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stoff. Daß derselbe von eingelnen badischen Impfärgten noch mit Glycerin verdünnt
wurde, wird in einem dem Großherzoglichen Staatsministerium vorgelegten Berichte gerügt.
In Elsaß-Lothringen wurden fast sämmtliche Impfungen mit Thierlymphe
ausgeführt, die mit nur geringen Ausnahmen aus den Landesimpfanstalten zu Straß
burg und Metz geliefert worden war.
Die Impfstoffgewinnungsanstalt in Bernburg versorgte nicht nur alle Impfärzte
des Herzogthums Anhalt, sondern auch ebenso wie die Anstalt in Weimar die Aerzte
mehrerer anderer Bundesstaaten mit Lymphe, daneben wurde in denjenigen Staaten,
welche einer eigenen staatlichen Impfs gsanstalt entbehrten, die Thierlymphe
am häufigsten von Dr. Protze= Elberfeld. Apotheker Aehle-Hamburg, Lahnsen-Bremen,
der Anstalt zu Aachen u. a. bezongen. (Vgl. auch den Bericht über die Thätigkeit der
pf i. J. 189. Arb. a. d. Kaiserl. Ges.-Amte VII S. 83—130).
Demerte awerthe Klagen über die Beschaffenheit des gelieferten Impfstoffs sind nicht
laut geworden.
Der Gesundheitszustand der Impflinge. Das Vorkommen von Skrofulose unter
den Impflingen in größerer oder geringerer Verbreitung wird aus fast sämmtlichen
Negierungsbezirken des Königreichs Preußen berichtet, dasjenige von Tuberkulose aus
der Mehrzahl und das von Nhachitis und von Syphilis aus annähernd der Hälfte der
Begirke; jedoch ist die letztgenannte Krankheit, wie auch Tuberkulose, immer nur in
vereinzelten Fällen festgestellt worden, Syphilis z. B. selbst in Berlin nur bei 5
Erstimpflingen. Hinsichtlich der mangelnden Zuverlässigkeit und Vollständigkeit der Berichtsangaben
hierüber, sowie der Abstandnahme von der Impfung wegen dieser und
anderer Krankheiten, vgl. den vorjährigen Bericht (a. a. O. S. 463).
Im Königr. Sachsen war die Skrofulose diejenige konstitutionelle Erkrankung,
welche neben allgemeiner Körperschwäche und neben Nhachitis am häufigsten Grund
zur vorläufigen Zurückstellung gab, doch wurden skrofulöse Kinder auch häufig ohne
jeden Nachtheil geimpft, sobald sich dabei keine besondere Neigung zu chronischen
Hautausschlägen bemerkbar machte. Tuberkulose kam in verschiedenen Bezirken, jedoch
nur in wenigen Fällen, zumal bei Schulkindern vor. Syphilis wurde in 14 Medizinalbezirken,
meistens jedoch nur in je einem oder zwei Fällen beobachtet. Bei der
Tuberkulose und bei der Syphilis scheint man stets von dem Impfen abgesehen
Zu haben.
In Württemberg sind Fälle von Skrofulose in den meisten Bezirken und zwar,
soweit Zahlenangaben vorliegen, im Ganzen bei fast 1 % der impfpflichtigen Kinder
beobachtet. Die mpfung wurde nicht unterlassen, vielmehr meist auf besonderen
Wunsch der Eltern ausgeführt, da bei der Bevölkerung der — auch von einigen
Aerzten getheilte — Glaube herrscht, die Impfung übe einen heilsamen Einfluß auf
kränkliche Kinder aus. So sagt der Oberamtsarzt von Stuttgart, daß er die langjährige
Beobachtung gemacht habe, daß hartnäckige skrofulöse Ausschläge nicht selten nach der
Impfung verschwinden, und die Kinder nachher gesunder sind als zuvor. Tuberkulose
kam unter den Impflingen verhältnißmäßig selten vor; von der Impfung wurde
in diesen Fällen jedesmal Abstand genommen. Syphilis kam im Gangen 5 Mal
zur Beobachtung.
In den übrigen Bundesstaaten wurde vielfach wegen Skrofulose, Nhachitis,
Schwäche (Atrophie) von der Impfung Abstand genommen; Tuberkulose wurde selten,
Syphilis in den meisten Staaten garnicht beobachtet (in Baden „nicht sehr gahlreiche"
Fälle, in Mecklenburg-Schwerin 2, in Anhalt „einige“ Fälle). In Elsaß-Lothringen
wurde wegen Ekzem und Syphilis in einer „größeren Anzahl“ von Fällen die Impfung
ausgesetzt; Skrofulose, Tuberkulose, Rhachitis wurden in allen Bezirken vielfach beob-Mediz.-stat.
Mitlheil. d. K. Gesundheitoomtes. Vd. 1. 2