Maßregeln gegen Umtriebe in Hannover. 83
pp. sich auf den preußischen Standpunkt zu versetzen. Italien hat die Gewißheit, alles zu
erlangen, was ihm im Traktat versprochen, und zwar durch unsere Erfolge, ohne daß es
uns bisher den mindesten Nutzen getan; wir haben noch nichts, sollen erst durch Verhandlungen
erlangen. Bei diesem ungleichen Verhältnis müssen wir unsere Interessen in
erster Linie zu Rate ziehen und zunächst dafür die vertragsmäßige Unterstützung Italiens
verlangen.
*502. Erlaß an den Stellvertreter des Ministers
der auswärtigen Angelegenheiten Freiherrn von Werther.
(Konzept von der Hand des Vortragenden Rats Abeken.)
Die Erregung, die in Hannover seit der Kapitulation von Langensalza angesichts der
Ungewißheit über das Schicksal des Landes herrschte, führte hier und da zu Explosionen. So
kam es anläßlich der sogenannten Bennigsen'schen Erklärung vom 12. Juli, die sich zu dem
preußischen Bundesreformplan bekannte und zu nationaler Abwehr ausländischer Einmischung
aufrief (näheres darüber bei H. Oncken, Rudolf von Bennigsen, 1, 737ff W. Mommsen.
Johannes Miquel I; 342) in Celle am 18. und 19. zu einem Aufruhr auch sonst traten
antipreußische Bestrebungen zutage, denen Bismarck angesichts der sich steigernden Aussichten
auf die Annexion scharf entgegenzutreten für nötig fand.
Nikolsburg, den 25. Juli 1866.
Der Herr Minister des Innern Graf Eulenburg hat mir mitgeteilt, daß nach ihm
zukommenden Nachrichten aus Hannover dort in großartigem Maßstabe gegen die preußische
Verwaltung konspiriert werde, und daß es an Mitteln fehle, um die Fäden der
Konspiration in die Hand zu bekommen. Ich habe den Herrn Minister gebeten, einstweilen
dem Königlichen Zivilkommissarius geeignete weitere Polizeikräfte zu überweisen, und behalte
mir vor, über die Frage, ob nicht ein besonderer Militärgouverneur für Hannover zu
bestellen sein möchte, um ein energisches Ineinandergreifen der zivilen und militärischen
Maßregeln zu sichern, die Willensmeinung Seiner Majestät des Königs einzuholen.¹
Einstweilen ersuche ich Ew. pp. ergebenst, den Freiherrn von Hardenberg wiederholt
auf die Notwendigkeit eines entschiedenen und prompten Niederhaltens jeder Renitenz
aufmerksam zu machen. Ohne es besonders auszusprechen, ist es doch an der Zeit, dem
okkupierten Lande ernstlich fühlbar zu machen, daß wir unsere Herrschaft daselbst als für
die Dauer gesichert ansehen, und dadurch die Anhänger Preußens zu ermutigen, unsern
Gegnern aber eine größere Scheu einzuflößen. Jeder wirkliche Widerstand ist unnachsichtlich
zu unterdrückren und zu bestrafen; ebenso jeder Exzeß gegen preußische Soldaten und
Untertanen, wie solche namentlich infolge von Aufreizungen der entlassenen hannöverschen
Soldaten hier und da vorgekommen sein sollen. Der Ort oder die Gemeinde, in welcher
derartiges vorfällt, ist, wenn die lokalen Behörden nicht etwa gleich energisch eingeschritten
sind, mit angemessener Kontribution zu belegen. Auch erinnere ich nochmals daran, daß in
betreff derjenigen Soldaten und Offiziere, welche ungeachtet der Kapitulation der hannöverschen
Armee nach Frankfurt oder dem Süden gegangen und in die sogenannte Bundesarmee
eingetreten sein sollen, die strengste Untersuchung und kriegsrechtliches Verfahren
eingeleitet werden muß.
Ich ersuche Ew. pp., den Freiherrn von Hardenberg in diesem Sinne mit Instruktion
zu versehen.
1 Durch Telegramm vom 30. Juli teilte Bismarck Hardenberg die Ernennung des Generalleutnants
von Voigts-Rhetz zum militärischen Gouverneur von Hannover mit.
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