Full text : König Albert von Sachsen von Johann Georg, Herzog zu Sachsen.

Priesterweihe  des  Prinzen  Max.  Kaisermanöver.  Mentone.  315

 

gannen  nun  die  Manöbver  in  der  Lausitz.  Da  General  von
Treitschke  zur  Führung  einer  Oivision  herangezogen  war,
so  tat  für  die  Dauer  dieser  Manöver  General  von  Carlowitz
zu  seiner  großen  Freude  wieder  einmal  Dienst  beim  König.
Letzterer  hielt  trotz  des  schlechten  Wetters  die  Manöver  sehr
gut  aus.  Am  9.  Dezember  wurde  unsere  Familie  noch  durch
die  Geburt  meines  dritten  Aeffen  Ernst  Heinrich  erfreut.
Das  neue  Jahr  1897  begann  in  der  gewöhnlichen  Weise.
Der  König  reiste  in  diesem  Jahre  zu  Kaisers  Geburtstag  nicht
nach  Berlin.  Am  16.  Februar  geschah  der  Brand  der  Kreuzkirche.
  König  und  Königin  besichtigten  den  Tag  darauf  die
Brandstätte.  Am  18.  reisten  sie  beide  nach  Mentone,  wo
sie  dieses  Mal  in  Cap--Martin  Wohnung  nahmen.  So  schön
es  dort  war,  und  so  gut  man  dort  aufgehoben  war,  war
der  Aufenthalt  doch  nicht  das,  was  der  König  sich  gewünscht
bätte.  Die  Spaziergänge  waren  ihm  von  da  aus  zu  weit.
Sehr  erfreulich  war  es  ihm  dagegen,  daß  der  Kaiser  und
die  Kaiserin  von  Österreich  ebenfalls  da  weilten.  Außerdem
wurden  Besuche  beim  Fürsten  von  Monaco  und  bei  der
Kaiserin  Eugenie  gemacht.  Bei  ersterem  machte  der  König
einen  Ball  mit,  bei  dem  er  sich  anscheinend  ganz  gut  unterhielt.
  Wenigstens  hat  er  öfter  davon  gesprochen.  Auch  mit
den  französischen  Behörden  und  mit  der  Garnison  fand
gesellschaftlicher  Verkehr  statt.  Einen  Besuch  der  Spielbank
in  Monte  Carlo  vermied  der  König,  da  ihm  das  Treiben
widerlich  war.  Am  24.  schrieb  er  meinem  Vater:  „Solltest
Du  1#Ktägiger  Abwesenheit  bedürfen,  so  gebe  ich  Dir  hiermit
den  dazu  nöthigen  Urlaub,  auch  bin  ich  ganz  einverstanden,
daß  Hodenberg  statt  Deiner  das  Kommando  in  Dresden  übernimmt.
  An  Planitz  gebe  ich  TNachricht.  Carola  geht  es
besser.  Die  Kaiserin  von  D.  kam  uns  gleich  bei  der  Ankunft
entgegen,  seitdem  sah  ich  sie  nur  von  Weitem.  Sie  ist
erschreckend  verändert  und  alt  geworden.“  Dann  spricht  er  von
Erzherzog  Franz  Salvator,  Erzherzogin  Valerie  und  dem
Fürsten  Leopold  von  Hohenzollern  und  sagt  weiter:  „Der