Full text : Das Königreich Württemberg. Zweiter Band_1. (2)

14  Das  Volk.

zahl  der  Männer  170  em,  reicht  nicht  selten  bis  über  185  und  steigt  in
einzelnen  Fällen,  zumal  in  den  Reihengräbern,  bis  zu  190  und  darüber;
die  mittlere  Größe  der  Frauen  beträgt  etwa  160,  geht  indeß  zuweilen
bis  zu  150  herab  und  kann,  besonders  in  den  Reihengräbern,  bei  einzelnen
Individuen  bis  zu  180  und  darüber  steigen.

Der  Typus  findet  sich  nicht  allein  bei  den  Völkern  germanischer
Zunge,  sondern  überall  da  in  den  gemäßigten  Klimaten,  wo  sich  einmal
seine  Angehörigen  und  die  ihm  Nahestehenden  in  größerer  Zahl  mit  Weib
und  Kind  niedergelassen  haben,  also  z.  B.  auch  in  den  höheren  Kasten
Indiens.  Da  er  nur  in  den  gemäßigten  Klimaten  den  Kampf  um  die
Existenz  mit  andern  Typen  nachhaltig  erträgt,  so  ist  zu  seiner  Erhaltung
in  den  heißeren  entweder  eine  räumliche  Abschließung  nöthig,  oder  eine  solche
durch  soziale  Einrichtungen.  Das  numerische  Uebergewicht  haben  seine  unvermischten
  Formen  und  die  diesen  nahestehenden  Mischformen  in  Deutschland
  nur  in  Westfalen  und  einem  Theil  von  Franken,  in  Württemberg
nirgends,  die  höheren  Stände  und  einzelne  Familien  der  übrigen  ausgenommen.
  Die  Schädelfunde  aus  vorrömischer  Zeit  gehören  fast  ausnahmslos
  ihm  an.  So  fanden  sich  z.  B.  in  der  tiefsten  Schichte  der  Erpfinger
Höhle  und  den  beiden  großen  Grabhügeln  bei  Pflugfelden,  O.  A.  Ludwigsburg,
  und  Heiligkreuzthal,  O.  A.  Riedlingen,  germanische  Schädelformen.

Der  Schädel  des  räto-sarmatischen  Typus  (ligurischer  T.,  Dissentis-T.,
  type  celtique  der  Franzosen)  hat  in  der  Oberansicht  eine,  besonders
  nach  hinten,  stark  abgestumpfte  Eiform,  seine  breiteste  Stelle  fällt
weit  hinter  die  Mitte  des  Längsdurchmessers;  das  Schädelgewölbe  macht
in  der  Hinteransicht  eine  sehr  flache  Krümmung,  die  Seitenwände  sind
gewölbt,  die  Basis  ist  schmäler  als  das  Gewölbe,  die  Breite  übersteigt
die  Höhe,  doch  ist  der  Unterschied  zwischen  beiden  immer  bedeutend
kleiner  als  zwischen  Länge  und  Breite,  das  Hinterhaupt  ist  flach,  fällt  steil
ab,  die  untere  Wölbung  für  das  kleine  Gehirn  ist  flach,  daher  ist  bei
diesem  Typus  der  Winkel  der  Ebene  des  Hinterhauptloches  mit  der  horizontalen
  kleiner,  als  bei  den  andern,  läuft  in  einzelnen  Fällen  sogar  parallel
  mit  ihr.  Die  Felsenbeine  bilden  einen  bei  weitem  weniger  spitzen
Winkel  als  bei  den  Germanen,  die  Muskelansätze  am  ganzen  Schädel  sind
auch  bei  den  Männern  weniger  kräftig  als  bei  dem  vorigen  Typus;  das
Gesicht  spitzt  sich  nach  unten  zu,  ist  flach,  von  mittlerer  Länge  und  orthognath,
  das  Vorderhaupt  breit  und  mittelhoch,  die  Augenhöhlen  sind  sehr
weit,  ihr  unterer  Rand  senkt  sich  in  höherem  Grade  nach  außen  als  ihr
oberer,  so  daß  die  äußere  Hälfte  der  Augenhöhle  viel  weiter  erscheint  als
die  innere.  Die  Nase  ist  von  mittlerer  Größe,  ihr  Rücken  gerade,  die
Wangenplatte  steht  schief,  d.  h.  ihr  unterer  Nand  ragt  weiter  nach  auswärts
  als  ihr  oberer,  die  Jochbogen  sind  mäßig  gewölbt.  Die  Ohren