Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

Nährboden  für  all  jene  Faktoren,  die  namentlich  in
den  letzten  anderthalb  Jahren  des  Krieges  aufwuchern
und  zu  einer  am  Ende  jede  bessere  Stimmung  ersticken—
den  Üppigkeit  gelangen  konnten,  war  nach  meiner  aus
solcher  Beobachtung  erwachsenen  Überzeugung  die  un—
genügende  Verpflegung  und  Versorgung  der  Heimat—
menschen.  Und  an  dem  endlichen  Versagen  dieser  Hei—
mat  gebe  ich  so  weniger  den  Menschen  die  Schuld,  die
für  das  Vaterland  durch  Jahre  ehrlich  gehungert  und
gedarbt  haben,  als  jenen,  die  berufen  waren,  pflicht—
mäßig  für  eine  bessere  Vorsorge  und  für  eine  gerechtere
Verkeilung  des  Vorhandenen  mit  rücksichtsloser  Energie
zu  wirken.  Schließlich  auch  jenen  Männern  der  Reichs—
leitung,  die,  als  sie  das  Versagen  der  vorhandenen
Kräfte  erkannten,  nicht  jene  Stelle  schufen,  deren  In—
haber  mit  ungebundenen  Kräften,  und  über  alle  Hem—
mungen  und  Schwerfälligkeiten  der  alten  verästelten
Amtswege  weg,  die  nötigen  Maßnahmen  mit  diktatori—
scher  Gewalt  durchsetzen  konnte.

Daß  wir  an  wirtschaftlicher  Kriegsvorsorge  während
der  drohenden  Krisenjahre  so  gut  wie  alles  versäumten,
daß  also  von  einer  wirtschaftlichen  Kriegsbereitschaft
garnicht  die  Rede  sein  konnte,  habe  ich  dort,  wo  ich  von
den  Jahren  vor  Ausbruch  der  Katastrophe  von  1914
sprach,  schon  erwähnt.  Die  aus  jener  Zeit  ererbte  Schuld
ist  dann  während  des  Krieges  durch  Mangel  an  Weit—
blick,  durch  Festhalten  an  Systemen,  die  ihr  unruhig
flackerndes  Leben  von  Behelf  zu  Behelf  fristeten,  ins
Ungemessene  vergrößert  worden.  Nicht  prävenkiv,  sondern
  steks  nur  unker  dem  Zwange  der  schon  mit  starken
Schlägen  anpochenden  Not  wurden  Pläne  und  Ent—

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