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zählte, bis 1910. Ferner München mit einem Minder
von 162 (auf 396), ebenso Dresden mit einem Minder
von 135 (auf 376). (Das Zweikindersystem im Anmarsch
von Julius Wolf, Berlin 1913.) Wohl war die Geburten
zahl Berlins vor dem Kriege noch ein wenig
höher als in Paris, 202 gegen 180. Aber der Unterschied
war kaum noch nennenswert. Einzelne Berliner Vororte
lassen Paris gar schon weit hinter sich. So verzeichnete
Schöneberg 1910 nur 164 Geburten, 1912 sogar
nur 135. Ahnlich Wilmersdorf 1911: 156, Charlottenburg
1911: 189. Das ist ein Zustand, der eigentlich
nicht mehr erträglich ist, sondern unmittelbar ins
Verderben führt. Denn da hat man das Gefübl, daß die
Geburtenabnahme nicht bei einer geringen Kinderzahl
haltgemacht. Viele glauben nämlich, es müsse da mal
eine Grenze geben, über die hinaus die Geburten nicht
mehr abnehmen, weil nur die wenigsten Menschen völlig
auf Kinder verzichten möchten, ein einziges Kind auch
nur ein Sorgenkind ist, und auch das Zweikindersystem
als zu nüchtern und zu mathematisch ausgeklügelt gilt.
Aber dieser Glaube scheint zu trügen.
Die Ursachen des Geburtenrückgangs.
Woher kommt nun dieser so entsetzliche Geburtenrückgang
innerhalb weniger Jahrzehnte? Er ist wie
eine furchtbare Epidemie, wie eine schreckliche Krankheit
über das deutsche Volk gekommen. Wie Hela in
Niflheim sinnt er auf Verderben. Freilich ist nicht nur
das deutsche Volk davon betroffen. Alle Kulturvölker
find in gleicher Verdammnis. Die Unfruchtbarkeit ist
eine Kulturkrankheit wie die Nervosität und der Selbstmord.
Freilich hat dieser Wurm gerade bei uns, die
wir bis in die siebziger Jahre hinein von dieser modernen
Krankheit noch nichts wußten, mit seinen Fangarmen
ganz besonders verheerend gewirkt.
Die Ursachen sind sehr verschieden. So eine verheerende
Krankheit, wie stark verringerte Fruchtbarkeit, be-