Pflege der Verwundeten. 55
schwornen blutigen Geister ihnen selber drohend gegenüber traten.
Diese Elenden waren bald vergessen.
Während in Paris auf diese Weise der Einfluß der Republikaner
sich immer mehr fühlbar machte und die Regentin zu den äußersten
Schritten trieb, gestalteten sich auch bei der Armee die Sachen für
das Kaiserreich immer ungünstiger. Napoleon hatte bisher den Oberbefehl
geführt, seiner Unfähigkeit schrieb die öffentliche Stimme die
erlittenen Niederlagen zu, ungestüm wurde verlangt, ein andrer solle
an die Spitze der Armee treten. Der Kaiser gab dem Drucke nach,
Marschall Bazaine, der Bandit von Mexiko, wurde zum Oberbefehlshaber
und Oberfeldherrn ernannt, der Kaiser verblieb bei dem Heere,
aber ohne Charge. Von dem edlen Prinzen Louis, dessen Kaltblütigkeit
die Graubärte unter den Soldaten angeblich zu Thränen rührte,
ist von nun an nicht mehr die Rede.
Drei glänzende Siege, welche den Rückzug des ganzen französischen
Heeres erzwangen, der Sturz des Ministeriums, welches den
Krieg erklärte, der Verzweiflungskampf des wankenden Kaiserreichs
gegen die drohend aufstehende Republik — das waren die Resultate
der deutschen Waffen in der ersten Woche des Krieges! Sie waren
ungeheuer, sie setzten ganz Europa in starres Erstaunen, sie erfüllten
alle deutschen Herzen auf dem Erdenrund mit Jubel, und wohl war
König Wilhelms Wort am rechten Platze, wenn er in dem Siegestelegramme
seinem Volke zurief: „Preisen wir Gott für seine Gnadel“
Fast gleichzeitig mit den Siegesbotschaften trafen aber auch die
Züge mit den Verwundeten ein, und daheim beeilte man sich, nach
allen Kräften die Noth derer zu lindern, welche für das Vaterland
geblutet hatten.
Von Seiten des States sowohl wie von Privatleuten waren umfassende
Maßregeln zur Verpflegung der Verwundeten getroffen. Ausgezeichnet
durch Zweckmäßigkeit und Präzision der Hülfeleistungen waren
die Anstalten des Johanniterordens, dessen Mitglieder besonders unter
dem Adel der ältern Landestheile, unter Vorsitz des Prinzen Karl von
Preußen, vertreten waren. Dieser Orden, dessen Fonds allein in den
freiwilligen Beiträgen seiner Mitglieder bestehen, besitzt zahlreiche, nach
den besten Erfahrungen eingerichtete Krankenwagen, Lazarethe und an-