Full text: Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

Abstammung. 3 
nach Auflösung der großen Herzogthümer die Grafen und Herzoge von 
Württemberg sich in dieser Richtung ausdehnten und allmählich die Bezirke 
Backnang, Marbach, Ludwigsburg, Vaihingen, Maulbronn, Brackenheim, 
Besigheim, Weinsberg, die alten Aemter Neuenstadt und Möckmühl er- 
warben, so geschah es auch hier, daß der politische Verband das ethno- 
graphische Element überwältigte und die fränkischen Grenzbewohner dem 
schwäbischen Stamm assimilirte, wie denn auch im Lauf der Zeit der Ein- 
fluß der altwürttembergischen Kanzel-, Schul- und Amtssprache die Mundart 
in diesen Landschaften zu einer doch noch überwiegend schwäbischen um- 
gestaltet hat. Hiedurch war es nun bei der Kreiseintheilung geboten, um 
nicht das Herzogthum Württemberg zwei Kreisen zuzutheilen, die alte 
Grenze zwischen Schwaben und Franken etwas nördlicher und westlicher 
zu rücken, wobei auch einige vom Württembergischen nur begrenzte oder 
umschlossene kleinere Gebiete mit hereingenommen wurden, wiewohl über 
ihre fränkische Stammesart schwerlich ein Zweifel war. Die entschieden 
pfälzische oder rheinfränkische Mundart und Sitte in Heilbronn und den 
angrenzenden deutschordenschen und ritterschaftlichen Besitzungen läßt keinen 
Zweifel darüber, daß man hier, obwohl noch innerhalb der schwäbischen 
Kreisgrenzen, doch in ausgesprochenster Weise auf fränkischem Stammes- 
gebiet steht. Zugleich bildeten die zwischengeschobenen altwürttembergischen 
Aemter Weinsberg, Neuenstadt und Möckmühl in dieser Gegend eine 
natürliche Abgrenzung der Ost= und Rheinfranken. Wir halten es aus 
diesen Gründen für richtig, zwar die altwürttembergische Bevölkerung 
fränkischen Bodens und Ursprungs als assimilirte Schwaben zum schwäbi- 
schen Stamm zu zählen, dagegen dem fränkischen Stamm außer jenen 
175 000 Ostfranken auch noch die auf etwa 60 000 anzuschlagenden rhein- 
fränkischen Einwohner der neuwürttembergischen Theile der Bezirke Heil- 
bronn, Neckarsulm und Brackenheim zuzutheilen, wodurch der fränkische 
Antheil im ganzen auf 235 000, oder nahezu ein Achttheil der Landes- 
bevölkerung steigt. 
Begrenzt man nun den Begriff des Schwabenlandes in der Weise, 
daß dasselbe den ehemaligen schwäbischen Kreis mit Einrechnung der vorder- 
öfterreichischen Lande und der außerhalb der Kreisverfassung gebliebenen 
Enklaven, aber mit Abzug der vorerwähnten rheinfränkischen Bezirke am 
unteren Neckar in sich begreift, so umfaßt dasselbe in solcher Abgrenzung 
etwa 760 Quadratmeilen, auf welchen über 3,6 Millionen Menschen leben, 
der Konfession nach paritätisch gemischt, mit einigem Uebergewicht des 
katholischen Bekenntnisses (im Verhältnis von 5:4). An diesem Gebiet 
haben jetzt sechs Staaten Antheil: 
Württemberg mit 310 O. M. und 1730 000 Einwohnern, 
Baden 210 „ „ 1 100 000 „