Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

daß  der  König  von  Sachsen  in  einen  Teil  seiner  früheren  Lande  mit  der
Hauptstadt  Dresden  wieder  eingesetzt  werde.  Dagegen  forderte  Hardenberg  für
Preußen  einen  bedeutenden  Teil  (mehr  als  die  Hälste)  von  Sachsen,  insbesondere
  die  Saalepässe,  sowie  die  Elbfestungen  Wittenberg  und  Torgau,  ferner  den
größten  Teil  der  Lausitz  mit  Görlitz  und  endlich  Leipzig.

Metternich  bekämpfte  im  Bunde  mit  Talleyrand  jede  einzelne  dieser  Forderungen
  und  wünschte  den  preußischen  Anteil  auf  die  Niederlausitz  zu  beschränken.
Jetzt  aber  unterstützte  der  Kaiser  Alexander  mit  allem  Nachdruck  die  preußischen
Ansprüche  und,  als  endlich  die  Mächte  der  Triple-Allianz  vom  3.  Jannar  nur
noch  in  Bezug  auf  die  Abtretung  von  Leipzig  an  Preußen  hartnäckigen  Widerstand
  leisteten,  entschloß  sich  Alexander,  Preußen  das  feste  Thorn  und  dessen
Umgebung  zum  Ersatz  für  Leipzig  zu  bieten.  Preußen  nahm  das  Anerbieten
an  und  ließ  seine  Ansprüche  auf  Leipzig  fallen.  Dafür  wurde  Thorn,  das  alte
Turon,  wo  einst  Hermann  Balk  mit  den  deutschen  Ordensrittern  die  erste
Warte  wider  die  heidnischen  Pruzzen  errichtet  hatte,  für  Deutschland  gerettet.

So  waren  denn  die  langwierigen  Streitigkeiten  wegen  Sachsen  endlich  geschlichtet,
  allerdings  durch  ein  möglichst  schlechtes  Auskunftsmittel;  denn  während
  der  eine  Teil  von  Sachsen  unter  Hohenzollernscher  Hoheit  sich  bald  den
nationalen  Impulsen  und  Zielen  des  größeren  Staats  anschloß,  wurde  der
andere  Teil  mehr  und  mehr  eine  Domäne  des  dem  deutschen  Gemeingeiste  so
schädlichen  Partikularismus.

Osterreich  erklärte  seine  Zustimmung  zu  den  preußischen  Vorschlägen
(10.  Februar),  und  das  Werk  der  Länderverteilung  konnte  nun  abgeschlossen
werden.  Preußen  erhielt  demnach  an  ehemals  polnischen  Provinzen  Westpreußen
mit  Danzig,  den  Netzedistrikt,  Thorn  und  einen  Teil  von  Großpolen  mit  der
Hauptstadt  Posen,  seine  alten  Besitzungen  in  Westfalen  mit  Corvey,  Dortmund
und  die  Hälfte  von  Fulda,  das  Herzogtum  Berg,  die  Enklave  Königswinter,
die  oranischen  Lande  am  rechten  Rheinufer  und  am  linken  Rheinufer  ein  Gebiet
  von  1100000  Seelen  (die  heutige  Rheinprovinz).  Endlich  erhielt  es  durch
Tausch  mit  Schweden  und  Dänemark  für  das  an  letzteres  abgetretene  Lauenburg
  den  schwedischen  Anteil  von  Pommern  mit  Rügen,  mußte  aber  dafür  das
alte,  treue  Ostfriesland  an  Hannover  überlassen.“

*  Von  den  übrigen  Bestimmungen  der  Wiener  Kongreßakte,  die  Gebietsverhältnisse  der
anderen  Staaten  betreffend,  seien  hier  noch  die  folgenden  erwähnt:

1.  Rußland  erhielt  den  größten  Teil  des  Großherzogtums  Warschan  als  Königreich
Polen.  Krakau  bildete  einen  Freistaat  unter  dem  Schutze  Rußlands,  OÖsterreichs  und  Preußens.

2.  England  behielt  Malta,  Helgoland,  einen  Teil  der  französischen  Kolonieen  und  das
Protektorat  über  die  Republik  der  sieben  jonischen  Inseln.

3.  ÖOsterreich  erhielt  die  Lombardei  und  Venetien,  die  illyrischen  Provinzen,  jerner
(von  Bayern)  Salzburg,  Tirol,  Vorarlberg,  das  Inn=  und  Hausruckviertel  und  trat  dagegen
den  Breisgau  an  Baden,  Belgien  an  das  neugegründete  Königreich  der  Niederlande  ab.