Metadata : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

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27.  Gin  wohlhabendes  Dorf.

In  das  Gebiet  der  Gemeinde  gehörte  auch  ein  Besitztum,  das  aus
einem  hübschen  Landgut  und  einem  Schlößchen  bestand.  Der  Besitzer  desselben,
  ein  reicher  Mann  mit  Namen  Hofmann,  wohnte  jedoch  in  der  Stadt
und  kam  nur  in  der  schönen  Jahreszeit  manchmal  heraus.  Der  Charakter
der  Schönfelder  und  der  Anblick  ihres  Elends  waren  ihm  zuwider.  Er  hatte
den  guten  Willen  Hilfe  zu  leisten,  wo  es  not  tat,  sah  aber  wohl  ein,  daß
seine  Wohltätigkeit  das  Ubel  nicht  von  Grund  aus  beseitigen  konnte.  Arbeitsam
  und  beharrlich,  aber  schüchtern  und  schwer  von  Entschluß,  hätte  er
nie  das  Werk  begonnen,  das  sich  Doktor  Auer  zur  Aufgabe  gemacht  hatte.

Dieser  aber  begriff,  welchen  Beistand  er  bei  einem  Manne  finden
konnte,  der  Glücksgüter  und  die  erforderliche  Muße  neben  einem  offenen
Sinne  für  das  Wohl  seiner  Mitmenschen  besaß.  Er  machte  daher  Herrn
Hofmann  mit  seinem  Vorhaben  bekannt;  dieser  nahm  es  beifällig  auf  und
versprach  Unterstützung.  Schon  wiederholt  war  Herrn  Hofmann  die  Stelle
des  Ortsvorstandes  angeboten  worden;  nun  entschloß  er  sich  dieselbe  anzunehmen.
  Dies  brachte  für  ihn  die  Notwendigkeit  mit  sich  öfter  in  Schönfeld
zu  verweilen;  ja,  er  verlegte,  eingenommen  für  das  Werk,  an  dem  er  mitwirken
  sollte,  bald  seinen  Wohnsitz  dahin.

Leeider  starb  zur  selbigen  Zeit  der  hochwürdige  Herr  Pfarrer,  ein  Mann
in  den  besten  Jahren,  auf  dessen  Mitwirkung  die  beiden  gerechnet  hatten.
Da  der  Doktor  überzeugt  war,  daß  die  Wiedergeburt  einer  verwahrlosten
Gemeinde  ohne  den  Beistand  der  Religion  unmöglich  sei,  so  bot  er  allen  seinen
Einfluß  auf,  daß  für  die  Gemeinde  wieder  ein  Geistlicher  bestimmt  wurde,
der,  kräftig  und  erleuchtet,  ihn  in  seinem  Vorhaben  unterstützen  konnte.  Dies
gelang  und  dem  Doktor  standen  nun  tüchtige  Kräfte  als  Mitarbeiter  zur  Seite.

Es  würde  zu  weit  führen,  wenn  wir  die  Mittel  nachweisen  wollten,
welche  in  schöner  Übereinstimmung  von  den  drei  Männern  angewandt
wurden  um  dem  Dorfe  ein  anderes  Aussehen  zu  geben.  Die  Veränderung
war  eine  solche,  daß  es  eigentlich,  um  die  Zustände  zwanzig  Jahre  später
darzustellen,  nur  der  Kehrseite  der  Schilderung  bedürfte,  die  wir  oben  gegeben
  haben.  ,

Eine  in  Unmwissenheit  versunkene  Bevölkerung  wird  am  besten  durch
Beispiele  überzeugt.  Um  also  die  Bewohner  von  Schönfeld  zueinem  besseren
Feldbau  anzuspornen,  mußten  sie  auf  günstige  Erfolge  hingewiesen  werden
können.  Eben  jetzt  lief  der  Pacht  auf  dem  Besitztum  des  Herrn  Hofmann
ab.  Er  ließ  große  Verbesserungsarbeiten  auf  seine  Kosten  vornehmen,
welche  den  neuen  Pächter  verpflichteten  sich  seinen  Ansichten  zu  fügen.
Dem  kleineren  Besitztum  des  Doktors  stand  ein  Verwalter  vor;  auch  hier
Verbesserungen  durchzuführen,  dazu  fehlte  es  ihm  an  dem  nötigen  Kapital.
Er  entschloß  sich  zu  einem  Schritt,  der  sich  als  eines  der  heilsamsten  Beispiele
  erwies.  Statt  Geld  aufzunehmen,  verkaufte  er  die  Hälfte  seines
Besitzes;  nun  hatte  er  die  Mittel  den  Rest  nutzbarer  zu  machen.  Daß  dies
nicht  nur  ein  gutes  Beispiel  sondern  auch  eine  gute  Spekulation  war,  zeigte
sich  zehn  Jahre  später,  indem  ihm  die  Hälfte  seiner  Güter  einen  schöneren