69] R. Reinhard, Die wichtigsten deutschen Seehandelsstädte., 495
In 1 2 3 4 5 und mehr
Bremen . . 33,05 4,47 11,52 0,96 0,00 9;o
Altona . . 10,08 35,89 35,45 17,60 0,98 9;
Kiel . . . 19,03 35,01 29,49 15,38 0,14 9%
Lübeck . . 15,50 53,90 26,50 4,10 0,00 9a
Stettin . . 13,79 18,12 17,92 39,68 10,49 9%
Danzig . . 24,10 31,78 25,33 16,40 2,39 %0
Königsberg . 18,77 27,43 32,24 19,71 1,85 °0
87,52% aller Wohngebäude aus!), und Otto Schlüter sagt mit Recht
von dieser Stadt, daß sie gleichsam ein Stockwerk zu niedrig sei?).
Aehnlich günstiger Verhältnisse erfreut sich auch Lübeck, von dessen
Wohngebäuden über die Hälfte nur zwei Stockwerke besitzt. Bei beiden
Städten erklärt sich die geringe Höhe, wie wir sehen werden, durch
die Menge der Einfamilienhäuser.
Andererseits fällt bei Stettin die große Anzahl der vier- und
fünfstöckigen Gebäude auf. Sie hat ihren Grund in dem Umstand,
daß Stettin verhältnismäßig lange die Fesseln des Festungsgürtels zu
ertragen hatte, was bei dem raschen Wachstum der Stadt seit den
siebziger Jahren zu einer starken Uebervölkerung führen mußte. Darum
hat Stettin auch von den in der Tabelle genannten Städten die größte
Zahl der Kellerwohnungen, die, besonders soweit sie in den niedrigen
Stadtteilen liegen, als sehr ungesund bezeichnet werden müssen. Ja, als
nach beschlossener und begonnener Entfestigung Stadt und Staat über
den Kaufpreis des Festungsterrains nicht einig werden konnten, führte
das Bedürfnis, dem drückenden Wohnungsmangel bei der nach dem
Falle der Festung noch schneller wachsenden Bevölkerung abzuhelfen,
zur schleunigen Ausführung einer ganzen Anzahl neuer Straßenanlagen
jenseits des Festungsrayons, etwa einen Kilometer von der eigentlichen
Stadt entfernt. Erst später wurde dies der Bebauung erschlossen, und
so bietet Stettin seit einer Reihe von Jahren das eigentümliche Bild
einer von außen nach innen wachsenden Stadt °)
Die in die Höhe treibende Wirkung der Festung sehen wir recht
deutlich auch in Königsberg. Im Jahre 1864 konnte die Stadt noch
Bremen und Lübeck an die Seite gestellt werden, ja übertraf beide
noch, denn 77° aller Wohnungen lagen im Erdgeschoß und ersten
Stockwerk, dagegen machten die Wohnungen im dritten und vierten
Stock nur 4° aus, 1890 aber waren die Anteile beider Wohnungsarten
bereits 57,9% und 13,6 %®).
!) Jahrbuch für Bremer Statistik 1896 S. 96. |
?) Otto Schlüter, Bemerkungen zur Siedelungsgeographie. Hettners
Geogr. Zeitschr. 1899 S. 79.
°) H. Meyer, Stettin in alter und neuer Zeit S. 27.
) Dr. A. Dullo, Die Gebäude und Wohnungsverhältnisse in Königsberg i. Pr.
1890 8. 55—56.