Metadata : Zur Vorgeschichte des Weltkrieges.

mit  angesehenen  Journalisten  zu  halten  und  bei  sonstigen  einflußreichen
  Persönlichkeiten  eine  Wiederannäherung  zu  betreiben.  Ein
dicker  Stoß  von  Briefen,  die  er  mir  damals  schrieb,  beweist,  wie
schwer  seine  Aufgabe  war,  und  wie  unverdrossen  und  gründlich  er
ihr  gleichwohl  oblag.  Immer  wieder,  wenn  eine  Wendung  zum
Besseren  möglich  schien,  traten  neue  störende  Zwischenfälle  ein.
Das  Ergebnis  konnte  kein  anderes  sein,  als  das  der  Arbeit  der
Penelope.  Der  Bau  der  Flotte  war  keineswegs  das  einzige
Hindernis  und  vielleicht  hätten  sich  die  Engländer  doch  am  Ende
mit  ihm  in  Güte  abgefunden,  wenn  gute  Reden  ihn  begleitet
hätten.  Gab  schon  die  unverantwortliche  Agitation  für  die  Flotte
Stoff  genug  zur  Mißdeutung  ihres  Zweckes  in  der  englischen
Offentlichkeit,  so  erschien  erst  recht  manches  Kaiserwort,  das  zur
Anfeuerung  des  Verständnisses  für  eine  Handel  und  Küsten
schützende  Kriegsflotte  gesprochen  war,  englischen  Augen  wie  ein
drohendes  Fanal.  Besonders  schlimm  wirkte  der  in  unbeglaubigter
Form  bekannt  gewordene  Gruß  des  Admiral  of  the  Atlantic  an
den  Zaren.

Als  die  verbissenste  Vertreterin  der  Germanophobie  in  der
englischen  Presse  erwiesen  sich  die  „Times“.  Die  Redaktion  in
London  schien  ihre  Korrespondenten  im  Ausland  angewiesen  zu
haben,  ihre  ganze  Aufmerksamkeit  auf  alles  das  deutsche  Ansehen
Schädigende  zu  richten  und  die  deutsche  Politik  nach  Kräften  zu
verdächtigen.  Der  Berliner  Korrespondent  entwickelte  eine  große
Geschicklichkeit  im  Sammeln  und  Färben  von  Vorkommnissen  im
Deutschen  Reiche,  die  geeignet  waren,  in  England  Widerwillen
und  Feindschaft  zu  erregen.  Darob  lief  sogar  dem  immer  verbindlichen
  und  einer  Verständigung  mit  England  gewogenen
Staatssekretär  Frhr.  v.  Richthofen  einmal  die  Galle  über.  Auf
einem  parlamentarischen  Abend  beim  Staatssekretär  des  Innern
Grafen  Posadowsky  erwiderte  er  eine  Anrede  des  „Times“-Korrespondenten
  mit  heftigen  Vorwürfen  gegen  seine  vergiftende  Berichterstattung,
  die  ein  Unheil  für  beide  Länder  sei.

Neben  der  „Times“  tat  sich  die  „National  Review“  darin  hervor,
  vor  kriegerischen  Plänen  in  Deutschland  zu  warnen,  und  alles,
was  hier  getan  oder  gesagt  wurde,  zum  Schlimmen  auszulegen!
Zu  dem  Stabe  der  Zeitschrift  gehörten  auch  ein  paar  Russen,  der

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