Volltext : Leopold von Ranke's sämmtliche Werke. 27. und 28. Band. Zwölf Bücher Preußischer Geschichte. Fünftes bis neuntes Buch. (27)

Maßregeln  gegen  Umtriebe  in  Hannover.                                                       83

pp.  sich  auf  den  preußischen  Standpunkt  zu  versetzen.  Italien  hat  die  Gewißheit,  alles  zu
erlangen,  was  ihm  im  Traktat  versprochen,  und  zwar  durch  unsere  Erfolge,  ohne  daß  es
uns  bisher  den  mindesten  Nutzen  getan;  wir  haben  noch  nichts,  sollen  erst  durch  Verhandlungen
  erlangen.  Bei  diesem  ungleichen  Verhältnis  müssen  wir  unsere  Interessen  in
erster  Linie  zu  Rate  ziehen  und  zunächst  dafür  die  vertragsmäßige  Unterstützung  Italiens
verlangen.

*502.  Erlaß  an  den  Stellvertreter  des  Ministers
der  auswärtigen  Angelegenheiten  Freiherrn  von  Werther.

(Konzept  von  der  Hand  des  Vortragenden  Rats  Abeken.)

Die  Erregung,  die  in  Hannover  seit  der  Kapitulation  von  Langensalza  angesichts  der
Ungewißheit  über  das  Schicksal  des  Landes  herrschte,  führte  hier  und  da  zu  Explosionen.  So
kam  es  anläßlich  der  sogenannten  Bennigsen'schen  Erklärung  vom  12.  Juli,  die  sich  zu  dem
preußischen  Bundesreformplan  bekannte  und  zu  nationaler  Abwehr  ausländischer  Einmischung
aufrief  (näheres  darüber  bei  H.  Oncken,  Rudolf  von  Bennigsen,  1,  737ff    W.    Mommsen.
Johannes   Miquel I;  342)  in  Celle  am  18.  und  19.  zu  einem  Aufruhr  auch  sonst  traten
antipreußische  Bestrebungen  zutage,  denen  Bismarck  angesichts  der  sich  steigernden  Aussichten
auf  die  Annexion  scharf  entgegenzutreten  für  nötig  fand.

Nikolsburg,  den  25.  Juli  1866.

Der  Herr  Minister  des  Innern  Graf  Eulenburg  hat  mir  mitgeteilt,  daß  nach  ihm
zukommenden  Nachrichten  aus  Hannover  dort  in  großartigem  Maßstabe  gegen  die  preußische
  Verwaltung  konspiriert  werde,  und  daß  es  an  Mitteln  fehle,  um  die  Fäden  der
Konspiration  in  die  Hand  zu  bekommen.  Ich  habe  den  Herrn  Minister  gebeten,  einstweilen
dem  Königlichen  Zivilkommissarius  geeignete  weitere  Polizeikräfte  zu  überweisen,  und  behalte
  mir  vor,  über  die  Frage,  ob  nicht  ein  besonderer  Militärgouverneur  für  Hannover  zu
bestellen  sein  möchte,  um  ein  energisches  Ineinandergreifen  der  zivilen  und  militärischen
Maßregeln  zu  sichern,  die  Willensmeinung  Seiner  Majestät  des  Königs   einzuholen.¹

Einstweilen  ersuche  ich  Ew.  pp.  ergebenst,  den  Freiherrn  von  Hardenberg  wiederholt
auf  die  Notwendigkeit  eines  entschiedenen  und  prompten  Niederhaltens  jeder  Renitenz
aufmerksam  zu  machen.  Ohne  es  besonders  auszusprechen,  ist  es  doch  an  der  Zeit,  dem
okkupierten  Lande  ernstlich  fühlbar  zu  machen,  daß  wir  unsere  Herrschaft  daselbst  als  für
die  Dauer  gesichert  ansehen,  und  dadurch  die  Anhänger  Preußens  zu  ermutigen,  unsern
Gegnern  aber  eine  größere  Scheu  einzuflößen.  Jeder  wirkliche  Widerstand  ist  unnachsichtlich
  zu  unterdrückren  und  zu  bestrafen;  ebenso  jeder  Exzeß  gegen  preußische  Soldaten  und
Untertanen,  wie  solche  namentlich  infolge  von  Aufreizungen  der  entlassenen  hannöverschen
Soldaten  hier  und  da  vorgekommen  sein  sollen.  Der  Ort  oder  die  Gemeinde,  in  welcher
derartiges  vorfällt,  ist,  wenn  die  lokalen  Behörden  nicht  etwa  gleich  energisch  eingeschritten
sind,  mit  angemessener  Kontribution  zu  belegen.  Auch  erinnere  ich  nochmals  daran,  daß  in
betreff  derjenigen  Soldaten  und  Offiziere,  welche  ungeachtet  der  Kapitulation  der  hannöverschen
  Armee  nach  Frankfurt  oder  dem  Süden  gegangen  und  in  die  sogenannte  Bundesarmee
  eingetreten  sein  sollen,  die  strengste  Untersuchung  und  kriegsrechtliches  Verfahren
eingeleitet  werden  muß.

Ich  ersuche  Ew.  pp.,  den  Freiherrn  von  Hardenberg  in  diesem  Sinne  mit  Instruktion
zu  versehen.

1  Durch  Telegramm  vom  30.  Juli  teilte  Bismarck  Hardenberg  die  Ernennung  des  Generalleutnants
von  Voigts-Rhetz  zum  militärischen  Gouverneur  von  Hannover  mit.

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