Full text: Das Königreich Württemberg. Erster Band. (1)

286 Land und Natur. 
an großen und originellen Felspartieen; es empfängt viele Seitenthäler, so von 
links das Gruibinger, Auendorfer, das Barchenthal, das Reichenbacher und Böhringer 
Thal mit dem Röhrbach, von rechts das äußerst romantische Drackensteiner Thälchen. 
Die von links herkommenden Seitenthäler haben das Merkwürdige, daß sie, 
vom Nordwestrande der Alb abfallend, in südöstlicher Richtung nach dem Filsthal 
hinziehen, also entgegengesetzt allen übrigen Albthälern des Nordtraufes. Die Länge 
des Thals von Altenstadt bis zum Filsursprung beträgt 26,8 km. 
Das untere Filsthal, von Altenstadt abwärts, erweitert sich bei Süßen zu 
einer großen höchst fruchtbaren Bucht, in die von allen Seiten die Albhäupter, darunter 
der Hohenstaufen, hereinschauen, schließt sich bei Göppingen wieder zusammen 
und läuft als bescheidenes Thal vollends bis Plochingen. Die ganze Lauflänge 
der Fils beträgt 63,3 km. 
In ihrem Unterlauf, von Altenstadt an, nimmt die Fils einige nicht unbe- 
deutende durch schöne Thäler fließende Bäche auf, so von rechts 
Die von der Geislinger Schlucht herkommende Rohrach, die unterhalb 
Altenstadt einmündet und der unteren Fils ihre Richtung gibt; in sie fällt die 
oberhalb Altenstadt (von Nordosten) hereinkommende durch das Eybachthal fließende 
Eybach (Eyd), die 2 /8 Stunden, während die Rohrach nur 1 ½ Stunden lang ist. 
Im Eybachthal treten die Felsen in den kühnsten und großartigsten Formen 
und in gedrängten Reihen auf, es sind nicht zerklüftete Nadeln, wie oft im oberen 
Filsthal, sondern massige Dolomitklumpen, von Regen und Sonne gebleicht und 
geglättet, die hoch über das Grün der Wälder hinansteigen. 
Die hinter Degenfeld am „kalten Feld“ entspringende Lauter; sie läuft an 
Weißenstein vorüber nach Donzdorf, nimmt von rechts her einige vom „Rehgebirg“ 
herabkommende Bäche auf und mündet bei Großsüßen. Ihr Thal, oben eng und 
wild, wird von Donzdorf an weit und ruinenreich. 
Ebenfalls aus dem Rehgebirge kommt der bei Eislingen einmündende Krumm- 
bach und der bei Faurndau einfließende Marbach. 
Dann kommen vom Schurwald herab die Nassach und der Reichenbach, 
welcher bei Reichenbach, oberhalb Plochingen, einmündet. 
Von links her kommen in die Fils von der Albtraufe verschiedene Bäche aus 
herrlichen in Obstwald gehüllten Thälern; von den stärkeren sind zu nennen der bei Göp- 
pingen einmündende Heinbach, der von Bad Boll herkommende aus mehreren Armen 
zusammenrinnende Fulbach, der in der Teufelsklinge entspringende, bei Uihingen 
einmündende Butzbach und der unterhalb Reichenbach einmündende über Schlier- 
bach fließende Schlierbach. · 
Kaum gibt es ein schöneres, von Wassersträngen in milden Thälern reicher 
durchrieseltes Gebiet, als jenes zwischen Fils und dem Albtrauf, mit seinem groß- 
artigen Gebirgshintergrund im Süden und wieder mit dem Blick auf ähnlich große 
Bergformen, Stuifen, Staufen, Rechberg, u. s. w., gegen Norden. 
n) Die Rems; entspringt 551,6 m hoch in einem Albthälchen nordöstlich von 
Lauterburg und fließt vielfache Verstärkungen aufnehmend zuerst östlich, dann aber nörd- 
lich über Essingen nach Zollhaus, wo sie sich mit der von Osten herkommenden „alten 
Rems“ vereinigt und nun in genau westlicher Richtung über Gmünd, Lorch, Schorn- 
dorf und Waiblingen läuft. Vor dieser Stadt biegt sie gegen Nordwesten und münder 
bei Neckarrems; ihre westliche Richtung trifft in der Verlängerung gerade auf Cann- 
statt, Länge des Laufs 84,2 km. 
Das Remsthal, zugleich ein Parallelthal des Filsthales, gerade bei Waib- 
lingen stark sich erweiternd und nur durch eine wenig erhobene Ebene von CannstaitNo full text available for this image
	        
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