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wohl mit demWunsche zusammenhing, die Reichshandlung möglichst
zu beschleunigen, um dergestalt die günstige Gelegenheit, welche
die Zweiungen unter den Weltlichen und namentlich auch die Abwesenheit
der evangelischen Fürsten, Johanns von Sachsen, des
Landgrafen u. A., ihnen bot, nach Kräften auszunutzen '). Um daher
dem Fortgang der Verhandlungen keinen Steim in den Weg
zu wälzen, hatten die Geistlichen es zuförderst ohne Widerspruch
hingenommen, dafs man bei Gelegenheit der Teilung des ersten
Artikels der Proposition die Beseitigung der Mifsbräuche als Beratungsgegenstand
gleichsam einschwärzte; ihr Gegenzug bestand,
wie erwähnt, nur darin, dafs sie nunmehr den fünften Punkt, die
Mafsregeln zur Ausführung des Wormser Edikts, urgierten. Aber
sie sahen sich hiermit abgewiesen, und es schien, als wolle man die
Beseitigung der Mifsbräuche alsbald in den Mittelpunkt der Verhandlungen
stellen. Da konnte denn der Konflikt nicht lange
ausbleiben?). Er wurde offenkundig, sobald man an die Frage herantrat,
was denn unter Mifsbräuchen zu verstehen sei? Vielleicht
waren es die Geistlichen selbst, welche diese Frage aufwarfen, um
sogleich eine Erklärung der Versammelten über diesen entscheidenden
Punkt zu provozieren und sich daraufhin über ihr künftiges Verhalten
schlüssig zu. machen. Und die Gegner blieben ihnen die
Antwort nicht schuldig. Von den Städten fleilsig sekundiert,
nahmen die Reformfreunde keinen Anstand, zu behaupten, dafs
alle Einrichtungen der Kirche, welche sich nicht ausdrücklich
und unwiderleglich als gut und christlich erweisen liefsen, als
Milskräuche anzusehen und womöglich abzustellen seien. Diese
Auffassung mulste denn freilich den Geistlichen als höchst bedrohlich
für ihren ganzen Stand erscheinen; sie setzten derselben
ihre mindestens ebenso extreme Ansicht entgegen, wonach alles,
was sich bisher im Brauch erhalten, als gut und christlich gelten
und auch ferner einfältiglich geglaubt und beobachtet werden
') Vgl. die Frankfurter Relation vom 27. Juni, wonach von den Geistlichen
und ihrem Anhang fleifsig geeilt werde, im Hinblick auf andere
Fürsten, die noch nicht angekommen seien, und von denen jene zu besorgen
schienen, dieselben möchten ihr Vornehmen hindern oder abwenden. Ähnlich
Baumgärtner am 30. Juni: die Städte seien von Wohlmeinenden darauf aufmerksam
gemacht worden, dafs man seitens der höheren Stände „Gefähr [d. i. Gefährde,
Arglist] brauchen und deren nicht gern erwarten wole, die zu der
Sache [des Glaubens] dürften reden*.
?) Das Folgende nach Otto’s von Pack Relation vom 2. Juli (Visit. Mar).