60. Herzogin Maria Anna von Bayern. 319
neue Maler= und Bildhauer-Akademie; er ließ begabte Jünglinge
i Auslande auf seine Kosten unterrichten und ernannte die tüchtigsten zu
Professoren der Akademie um einheimische Talente für die bildenden Künste
zu wecken.
Die neue Anstalt leistete für Verbesserung des allgemeinen Geschmackes
durch Anleitung der Talente und Hinweisung auf das antike Schöne Verdienstliches.
Es entstanden mehrere schöne Privatbauten, wie das nach dem
Plane Cuvillics gebaute Cotta-Haus in der Theatinerstraße, das zur Unterbringung
der kurfürstlichen Bibliothek bestimmt war, die Paläste des Grafen
Törring (jetzt Hauptpostgebäude) und des Grafen von Preysing (Bankhaus),
welche von Cuvillics und Effner im französisch-italienischen Stile erbaut wurden.
Die beiden Künstler und Brüder Agid und Kosmas Asam erbauten auf
eigene Kosten und nach eigenem Entwurfe die St. Johanniskirche in der
Sendlingerstraße. Max Joseph hatte als sechsjähriger Knabe (16. Mai 1733)
den Grundstein zu dieser Kirche gelegt, welche (1746) im reichen französischitalienischen
Prunkstile ausgeführt wurde. Auch der Kurfürst ließ neue Bauten
aufführen, soweit es die mißliche Finanzlage gestattete. Nach Vollendung des
Residenztheaters erbaute er die „Isarkaserne“ und ersetzte (1759—1765) die
zwei über die Isar führenden hölzernen Brücken nach der Vorstadt Au durch
steinerne, weil der Verkehr durch das Anwachsen der Münchener Bevölkerung
immer stärker wurde. Zugleich legte er den Grundstein zu einem Militärlazarett,
das 1777 eröffnet und nach 110 Jahren in das Luitpoldgymnasium umgeändert
wurde. Zur Heranbildung brauchbarer Offiziere stiftete Max (1756) eine
Militärschule (Kadettenkorps) und verlegte sie in das von Herzog Klemens
erbaute Schloß außerhalb des Karlstores. Nach dem Beispiele seiner Mutter,
der Kaiserin Amalie, die (1754—1760) das St. Elisabethspital gegründet
hatte, ließ er den Barmherzigen Brüdern und Schwestern außerhalb des
Sendlinger Tores Kloster nebst Kirche bauen, aus denen später das allgemeine
Krankenhaus hervorging. Das Waisenhaus, welches der Faßbinder Poppel
von der Vorstadt Au, ein geist= und gefühlvoller Bürger, nach dem österreichischen
Erbfolgekriege gestiftet hatte, unterstützte der Kurfürst im geheimen mit
bedeutenden Geldsummen.
60. Herzogin Maria Anna von Bayern.
Von Theodor Bitterauf.“
Politisierende Frauen scheinen vielen ein Unding zu sein, weil durch sie
weder die Interessen der Politik noch das Wesen der Weiblichkeit gewinnen
könne. Und doch hat Fürst Bismarck einmal bedauert, daß den Frauen bei
uns nicht mehr Einfluß auf die politischen Verhältnisse gestattet ist: „Halten
die Frauen fest zur Politik, so halte ich die Politik für gesichert. In der
Hauptsache möchte ich sagen: das, was den Unfug verhindert, zu dem die
Männer geneigt sein könnten, das ist hauptsächlich die Aufgabe der Damen.“