224 Drittes Buch. II: Im Gefolge des Kaisers.
15. Juli Zähringen sowie den Lodiern bei Cavaginara in den Hinterhalt legte").
Als die Mailänder die wenigen Pavesen so dicht in ihrer Nähe sahen, ließen
sie ihre beiden Reiterkompagnien aufsitzen. Diese fielen sofort auf die Pavesen
warfen sie vollständig und drängten sie sogar — ohne bestimmte Absicht —
von dem Wege ab, an dem der Kaiser verborgen war. Als dieser die schlimme
Lage seiner Getreuen bemerkte, schickte er ihnen schnell die übrigen Pavesen
zu Hilfe, um die Moiländer aufzuhalten, während er selbst einen Umweg
nahm, um den Feinden in den Rücken zu fallen und sie so von ihrer Vaterstadt
abzuschneiden. Auch die pavesische Reserve wurde gänzlich geschlagen; als
aber die schon siegesgewissen Mailänder plötzlich den gefürchteten Schlachtruf
der Deutschen erschallen hörten und den Kaiser selbst auf sich heransprengen
sahen, verloren sie den Mut zu weiterem Kampfe. Umringt, wie sie
waren, wurden sie alle entweder erschlagen oder — allein 300 Reisige — gefangen
genommen“""). Der Verlust war für die Mailänder um so empfindlicher,
als er ihre tüchtigsten und angesehensten Leute betraf.
Vollends schien der antikaiserlichen Partei in Ober- und Mittelitalien der
Mitte Untergang sicher, als jetzt Heinrich der Löwe und die ihn begleitenden Fürsten
Juli mit ihrem starken Heere in Italien eintrafens##).
Sofort erhielt Heinrich Gelegenheit, dem Kaiser die wesentlichsten Dienste
zu leisten. Nämlich nach jener Demütigung der Mailänder bei Cavaginara
brach Friedrich mit seiner Gemahlin und seinem ganzen Heere, bei dem sich
21. Julif) auch Heinrich der Löwess) mit seiner sehr starken Scharfft) von Bayern und
Sachsen befand, zur Belagerung von Crema aus, das schon von den Cremonesen
und ihren Hilfstruppen aufs engste eingeschlossen war. Der Kaiser
schlug sein Lager im Süden der Stadt auf, die Cremonesen das ihrige im
Westen, die beiden Pfalzgrafen bei Rhein und Wittelsbach im Nordwesten,
der Herzog von Schwaben im Nordosten, Heinrich der Löwe im Osten; an
dessen linken Flügel schlossen sich noch die Pavesen. Einige Zeit darauf erschien
auch Welf VI. von Altorf vor Crema und ersetzte den rechten Flügel
des kaiserlichen Lagers, welches letztere sich mehr nach Westen wandte. Der
Kaiser lebte in voller Gemeinschaft mit den beiden welfischen Fürsten. Die
Achtung der Cremenser fand in einer Fürstenversammlung statt, die unter
dem Vorsitze des Herrschers im Zelte Heinrichs des Löwen tagtes). Ubrigens
*) Die Erzählung der Schlacht hauptsächlich nach den ugen eugen Otto Mor. und
Vinc. Prag., p. 677. — Außerdem: Ragev. IV, 51; in Lomb., p. 37;
Chr. Un#prg.
½) Otto Mor.: Mediolanenses igitur Teutonicam linguam intelligentes ac i
imperatorem adesse Lurenter. in nihilo se defenderunt etc. — Krit. Erört. II E
*““) S. 210. — Welf kam erst später (Otto Mor., p. 612), um Michaelis, also Ende
September, mit 300 Rittern; Ann. Weingart. Welf., p. 309.
) Krit. Erört. II m.
1) Krit. Erört. II1.
f11) Otto Mor., p. 6ß722: duce Henrico de Saxonia, qui maximum exercitum
secum duxzerat. — Vgl. Ragev. II, 44.
5) M. G. Const. I, 271.