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Der Rhein wäre die wichtigste deutsche Wasserstraße, wenn sein
Mündungsgebiet nicht in fremden Händen liegen würde. So aber nimmt
er trotz seiner für den deutschen Binnenhandel so günstigen Stromentwickelung
erst die zweite, ja nach der Anzahl der Fahrzeuge sogar erst die
dritte Stelle unter den deutschen Strömen ein.
Die Ems bleibt ziemlich eisfrei und gestattet bei ihrem Wasserreichtum
eine rege Kahnschiffahrt. An die Ems schließt sich das große ostfriesische
Kanalsystem an, welches größtenteils durch die Entwässerung von Torfmooren
hervorgerufen worden ist und dem Torfhandel und Ortsverkehr
ient.
Die Weser ist zeitig eisfrei und bleibt in manchen Wintern immer zugänglich.
Dampfer gehen aufwärts bis Münden und Handelsschiffe auf der
Fulda bis Kassel, sobald deren begonnene Schiffbarmachung zwischen Münden
und Kassel vollendet sein wird.
Die Elbe ist von allen deutschen Strömen für den Binnenhandel
am wichtigsten. Ihre Schiffbarkeit beginnt mit dem Einfluß der Moldau.
Unter ihren Nebenflüssen wird die Havel selbst von großen Flußschiffen und
Dampfern befahren.
Die Oder ist der bedeutendste deutsche Strom des Ostseebeckens und
wetteifert hinsichtlich ihrer Bedeutung für den deutschen Binnenhandel
mit dem mächtigen Rheinstrom. Bei Ratibor wird sie für kleinere, bei
Breslau für größere Flußschiffe fahrbar; Seeschiffe gelangen bis Stettin.
Die Schiffbarkeit der Donau beginnt bei Ulm; die Dampfsschiffahrt
wird von Regensburg an betrieben.
Der Verbesserung der Flußläufe zum Zwecke des Handels und Verkehrs,
wie der Verbindung der einzelnen Flüsse untereinander durch Kanäle,
wird in neuester Zeit besondere Sorgfalt zugewendet.
Das wichtigste Beförderungsmittel des Binnenhandels sind die Eisenbahnen.
Das Eisenbahnwesen Deutschlands hat das seiner Nachbarländer
überflügelt, so daß Deutschland unter den europäischen Staaten in dieser
Beziehung die erste Stelle einnimmt. Die größten Bahnnetze sind im
deutschen Tieflande mit dem Knotenpunkte Berlin und im Rheingebiet mit
den Knotenpunkten Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main und Straßburg.
In Süddeutschland sind München, Stuttgart und Nürnberg wichtige
Punkte.
Zu den Verkehrsmitteln gehören auch das Post-, Telegraphenund
Telephonwesen. Den gewaltigsten Aufschwung nahm das Postwesen
seit der im Jahre 1874 (auf Betreiben des ersten deutschen Generalpostmeisters
Dr. von Stephan) erfolgten Gründung eines Weltpostvereins,
dessen Aufgabe es ist, den Weltpostverkehr auf alle Weise zu fördern und zu
erleichtern,
JIn Bezug auf das Telegraphenwesen steht Deutschland mit Frankreich
auf gleicher Stufe; in der Ausbildung und Anwendung des Telephons
aber übertrifft es alle Länder der Erde. Nach Tromnau.
Maier-Bode, Lesebuch. 3. Aufl. 8