Full text : Wehr-Katechismus.

III.  Theil:  Soldat.

9.  Abschnitt:  Soldatenpflicht.  Dienst.

§  1.  Im  Allgemeinen.

173.  Nachdem  wir  vernommen  (37  und  128),  daß  der  Wehrpflichtige
  mit  Leistung  des  Fahneneides  Soldat  wird,  fragen
wir,  was  ist  die  Pflicht  des  Soldaten  im  Allgemeinen!

Sie  lautet  einfach,  ist  aber  schwer:  der  Soldat  muß  gehorchen.


174.  Hat  diese  Pflicht  keine  Grenzen!
Es  sind  die  Grenzen  des  dienstlichen  Befehles.

175.  Was  sind  die  Grenzen  des  dienstlichen  Befehles,  und
was  darf  also  der  Vorgesetzte  nicht  befehlen?

I.  Das,  was  nach  den  Naturgesetzen  unmöglich  ist,  so  daß  der
Untergebene  auch  keinen  Versuch  zur  Ausführung  zu  machen  hat.

II.  Das,  was  nach  den  bürgerlichen  Gesetzen  rechtswidrig  ist.

III.  Das,  was  nach  Gesetz  und  Wille  des  obersten  Kriegsherrn
  nicht  zur  Bestimmung  des  Heeres  und  zum  militärischen
Dienste  im  Allgemeinen  oder  zum  Dienste  einer  bestimmten  Wehrpflichtgattung
  gehört.

176.  Haben  förmliche  Gesetze  ausgesprochen,  was  die  Bestimmung
  und  der  Dienst  der  Soldaten  seir?

Das  Wehrgesetz  deutet  als  solchen  Dienst  nur  im  Allgemeinen
  den  Krieg,  die  militärische  Ausbildung  und  Erhaltung
der  gesetzlichen  Ordnung  an;  unser  oberster  Kriegsherr  spricht  sich
in  den  Dienstesvorschriften  (vom  Jahre  1823)  darüber  des  Näheren
  folgendermaßen  aus:

„Die  Bestimmung  des  Heeres  ist,  den  Gesetzen  Kraft
und  Nachdruck  zu  verschaffen  und  dem  Staatsbürger  sowohl
gegen  äußere  als  innere  Feinde  Schutz  zu  gewähren.“