56. Würzburg, die alte Bischofsstadt am Main. 297
er seine großartige, heute noch blühende Hospitalstiftung ins Leben mit reicher
materieller Ausstattung. Bei all diesen Aufwendungen fand er durch seine
hervorragende Finanzkunst noch die Mittel in seiner Hauptstadt wie in den
Stiftslanden als ein baulustiger Herr aufzutreten, wie das in der ganzen
Geschichte Würzburgs einzig dasteht. Schon längere Zeit war in der Baukunst
die Renaissance zur Herrschaft gelangt, wovon in Würzburg sich noch schöne
Proben erhalten haben. In diesem Stil ließ Julius weiterbauen, aber mit
nochmaliger starker Beimischung gotischer Motive, wie das am merkwürdigsten
in der Neubaukirche in Würzburg und in der Wallfahrtskirche zu Dettelbach
zum Ausdruck kommt, eine Mischung, die übrigens in dieser Zeit auch noch
anderwärts versucht wurde.
So nach allen Seiten hin neu gefestigt vermochte Würzburg dann auch
die schwere Zeit des Dreißigjährigen Krieges, obwohl sie die Schrecken einer
Erstürmung des Marienberges und eine mehrjährige schwedisch-weimarische
Zwischenregierung mit sich brachte, glücklich zu überdauern. Eben auf diese Erfahrungen
hin gingen seitdem die Fürstbischöfe, zuerst Johann Philipp
v. Schönborn, zugleich Kurfürst von Mainz, mit allem Eifer daran
Würzburg zu einer starken Festung neuen Stils umzugestalten. Allein im
großen und ganzen hatte doch die jetzt folgende Zeit bis zu den französischen
Kriegen am Ende des 18. Jahrhunderts für Würzburg einen friedlichen und
glücklichen Charakter. Die damaligen Fürstbischöfe waren feingebildete und vielfach
prachtliebende Herren, aber dabei auch eifrige, tüchtige Regenten. So kam
dann auch das Kunstleben besonders im 18. Jahrhundert nochmals zu hoher
Blüte. In der Übergangszeit vom 17. zum 18. Jahrhundert war zunächst der
Barockstil herrschend; in einer Reihe bedeutender Bauwerke kam er in Würzburg
zur Anwendung, insbesondere durch den welschen Baumeister Antonio
Petrini, dessen pompöser Neubau der Kirche von Stift Haug mit der kühn
geführten Kuppel sowie auch des rückwärtigen Teiles des Juliusspitals diese
Kunstform in achtungswerter Weise vertreten. Als das glänzendste Gestirn
leuchtete aber bald darauf der aus Eger stammende Balthafar Neumann,
den man unbedenklich als einen der genialsten Architekten des kunstfrohen
18. Jahrhunderts bezeichnen darf. Die zwei weiteren Fürstbischöfe, die Würzburg
aus der Familie Schönborn erhalten hat, sind es gewesen, die dieses
Talent erkannten und ihm die richtige Luft zu seiner vollkommenen Entfaltung
verschafften. Es ist die unterdessen aus Frankreich herübergekommene neue
Stilrichtung des Rokoko, die dieser Meister gerade hier in Würzburg mit dem
unerschöpflichen Reichtum seiner künstlerischen Phantasie und mit höchster technischer
Virtuosität in ihrer ganzen entzückenden Feinheit anzuwenden wußte.
Sein Wirken blieb keineswegs auf Würzburg beschränkt, aber immerhin hat
es hier seinen Schwerpunkt gefunden. Hatten ihm doch seine Schönbornschen
Mäazenaten jenen Auftrag gegeben, durch dessen Ausführung er seinen Namen
unsterblich machte, nämlich zum Bau einer neuen fürstbischöflichen Residenz