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Der deutsche Mittelstand und das Bauerntum sind auch der kraftvollste Träget
bewußten Deutschtums. Das Zentrum wird politisch geleitet von Rom aus, und
römische Belange kreuzen sich meistens mit den deutschen. Der Freisinn vertritt das
jüdische Großkapital, und seine mächtige Presse arbeitet stets politisch mit der jüdischen
Großfinanz in gleichem Sinne. Die jüdische Großfinanz ist aber ebenso international
wie der Jesuitismus. Die Sozialdemokratie baut ihre Theorien auf der Gleich-
heit alles Menschentums auf: Proletarier aller Länder vereinigt euch!; in der
Herrschaft über die Völker sollen allerdings die Menschen nicht gleichberechtigt sein,
sondern hierin soll die Arbeiterklasse ein Vorrecht besitzen. Dieses Vorrecht glaubt
sie nur durch die Verbrüderung der Arbeiter aller Völker erreichen zu können; da-
rum ist sie international. Ein auf sein Deutschtum stolzes deutsches Volk würde für
alle drei Parteien einen schlechten Boden ergeben. Das Jentrum hatte in den ersten
zwei Jahren noch deutschtümliche Anwandlungen, unterwarf sich dann aber völlig
der vatikanischen Politik Erzbergers. Der Welkkrieg war für das Zentrum die
entscheidende Probe, ob es als deuksche Partei gelten könne oder ob es der
Internationale zuzurechnen sei. Sogar die Kanzlerschaft war ein volles Jahr in
seinen Händen. Es hat die Probe nicht bestanden; wir wissen jetzt endgültig,
in jedem Zwiespalt zwischen Deutschtum und dem Vatikan wird sich das Zentrum
auf die vatikanische Seite schlagen.
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Von dem gemeinsamen Gesichtspunkte der Gegnerschaft gegen reines
Deutschtum aus fanden sich die Mehrheitsparkeien auch in ihren Kriegszielen
zusammen. Auch hier war das Verbindende ein Verneinendes; keine der Par-
teien wollte ein größeres Deutschland, keine einen politischen Machtzuwachs
Deutschlands.
Das deutsche Kaiserreich ist ein vorwiegend prokestantisches Kaiserreich; der
Vatikan aber kann die Stärkung eines protestantischen Reiches nicht wünschen.
So wie es war, konnte es dem Vatikan recht sein; dies Deutsche Reich stützte den
Katholizismus im Reiche besser, als es die einzelnen Bundesstaaten gekonnt hatten,
und vor allem brauchte der Hort des vatikanischen Katholizismus, der österrei-
chische Staat, die Stütze des Deutschen Reiches. Dem Katholizismus ging es im
Reiche Kaiser Wilhelms II. ausgezeichnet. Aber ein Landzuwachs im Osten hätte
trotz einer katholischen Besiedelung Litauens doch den Protestantismus wohl
mehr in die Vorderhand gebracht, und der allgemeine politische Machtzuwachs des
Reichs hätte in höherem Maße das protestantische Preußen befruchtet als die vor-
wiegend katholischen Staaten. Aus dem gleichen Grunde erleben wir in Deutschland
niemals eine nationale Bewegung, an deren Spitze katholische Geistlichkeit Künde,
während bei den Polen, den Tschechen, den Slowaken, den Wallonen, den Italienern
die Führung der Verbände, die schärfer allpolnisch, alltschechisch usw. sind als der all-
deutsche alldeutsch, in den Händen des katholischen Klerus liegt. Wenn in Deutsch-
land der katholische Klerus politisch sich anstrengt, dann handelt es sich entweder
um Dinge, wie die Einführung der Jesuiten, oder um Französierung und Polo-
nisierung in der Art Wetterlés und der polnischen Geisilichkeit.
In Österreich ist der katholisch jesuitische Klerus eifrig damit beschäftigt,
die Angliederung Deutschösterreichs an das Reich, die einen neuen Machtzuwachs
Deutschlands bedeuten würde, zu hintertreiben, und die jesuitisch gesiunte Null