Full text : Erinnerungen des Kronprinzen Wilhelm.

marckischen  Kanzlern  als  der  weitaus  bedeutendste  —
ich  schätze  ihn  weit  über  den  Rahmen  dieses  recht  rela—
kiven  Komplimenkes,  das  eigentlich  nicht  sehr  viel  sagen
will,  hinaus.  Er  hat  in  seiner  Art  geführt  und  sich  die
Zügel  nicht  aus  den  Händen  nehmen  lassen.  Er  ver—
stand  es  glänzend,  seine  Politik  im  Reichstage  zu  ver—
treten,  und  seine  von  echtem  nationalen  Empfinden  ge—
tragenen  Reden  verfehlten  kaum  je  ihre  Wirkung.  Da—
bei  konnte  er  verhandeln,  war  im  persönlichen  Verkehr
mit  Parlamentariern,  Ausländern  und  Pressevertretern
taktvoll  und  geschickt  und  stellte,  wie  kein  anderer  seit
dem  ersten  Kanzler,  den  Wert  der  Presse  und  der  öffent—
lichen  Meinung  richkig  in  seine  Arbeit  ein.  An  meine
Unterhalktungen  mik  ihm  denke  ich  mit  Vergnügen  zurück:
  Wieviel  spielerisch  hingegebener  Geist,  wieviel
gesunder  Verstand,  welch  kreffende  Urkeile  über  Men—
schen  und  Probleme.

Er  war  nach  meiner  Uberzeugung  auch  noch  inn
Sommer  17  der  beste  Mann,  der  zur  Verfügung  stand,
und  so  habe  ich  es  damals  sehr  bedauerk,  daß  nach  Bethmanns
  Abgang  nichk  Fürst  Bülow  an  die  erste  Stelle
berufen  wurde.  Seine  besondere  Ark  häkke  es  sicher  verstanden,
  eine  fruchtbare  Zusammenarbeik  der  Reichsstellen
mit  der  O.  H.  L.  zu  erreichen,  auch  glaube  ich,  daß  es
dem  gewandlen  Diplomaken  doch  noch  gelungen  wäre,
einen  Weg  aus  den  Schwierigkeiken  des  Welkbrieges
heraus  zu  finden,  und  daß  er  einen  für  unser  Vaterland
  erkräglichen  Frieden  zustande  gebracht  hätfe.  —
Bei  den  beiden  Kanzlerwechseln  im  Kriege  habe  ich  mich
für  ihn  oder  Tirpitz  bei  Seiner  Majestät  eingesetzk.
Leider  erfolglos.  Die  Wiederwahl  Bülows  zum  Kanzler

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