Full text : Lesebuch zur Geschichte Bayerns.

26.  Die  Einführung  und  Entwicklung  der  Buchdruckerkunst  in  Bayern.  117

Ruhm  an  der  Verbreitung  deutscher  Schriften  im  15.  Jahrhundert  hervorragenden
  Anteil  zu  haben.  Unter  den  zahlreichen  Werken  seiner  Presse,  zu
denen  u.  a.  eine  Ausgabe  des  wichtigsten  deutschen  Rechtsbuches  des  Mittelalters,
  des  Sachsenspiegels,  die  früheste  deutsche  Ubersetzung  der  Nachfolge
Christi  und  der  erste  deutsche  Briefsteller  gehören,  verdienen  vorzüglich  die
beiden  Ausgaben  der  deutschen  Bibel  von  1477  bzw.  1480  Erwähnung,  von
denen  die  erstgenannte  die  älteste  deutsche  Bibel  ist,  welche  volle  Datierung
hat.  Auch  für  die  illustrative  Ausschmückung  seiner  Drucke  entfaltete  Sorg
eine  rege  Tätigkeit,  als  deren  Hauptwerk  das  berühmte  Konstanzer  Konziliumsbuch
  des  Domherrn  Ulrich  von  Reichenthal  zu  neunen  ist,  welches  neben  der
wörtlichen  und  bildlichen  Darstellung  des  Verlaufs  dieser  Kirchenversammlung
nicht  weniger  als  1156  Wappen  aller  damals  in  Konstanz  anwesenden  vornehmen
  Männer  der  ganzen  Christenheit  enthält.  Eine  Leistung,  die  vorher
noch  von  keiner  Seite  versucht  worden  war  und  die  dem  Buche  selbst  mit
Recht  die  Bezeichnung  des  ältesten  gedruckten  Wappenbuches  eingetragen
hat.  Die  lange  Reihe  seiner  Drucke  schloß  Sorg  1493  mit  einer  deutschen
Ausgabe  der  Evangelien  und  Episteln;  bald  darauf  scheint  er  auch  gestorben
zu  sein.

Ein  neuer  Meister  trat  mit  Johann  Schönsperger  dem  Alteren
auf,  der  durch  die  reiche  bildliche  und  typographische  Ausstattung,  die  er  seinen
Werken  zuteil  werden  ließ,  sich  einen  hervorragenden  Namen  erwarb.  Seine
Tätigkeit  begann  1481  und  dauerte  bis  weit  in  das  erste  Viertel  des  16.  Jahrhunderts
  hinein.  Bis  zum  Jahre  1500  erstreckte  sie  sich  nicht  so  sehr  auf  die
Herstellung  neuer,  bisher  noch  nicht  gedruckter  Bücher  als  vielmehr  auf  den
Nachdruck  solcher,  die  zu  jener  Zeit  oft  begehrt  waren  und  unter  denen  neben
einer  Reihe  von  Ausgaben  der  deutschen  Evangelien  und  Episteln,  der  Heiligenleben
  u.  a.  sich  wieder  zwei  deutsche  Bibeln  von  1487  und  1490  mit  hübschen,
der  sog.  Kölner  Bibel  entnommenen  Holzschnitten  befinden.  So  produktiv
er  indessen  der  Zahl  nach  war,  seine  Hauptbedeutung  erlangte  er  doch
erst,  um  dies  kurz  zu  erwähnen,  im  16.  Jahrhundert,  als  er  von  Kaiser
Maximilian  zum  kaiserlichen  „Diener  und  Buchdrucker“  ernannt  wurde  und
nun  im  Auftrage  seines  Herrn  jene  typographischen  Meisterwerke  schuf,  die
seinen  Namen  mit  der  Geschichte  der  Buchdruckerkunst  für  immer  verbinden:
jenes  herrliche,  nur  in  zehn  Exemplaren  auf  Pergament  gedruckte  Gebetbuch
des  Kaisers  von  1514,  von  dem  die  Hof=  und  Staatsbibliothek  in  München
ein  mit  eigenhändigen  Randzeichnungen  Albrecht  Dürers  versehenes  Fragment
als  einen  ihrer  kostbarsten  Schätze  verwahrt,  und  den  mit  Recht  als  Meisterwerk
  der  Typographie  gepriesenen  „Theuerdank“  von  1517  und  1519,  der  in
poetischer  Form  die  Brautfahrt  Maximilians  schildert  und  von  Schäufelein,
Burgkmair,  Beck  u.  a.  künstlerisch  ausgeschmückt  ist.

Nicht  nur  völlig  ebenbürtig  sondern  in  vieler  Beziehung  Schönsperger
noch  überragend  reiht  sich  ihm  Erhard  Ratdolt  an,  einer  der  bedeutendsten