Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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die  Hebamme  ohne  Erlaubniß  des  Arztes  Einfpritzungen  in  die
Mutterscheide  oder  die  Gebärmutter  nur  in  solchen  Fällen  bei  Schwangeren
  und  Gebärenden  machen,  in  welchen  das  Lehrbuch  ihr  dieselben
  ausdrücklich  vorschreibt  (s.  o.  8.  167.,  168.,  179.,  183.,
253.,  312.,  840.,  3842.).  Bei  Wöchnerinnen  hat  sie  —  die  Fälle
von  Blutungen  ausgenommen  (s.  o.  F.  372.)  —  ihre  selbständige
Thätigkeit  auf  eine  Bespülung  der  äußeren  Geschlechtstheile  und  des
Scheideneinganges  zu  beschränken  (s.  o.  8.  130.,  3869.).

Der  Frau  wird  bei  diesen  Einspritzungen  immer  eine  Rückenlage
  gegeben.  Die  Hebamme  achte  darauf,  daß  die  Lage  bequem
sei,  da  die  Einspritzung  gewöhnlich  längere  Zeit  in  Anspruch  nimmt.
Um  die  Durchnässung  des  Lagers  durch  das  zurücksließende  Wasser
zu  verhüten,  muß  zum  Aufsangen  desselben  der  Frau  ein  Stechbecken,
oder  ein  sonst  geeignetes  Gefäß  untergeschoben  werden.

Die  Hebamme  bedient  sich  zu  diesen  Einspritzungen  ebenfalls
des  Irrigators.  Das  eine  Ende  des  Schlauches  zieht  sie  auch  hier
über  die  Spitze  des  Trichters  und  das  andere  über  das  Anfangsstück
  des  gekrümmten  Mutterrohres.  Zum  Anschrauben  an  dieses
führt  sie  zwei  Knöpfe  mit  sich;  einen,  welcher  nach  Art  einer  Brause
von  einer  Anzahl  kleiner  Löcher  durchbohrt  ist,  und  einen  zweiten,
welcher  ein  einziges  größeres  Loch  an  der  Spitze  trägt  und  einen
kräftigeren  Strahl  höher  hinauf  leitet.  Des  ersten  Knopfes  bedient
sie  sich  vorzugsweise  bei  reinigenden  Einspritzungen,  des  zweiten  da,
wo  es  sich  um  die  Stillung  von  Blutungen  aus  der  Gebärmutter
handelt.  Bei  der  Füllung  des  Irrigators  verfährt  sie  in  derselben
Weise,  wie  beim  Klystiersetzen.  Nachdem  sie  die  Luft  aus  dem
Schlauche  entfernt  und  denselben  wieder  mit  dem  Quetscher  geschlossen
hat,  übergiebt  sie  entweder  auch  hier  den  Irrigator  einer  Gehülfin,
oder  hängt  ihn,  wo  es  angeht,  in  der  passenden  Höhe  an  der  Wand
auf,  hält  dann  mit  zwei  Fingern  die  Schamlippen  von  einander  und
führt  unter  der  Leitung  des  Zeigefingers  der  anderen  Hand  das  eingeölte
  Mutierrohr  ungefähr  6  bis  7  Centimeter  weit  in  die  Scheide,
bei  Gebärmunerblutungen  aber  bis  an  oder  in  den  Munermund.
Darauf  öffnet  sie  den  Quetscher  und  läßt  die  Flüssigkeit  ausströmen.
Durch  Heben  oder  Senken,  höheres  oder  tieferes  Anhängen  des  Irrigators
  kann  sie  die  Stärke  des  Stromes  beliebig  ändern.  Um  das