350 66. Der Ubergang des Kurfürstentums Pfalz-Bayern an das Haus Pfalz-Zweibrücken.
und volksfreundlich, hatte den kurzen Kaisertraum mit dem Ruin seines Landes
gebüßt. Die dem Deutschen Reiche angegliederten Völker des Ostens hatten
Bayern in so furchtbarer Weise verheert, daß man in der deutschen Geschichte
bis zu den Ungarnzügen des frühen Mittelalters zurückblättern muß um ein
Beispiel ähnlicher Kriegführung zu finden. Auch in Friedenstagen stach gegen
den Glanz des Hofes die Armut des Landes häßlich ab. Und das Geistesleben,
die Volksbildung war in gleichem Maße zurückgegangen wie der Volkswohlstand.
König Friedrich neunt Bayern in seinen „Denkwürdigkeiten“ ein
„von Schweinen bewohntes Paradies.“ Das grobe Wort war vor allem von
Abneigung gegen Rom eingegeben, doch auch Eingeborne wie Westenrieder, der
sowohl an seiner Kirche wie an seiner Heimat hing, fanden die Kulturzustände
in Bayern unwürdig und beklagenswert. Was war aus dem Stamme geworden,
dem das deutsche Volk die erste klassische Literaturepoche, das tiefsinnigste
Kunstepos und herrlichen Minnesang verdankte! Und kaum daß es
unter Max III. Joseph und seinen treuen Helfern, den Münchener Akademikern,
zu dämmern begann und für die Volkswirtschaft wie für die Schule bessere
Tage kamen, vernichtete der Tod des beliebten Fürsten die Hoffnungen, wie
Meltau eine junge Saat. Denn der neue Regent brachte dem Volk, in dessen
Mitte er nach den Hausverträgen fortan leben sollte, kein Herz entgegen.
Karl Theodor von der Pfalz, „der erste Kavalier des Heiligen römischen
Reiches,“ wie er von seinen Höflingen genannt wurde, zog dem vieltürmigen
München das „feine“ Mannheim und den bayerischen Bergen seinen Schwetzinger
Park vor. Diese Kühle des zur Regierung in Bayern berufenen Fürsten war
in Wien wohl bekannt; darauf stützte sich der Plan Kaiser Josephs II. durch
Einverleibung Bayerns um so leichter die Germanisierung der vielsprachigen
österreichischen Monarchie durchzusetzen und zugleich dem Erzhause für alle
Zeiten die Ubermacht in Deutschland zu sichern. Wie der unwürdige Länderschacher
eingefädelt wurde, ist bekannt. Welche Entrüstung er in Deutschland
hervorrief, bezeugt das zornige Wort Schlözers: Der Landgraf von Hessen
habe nur ein paar tausend Landeskinder verkauft, der Kurfürst von Bayern
aber wolle gleich sein ganzes Land losschlagen und preisgeben. Allerdings nach
Amerika sollten die Bayern nicht, aber der Kurfürst wollte aus Bayern!
Es ist klar, daß sich Friedrich II. nicht aus Großmut mit der patriotischbayerischen
Partei, deren Seele die Witwe des Herzogs Klemens, Maria Anna,
war, und mit dem mutmaßlichen Erben von Pfalz-Bayern, Herzog Karl August
von Zweibrücken, verbündete. Friedrich hatte die schwer errungene Stellung
Preußens in Deutschland und Europa zu verteidigen. Do, ut des! ist die
Seele aller politischen Verträge und Uneigennützigkeit nur eine Privattugend.
Wenn Friedrich sich Bayerns annahm, dachte er sicherlich nicht an Bayern,
sondern an Preußen. Doch die Beweggründe verbergen sich früher oder später,
die Tat und ihre Früchte bleiben. Tatsache ist, daß nur durch Friedrichs
Hilfe die Selbständigkeit Bayerns gerettet wurde.