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Ueber die Höhe der Gebäude in den einzelnen Stadtteilen sagt
uns die Statistik der deutschen Städte nıchts, und auch die Kommunalstatistiken,
die einige der hier betrachteten Orte besitzen, geben uns
darüber keine Auskunft. Wie schon erwähnt, nimmt ım allgemeinen
die Gebäudehöhe mit der mehr offen werdenden Bauweise von innen
nach außen ab; besonders stark schien uns der Unterschied ın Bauhöhe
und Baudichte zwischen den äußeren und inneren Stadtteilen in
Hamburg und Stettin zu sein. Es ist jedoch beinahe selbstverständlich,
daß die am Strom gelegenen peripherischen Stadtteile die geschlossene
Bauweise und entsprechende Höhe beibehalten. Dort befinden sich
große Speicherhäuser und industrielle Anlagen, und für die in diesen
beschäftigten Beamten und Arbeiter sind in der Nähe Stadtteile entstanden,
die fast nur aus Etagenhäusern bestehen. So kommt jener
Auflockerungsprozeß, der aus ästhetischen und besonders aus sanitären
Gründen zu begrüßen ist, in der Hauptsache nur den binnenländischen
Vorstädten zu gute,
Dieser Prozeß aber wird gerade in den deutschen Seestädten
unterstützt durch die Vorliebe des norddeutschen Kaufmanns für em
eigenes Heim. Sei es, daß er, der den ganzen Tag über mit Leuten
aus aller Herren Ländern zu thun hat, und der bei Abwicklung seiner
Geschäfte stets mehr den Kopf als das Herz sich muß bethätigen lassen,
in seinen Feierstunden besonders das Bedürfnis hat, mit den Seinen
ungestört allein zu sein, sei es, daß er auch hierin unbewußt den englischen
Kaufmann nachahmt, der ja in vielen Stücken seiner Geschäftsund
Lebensführung sein Vorbild ist, sei es endlich, daß die Gewohnheit
des niedersächsischen Bauern ihre letzten Spuren verrät, kurz,
wenn er es irgend möglich machen kann, baut er sich ein eigenes
Haus, das er sich dann möglichst behaglich einrichtet!). Wir finden
daher in jenen Städten das Einfamilienhaus außerordentlich häufig.
Alle werden freilich in dieser Beziehung weit übertroffen durch Bremen,
das noch im Jahre 1895 unter allen Privatwohnungen 44,19°j Einfamilienhäuser
hatte?). Aber auch Königsberg und Hamburg weisen
den verhältnismäßig hohen Prozentsatz von 8,8°?) bezw. 5,76 0%)
auf. Von den übrigen Städten existieren keine diesbezüglichen Angaben,
jedoch lehrt der Augenschein, daß auch in ihnen jene kleinen
mehr oder weniger villenartigen Häuser beliebt sind, und in den Lübecker
Vorstädten sind diese fast allein herrschend.
Die offene Bauweise und besonders die Einfamilienhäuser, die bei
geringer Höhe nicht selten auf allen Seiten von einem Garten umgeben
sind, verleihen einer Stadt in ihren äußeren Teilen eine außerordent-!,
Wo er aber gezwungen ist, in einem Mietshaus seine Wohnung mit
anderen Leuten zu teilen, will er wenigstens in seiner Etage ganz für sich sein,
und es ist uns wenigstens von Bremen und Hamburg bekannt, daß dort kaum wie
in anderen Städten die Gärten, Hofplätze, Müllgruben, Waschküchen u. s. w. jemals
von den Bewohnern eines Hauses gemeinsam benutzt werden. Vgl. Hamburg und
seine Bauten S. 555.
2) Jahrbuch für Bremer Statistik 1896 S. 99.
®) Dullo, Gebäude und Wohnungsverhältnisse in Königsberg i. Pr. 1890 S. 28.
4, Statistik des Hamburger Staates 1900, Heft 19, 2. Halfte, S.90.