Full text : Fabrikschulen.

32  Praktische  Ausbildung.

ausscheiden,  um  später  in  einem  besonderen  Abschnitt  kurz  für  sich
besprochen  zu  werden.

In  Rücksicht  auf  den  neben  der  praktischen  Ausbildung  hergehenden
  theoretischen  Unterricht  muß  es  sich  eine  jede  Fabrik  zur
festen  Norm  machen,  nur  einmal  im  Jahre,  sei  es  am  1.  April  oder
1.  Oktober,  neue  Lehrlinge  aufzunehmen,  und  man  richtet  sich  selbstverständlich
  hierbei  nach  dem  in  der  betreffenden  Landschaft  allgemein
üblichen  Termin  für  den  Volksschulschluß,  weil  der  größte  Teil  der  Lehrlinge
  von  der  Volksschule  nach  Erfüllung  der  gesetzlichen  Schulpflicht
zu  kommen  pflegt.

Bei  der  Aufnahme  wird  man  sein  Augenmerk  nicht  nur,  wie  schon
oben  kurz  angedeutet,  auf  eine  befriedigende  körperliche  Beschaffenheit
richten,  die  einÜberwinden  der  den  jugendlichen  imWachstum  befindlichen
Muskeln  bevorstehenden  Anstrengungen  gewährleistet,  sondern  auch  auf
die  in  der  Volksschule  erzielten  Erfolge.  Da  im  allgemeinen  ein  Mangel
an  Lehrlingen  nicht  vorliegt,  was  beider  starken  Bevölkerungszunahmeim
Deutschen  Reiche  nicht  verwunderlich  ist,  so  kann  der  weitblickende
Fabrikleiter  von  vornherein  eine  sorgfältige  Auswahl  in  dieser  Richtung
treffen,  eine  Auswahl,  die  bereits  einen  guten  Teil  des  Erfolges  der  praktischen
  und  theoretischen  Ausbildung  der  Lehrlinge  in  sich  birgt.  Es  soll
damit  keineswegs  gesagt  werden,  daß  nur  Knaben  mit  guten  Volksschulzeugnissen
  befähigt  für  gute  praktische  Arbeit  seien.  An  anderer  Stelle
betone  ich  ausdrücklich,  daß  oft  das  Gegenteil  zutrifft;  im  allgemeinen
gestatten  die  in  der  Schule  erzielten  Erfolge  aber  einen  Rückschluß
auf  die  Gescheitheit  des  einzelnen,  und  die  Anforderungen  an  unsere
gelernten  Arbeiter  in  allen  Gewerben  wachsen  fortwährend  so  außerordentlich,
  die  Bedienung  der  komplizierten  Maschinen  einesteils  und
damit  die  Erhaltung  unserer  deutschen  Konkurrenzfähigkeit  gegenüber
dem  Auslande  andernteils  bedingt  eine  solch  große  Intelligenz  der
Arbeiter,  daß  man  an  die  bei  der  Lehrlingsaufnahme  zuerst  mögliche
Scheidung  der  Klugen  von  den  Geringbegabten  mit  größter  Aufmerksamkeit
  herantreten  sollte.

Als  Lehrlinge  kommen  für  Fabriken  usw.  hauptsächlich  gewerbliche
und  kaufmännische  in  Frage,  die,  abgesehen  vom  Schulunterrichte,
schon  vom  ersten  Tage  ihrer  Tätigkeit  an  getrennte  Wege  gehen  und
später  im  Leben  doch  darauf  angewiesen  sind,  ihre  Arbeit  gegenseitig
aufeinander  einzustellen,  soll  eine  harmonische  Wirkung  erzielt  werden.
Nicht  lange  genug  können  diese  beiden  großen  Gruppen  unseres  Volkes
miteinander  in  steter  Fühlung  gelassen  werden,  denn  nur  durch  ein
dauerndes  Zusammenwirken,  ein  tiefgehenderes  Verständnis,  ein  gewolltes
  Erfassen  der  Eigenart,  der  Rechte  und  Pflichten  der  Mitglieder
der  anderen  Gruppe  und  durch  die  Achtung  vor  deren  Arbeit  können