätte, und diese
die Monarchie wieder einführte, und nach einer Reihe von
Jahren käme eine republikanische Majorität und führte die
Republik wieder ein, und so fort im lieblichen Wechsel, so
müßte der Staat daran zugrunde gehen.
Wenn man das auf Deutschland überträgt, was würde aus
Deutschland werden, wenn wir abwechselnd eine klerikale
und eine sozialdemokratische Regierung hätten? Die klerikale
Regierung, die vor allem das Schulwesen, bei der Volksschule
angefangen bis zur Universität, unter kirchlichen Einfluß
zu stellen sucht, und wenn sie das glücklich erreicht
und die Lehrerschaft in orthodoxem Sinne erzogen hat, dann
eine sozialdemokratische Majorität, die den Zukunftsstaat
einführt? Bei der ersten Majorität wissen wir doch ungefähr,
was sie uns bringen wird; bei der zweiten wissen
wir das nicht einmal. Nur das eine ist ganz klar: eine
Abwechslung zwischen diesen beiden „Idealen“ ist schlechterdings
unmöglich. In Frankreich ist ja noch immer eine
ziemlich bedeutende monarchistische Minorität. Sie hat sogar
auch in der Republik einmal wirklich die Majorität gehabt,
und zwar in den ersten Jahren nach 1871. Sie konnte
nur deshalb nicht zu ihrem Ziele kommen, weil sie in sich
gespalten war, weil sie drei Könige zu vergeben hatte.
Der erste war der legitime Erbe der alten Bourbonen, der
Graf von Chambord, der zweite der Prinz von Orléans,
Graf von Paris, und drittens die Bonapartes, die ja nach
der Niederlage von Sedan ausschieden. Aber die beiden
anderen waren ernsthafte Kandidaten, und es war sehr nahe
daran, daß der Graf Chambord zum König berufen wurde;
er wollte nur nicht die Bedingungen annehmen, die man