Full text: Das Königreich Württemberg. Erster Band. (1)

470 Land und Natur. 
verlängernd und sich zum Wasserspiegel erhebend, wie der niedliche Froschbiß, Ey- 
drocharis Morsus ranae, ein Miniaturbild der Seerose. Andere, bei uns nur in 
Oberschwaben gefundene Wasserpflanzen sind die weiße und gelbe Zwergseerose, 
Nymphaea alba 6. minor und Nuphar pumilum, der Wassernabel, Hydro- 
cotyle vulgaris, ein Wasserschlauch, Utrienlaria intermedia, und die schöne 
Wasserviole, Hottonia palustris. 
Merkwürdig sind drei auf wechselnden Wasserstand berechnete kleine Gewächse, 
der kriechende Wassermerk, Helosciadium repens, die nun wieder verschwun- 
dene Isnardie und der Strandling, LLttorella lacustris, deren Laub üppig 
wuchert, ohne daß eine Blüte erscheint, so lange das Wasser die wenige Zoll hohen 
Pflänzchen bedeckt; in einzelnen heißen Sommern aber trocknet dieses aus, sie er- 
halten Luft und Sonnenschein und beeilen sich, sogleich zu blühen, dann reifen die 
Samen unter dem wiederkehrenden Wasser, welches sie zerstreut und erzieht. Zwei 
andere Pflanzen, Potentilla norvegica und Schelhammeria cyperoides, schlum- 
mern viele Jahre hindurch als Samen auf dem Boden alter Weiher, den sie schnell 
überziehen, wenn er trocken gelegt wird. Das einzige schmalblättrige Veilchen 
Württembergs, Viola stagnina, zwei Meieriche, Alsine stricta und Stellaria 
crassifolia, der gelbe Steinbrech, Saxifraga Hirculus, das Wiesenhabichts- 
fraut, Hieracium pratense, die blaue Lonicere, IL. coerulea, der schwarz- 
blaue Enzian, Swertia perennis, ein Wasserampfer, Rumer maximus, die 
niedrige Birke, Betula humilis, die seltene Schlangenwurz, Calla palustris, 
zwei Sumpflauche, Allium suaveolens und Scorodoprasum, eine Simse, 
Juncus tenuis, das Riesenknopfgras, Cladium Mariscus, die Alpenmoor= 
seide, Eriophorum alpinum, die wurzelnde Binse, Scirpus radicans, und der 
braune Schnabelsame, Rbhyochospora fusca und 6 Riedgräser sind weitere 
Sumpfgewächse, die in Württemberg nur Oberschwaben besitzt, welches im Ganzen 
86 dem übrigen Württemberg fehlende Phanerogamen nährt, darunter auch die 
Silene italica, Sturmia Loeselü#l#und die Calamagrostis stricta. 
Was die Kryptogamer betrifft, so findet man in Oberschwaben das ein- 
zige im Wasser wachsende echte Farnkraut Deutschlands, das Aspidium Thelypteris. 
Von Moosen sind manche Feuchtigkeit liebende oder im Wasser lebende Arten ver- 
breitet, so mehrere Torfmoose (Sphagnumarten), Meesia longiseta und tristicha, 
Splachnum ampullaceum, Dicranum Schraderi, verschiedene Astmoose, wie Hyp- 
num polygamum, Kneiffli, intermedium, vernicosum, exannulatum, Commutatum 
und andere. Von Algen finden sich mehrere Characeen; im Schweigfurtweiher 
kommt in einzelnen Jahren ein sonderbarer, auf den Wellen tanzender, zuweilen 
faustgroßer Wasserball, Coccochloris Pila vor. 
Die Flechten und Pilze Oberschwabens sind verhältnismäßig noch wenig be- 
kannt. Auf den Torfmooren finden sich stellenweise Cladonien; interessant ist das 
Vorkommen der norddeutschen kleinen rothfrüchtigen Cladonia incrassata Flr. bei 
Schussenried, welches vielleicht ihr südlichster Standort in Deutschland ist. 
Anhangsweise sei auch des Hohentwiel gedacht, der, reich an Phaneroga- 
men, 4 Arten hat, die sonst nirgends in Württemberg vorkommen, nemlich Arabis 
Turrita, Silene Otites, Iris variegata und Bromus patulus. Außer verschiedenen 
selteneren Phanerogamen findet man auf dem Hohentwiel drei seltene Aöplenien, 
nemlich Asplenium septentrionale, germanicum und Adiantum nigrum, sowie 
Botrychium Lunaria. Man vergleiche die Oberamtsbeschreibung von Tuttlingen.