Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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Eine  solche  Umstülpung  kann  nur  zu  Stande  kommen,  so
lange  die  Gebärmutter  nach  der  Austreibung  des  Kindes
noch  ganz,  oder  theilweise  erschlafft  ist,  wenn  alsdann  der
Grund  derselben,  entweder  durch  einen  Zug  an  der  Nabelschnur
mittelst  des  noch  festsitenden  Mutterkuchens  abwärts  gezogen,  oder
seltener  durch  einen  Druck  von  oben  ber,  durch  gewaltsames
Drängen  und  Pressen  der  Kreißenden  herabgedrückt  und  eingedrückt
wird.  Ist  einmal  der  Anfang  einer  Umstülpung  vorhanden,  so
pflegt  sich  diese  rasch  bis  zu  den  höheren  Graden  zu  steigern.  Jedoch
geschieht  es  nicht  immer,  und  es  kann  bei  einer  bloßen  Einbiegung
des  Gebärmuttergrundes  bleiben.

In  der  Regel  wird  die  Hebamme  durch  die  gewissenhafte  Befolgung
  der  ihr  gegebenen  Lehren  eine  Umstülpung  verhüten
können.  Wenn  sie  in  der  Austreibungszeit  bei  zu  starken  Wehen,
bei  zu  vielem  Fruchtwasser  die  zu  schnelle  Entleerung  der  Gebärmutter
  nach  Kräften  hindert  (s.  o.  §.  207—208.,  315—316.);
wenn  sie  nicht  selbst  das  halbgeborene  Kind  übereilt  völlig  hervorzieht
  (s.  o.  §.  114.);  wenn  sie  überall,  wo  eine  Erschlaffung  der
Gebärmutter  nach  der  Geburt  zu  fürchten  ist,  während  der  Austreibung
  des  Rumpfes  und  eine  Zeit  lang  darnach  die  Zusammenziehung
  der  Gebärmutter  sorgfältig  überwacht  (s.  o.  8.  339.);  wenn
sie  Alles  anwendet,  um  eine  Zerrung  der,  sei  es  durch  Umschlingung,
  sei  es  an  sich  zu  kurzen  Nabelschnur  bei  und  nach  dem  Austritte
  des  Kindes  zu  vermeiden  (s.  o.  8.  112.,  323.),  und  sich  streng
hütet,  selbst  an  der  Nabelschnur  zu  ziehen,  ehe  der  Mutterkuchen  in
die  Scheide  herabgetreten  ist,  so  darf  sie  zuversichtlich  hoffen,  daß  sie
in  ihrer  Praxis  ein  so  unglückliches  Ereigniß  nicht  erleben  werde.

S.  350.

Gewöhnlich  tritt  mit  der  Umstülpung  der  Gebärmutter  eine
starke  Blutung  ein,  da  fast  immer  schon  ein  Theil  des  Mutterkuchens
  gelöst  ist.  Dazu  gesellt  sich  ein  heftiges  und  schmerzhaftes
  Abwärtsdrängen  im  Becken.  Bald  folgen  die  Zeichen
des  Verfalls:  die  Entbundene  wird  blaß  und  kalt,  Erbrechen,
Ohnmachten,  Zuckungen  stellen  sich  ein,  und  ohne  schnelle  Hülfe

Preußisches  Hebammen-Lehrbuch.  17